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Finanzkrise
20. Oktober 2008 15:28; Akt: 20.10.2008 16:44 Print
Polizei stoppt Schweizer Künstler in Berlin
Der Schweizer Künstler Enrico Centonze hat zur Veranschaulichung des staatlichen Hilfspakets für die deutsche Bankenbranche goldene «Rettungsfahnen» vor dem Reichstag in Berlin aufgestellt - allerdings hat er die Rechnung ohne die deutsche Polizei gemacht.
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Finanzkrise
Bis zum Abend wollte der 27-Jährige 500 Flaggen aus gold- und silberfarbenen Rettungsdecken in den Boden stecken - eine Fahne für jede Milliarde Euro. Die Polizei brach die Aktion jedoch ab, nachdem etwa 150 Fahnen standen. Der Künstler hatte keine Genehmigung.
Auf die Frage, warum er die Aktion gerade in Deutschland gemacht habe und nicht in der Schweiz, sagte Centonze der SDA, er sei einfach zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des 500-Milliarden-«Rettungspakets» gerade in Deutschland gewesen und habe das Projekt hier am schnellsten realisieren können.
Aber eigentlich sei das Thema ja global und deshalb der Standort seines Werks egal. Trotz dem Abbruch der Aktion seien er und seine Equipe zufrieden mit dem Resultat. «Wir hätten nicht gedacht, dass wir so viele aufstellen könnten». Die 500 Fahnen nehme er nun nach Hause. «Möglich, dass wir sie nächste Woche woanders platzieren», meinte er.
6000 Euro pro Kopf
Während rund zwei Stunden hatten Centonze und sein Team etwa 500 bis 1000 Zuschauer. «Der Reichstag ist halt ein beliebtes Ausflugsziel», meinte er. Die Meinung des Publikums war durchgehend positiv, weil sie die Menschen auf die Krise aufmerksam mache.
«Kunst sollte immer ein Teil der aktuellen Politik sein», sagte Centonze «wenn wir zwei Monate gewartet hätten, wäre die Situation vorbei gewesen.» Der gebürtige Deutsche, der im Tessin aufgewachsen ist und unter anderem in Zürich lebt, wollte eine öffentliche Diskussion anregen. Vielen Menschen sei die Tragweite der Finanzkrise noch nicht klar.
Die «ungeheure Zahl» von 500 Milliarden Euro wirke wie eine Bedrohung, sagte Centonze, «denn wer es am Ende zahlen muss, ist das Volk». Seiner Berechnung nach kostet das Rettungspaket jeden Bundesbürger 6250 Euro.
Individuum muss kapitulieren
Ähnliche Projekte mit Fahnen veranstaltete Centonze bereits in Zürich, London und Prag. Für ihn ist die Fahne Ausdruck für eine Entscheidung, der keine echte Wahl vorausging. Im Zustand der Krise eines Systems ist der Einzelne gezwungen, zu kapitulieren - meist mit der weissen, wenns um Geld geht aber eben mit einer goldenen Fahne.
Die deutsche Regierung hatte in der vorigen Woche ein Rettungspaket für die Banken im Volumen von fast 500 Milliarden Euro aufgelegt. Es umfasst zum einen staatliche Bürgschaften von 400 Milliarden Euro für die Ausleihungen der Banken untereinander und zum anderen Finanzspritzen bis zu 80 Milliarden Euro als Kapital-Hilfe.
(sda)























