Leitzins-Senkungen

08. Oktober 2008 13:07; Akt: 08.10.2008 18:37 Print

Mit der Zinswaffe gegen <nobr>die Finanzkrise</nobr>Mit der Zinswaffe gegen die Finanzkrise

Zusammen mit anderen Notenbanken hat die Nationalbank am Mittwoch überraschend den Leitzins gesenkt. Die Massnahme wurde einhellig begrüsst, die Wirkung aber unterschiedlich beurteilt.

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Das Zielband für den Dreimonats-Libor wurde von der Schweizerischen Nationalbank am Mittwoch in der international koordinierten Aktion um 0,25 Prozentpunkte auf 2,0 bis 3,0 Prozent zurückgenommen. Die Zinssenkung fiel damit auf den ersten Blick geringer aus als bei den anderen Zentralbanken, die mit Ausnahme Chinas ihre wichtigsten Zinssätze um 0,5 Prozentpunkte reduzierten. Die Nationalbank machte aber darauf aufmerksam, dass die Lockerung auch in der Schweiz 50 Basispunkten gleichkomme. Denn der Dreimonats-Libor war in den letzten Tagen auf rund drei Prozent geklettert, verglichen mit den angestrebten 2,75 Prozent als Mitte der bisherigen Bandbreite von 2,25 bis 3,25 Prozent.

SNB sieht Gefahr für Schweizer Wirtschaft

Die internationale Finanzkrise habe sich ausgeweitet, begründete die Nationalbank ihren Beschluss. Sie wirke sich spürbar auf die Weltkonjunktur aus. Die Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität in den USA und Europa sei ausgeprägter, als die Nationalbank an der Lagebeurteilung vom 18. September 2008 noch erwartet habe. Damals hatte die Notenbank den Leitzins nicht angetastet.

Die Schweizer Wirtschaft werde durch die jüngsten Entwicklungen beeinflusst, erklärte die Nationalbank weiter. Das Wirtschaftswachstum werde nächstes Jahr geringer ausfallen, als von der Nationalbank an der letzten Lagebeurteilung erwartet. Die Aussichten für die weitere Teuerungsentwicklung hätten sich infolge der Konjunkturverlangsamung und der niedrigen Erdölpreise verbessert. Dies erlaube es der Nationalbank, ihren geldpolitischen Kurs zu lockern.

Erste Leitzins-Senkung seit März 2003

Die Nationalbank will den Schweizer-Franken-Geldmarkt weiterhin grosszügig und flexibel mit Liquidität versorgen. Sie verfolge die Entwicklung der Finanzmärkte aufmerksam, um deren Auswirkungen auf die Konjunktur und die Teuerungsaussichten einzuschätzen und wenn nötig rasch handeln zu können, heisst es in der Mitteilung.

Weitere Erläuterungen zu dem ungewöhnlichen Schritt im Kampf gegen die Finanzkrise wollte die Nationalbank auf Anfrage nicht machen. Es handelt sich um die erste Leitzinssenkung seit März 2003. Ökonomen hatten mit einer Lockerung der Geldpolitik als Reaktion auf die Turbulenzen auf den Finanzmärkten frühestens für Dezember gerechnet, bei der nächsten geldpolitischen Lagebeurteilung des SNB-Direktoriums.

Gemischte Reaktionen auf den SNB-Entscheid

In ersten Reaktionen wurde das gemeinsame Handeln der Notenbanken in der Schweiz durchwegs begrüsst. Die koordinierte Aktion dürfte zu einer gewissen Entspannung auf den Finanzmärkten beitragen, hiess es im Eidgenössischen Finanzdepartement. «Jetzt ist es wichtig, dass wieder Vertrauen in die Märkte aufgebaut wird», sagte Rudolf Minsch, Chefökonom des Wirtschaftsdachverbands economiesuisse. Dies werde allerdings nicht von heute auf morgen geschehen.

Ein Fragezeichen zur Wirkung der Massnahme machten Bankökonomen. Von einem sehr verständlichen Schritt in einem schwierigen Zeitpunkt sprach der Berner FDP-Nationalrat und Maschinenindustrielle Johann Schneider-Amman. Ob er eine Rezession aufzuhalten vermöge, bezweifelte er allerdings. Ein stärkeres Eingreifen des Staates zur Konjunkturankurbelung verlangten SP und Gewerkschaften. Die Dachorganisationen von Mietern und Hauseigentümern forderten die Banken dazu auf, die Hypothekarzinsen zu senken.

An den Börsen verpuffte die Zinssenkung vorerst. Der Swiss Market Index (SMI) lag nach einer vorübergehenden Reduktion der Verluste zum Handelsschluss mit 5,51 Prozent im Minus.

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