Krisenkommunikation

10. Januar 2012 06:44; Akt: 10.01.2012 08:51 Print

So hätte sich Hildebrand halten könnenSo hätte sich Hildebrand halten können

von Sandro Spaeth - Wenn Philipp Hildebrand und die Nationalbank besser kommuniziert hätten, wäre der Rücktritt des SNB-Präsidenten nicht nötig geworden. Zwei Experten zeigen die Kommunikationsfehler auf.

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Hildebrand geht. Er hätte seinen Abgang verhindern können, glauben Experten. (Bild: Keystone)

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Der Auftritt Philipp Hildebrands vom Montag, als er seinen Rücktritt bekannt gab, hat die Kommunikationsexperten überzeugt: «Der Notenbanker wirkte glaubwürdig», sagt Roger Huber, Präsident des Schweizerischen Verbands für Krisenkommunikation. So klar hätte der zurückgetretene SNB-Präsident aber bereits viel früher auftreten sollen, findet Huber.

Auch Marc Comina, Chef des Romandie-Ablegers der PR-Agentur Farner, sagt, Hildebrand habe in Sachen Kommunikation alles richtig gemacht. Er hätte alle Mittel zur Verfügung gehabt, um sich aus der Affäre zu ziehen. Indem er das Interesse der Institution über sein eigenes stellte, habe Hildebrand jedoch «für eine positive Überraschung gesorgt, die ihm zur Ehre gereicht».

Comina ist überzeugt, dass Hildebrand bereits am letzten Donnerstag die richtige Strategie angewendet habe, indem er sich den Medien «völlig nackt» gezeigt habe. Zudem habe er richtigerweise auf die Tatsache gesetzt, dass «niemand der SVP, Blocher und der ‹Weltwoche› den Sieg gönnen mochte». «Er wusste, dass die anderen bereit waren, auf einem Auge halb blind zu sein.»

Die schlechte Strategie der SNB

Doch warum musste Hildebrand trotzdem die Notbremse ziehen und seinen Rücktritt bekannt geben? Huber stellt der Kommunikationsstrategie der SNB insgesamt schlechte Noten aus: Hätte Hildebrand bereits vor Weihnachten alle Fakten auf den Tisch gelegt und sich für die Angelegenheit entschuldigt, wäre die Affäre nie derart ausser Kontrolle geraten. Zwar hätte Hildebrands Lack auch dann einige Kratzer gehabt. Mit dem Rücktritt habe der Notenbanker aber jetzt trotz allem den «Totalschaden» erlitten.

«Mit einem sauberen Krisenmanagement hätte Hildebrand den Sessel heute nicht räumen müssen», ist Huber überzeugt. Die Salamitaktik habe sich einmal mehr als schlecht erwiesen. Die Nationalbank habe immer nur genau so viel zugegeben, wie sie musste. Erst als der Druck riesig war, veröffentlichte sie die Reglemente über Eigengeschäfte des Direktoriums. Und als der Druck noch grösser wurde, trat Hildebrand am letzten Donnerstag erstmals vor die Medien.

Rücktritt: «Veritable Überraschung»

Was Huber aber erstaunt, ist die Tatsache, dass der Notenbanker nicht stärker um sein Amt gekämpft hat. «Womöglich ahnte er, dass noch weitere Dinge ans Licht kommen», urteilt Huber.

Der Rücktritt von Hildebrand war denn auch für Comina eine veritable Überraschung. So etwas komme in der Schweiz sehr selten vor. Der Kommunikationsexperte erachtet es als schweren moralischen Fehler, dass Hildebrand «75 000 Franken Gewinn aus einer Finanztransaktion eingesteckt hat». Dies sei inakzeptabel.

mit Material der SDA

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  • S. Chade am 10.01.2012 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Bedauernswert!

    Es ist bedauernswert, dass die Schweiz solch kluge Köpfe wegschickt. Die SVP hat mal wieder erreicht, was sie wollte: Chaos und Zerstörung anrichten. Die meisten Kommentatoren wissen noch nicht mal, was Herr Hildebrand in seinem Job getan hat, geschweige denn was die Aufgaben der Nationalbank sind. In dubio pro reo.

    • A. Belas am 11.01.2012 23:04 Report Diesen Beitrag melden

      Kluger Kopf und trotzdem blöd verhalten.

      Wenn er so einen klugen Kopf gehabt hätte, wäre ihm dieser Fehler nicht untlaufen. Er wusste genau wie er von allen möglichen Leuten fertig gemacht werden wollte und liefert ihnen den schönsten Grund gleich selber. Blocher und seine Finanzkumpanen hätten sich kein schöneres Weihnachtsgeschenk wünschen können. Aber schuld ist er selber.

    • Philippe Latscha am 12.01.2012 07:28 Report Diesen Beitrag melden

      Stimme zu

      Richtig. Hildebrand hat sich für die Schweiz eingesetzt. Klug und erfolgreich. Der Fehltritt war unglücklich aber kein Grund für diese Hetze. Was bewirken denn Blocher und Co für das Land, ausser abgestraft zu werden? Billig und persönliche Hetze, was da lief. Das hat nichts mit Politik und Wirtschaft zu tun. Wie wärs, wenn alle diese Personen mal ihre Konten offenlegen?

    einklappen einklappen
  • Kommunist am 10.01.2012 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    immer meeehr

    80'000 Fr. pro Monat sind wohl nicht genug - Berufsverbot und Brötchen backen!

  • anita w. am 10.01.2012 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    finanzielle verfehlungen

    wieso muss man finanzielle verfehlungen mit einem durchdachteren kommunizieren schönfärben? dem allen sagt man dann auch noch fortschritt, für den «experten» unglaubliche honorare kassieren. es lebe die schöne neue welt!

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