Bisphenol A

04. März 2013 16:05; Akt: 14.03.2013 11:11 Print

Umstrittener Weichmacher in Bio-Lebensmitteln

Verblüffendes Resultat: Nach fünf Tagen Biokost hatten die vermeintlich gesund ernährten Probanden bis zu hundertfach höhere BPA-Werte im Urin als der Durchschnitt der Bevölkerung.

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In Bio-Gewürzen wie gemahlenem Zimt und Cayenne-Pfeffer fanden die Forscher 700 Nanogramm BPA und im gemahlenen Koriander (Bild) sogar 21'400 Nanogramm pro Gramm.

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Bisphenol A (BPA) ist ein Weichmacher für Kunststoffe. Es stört bei Tieren den Hormonhaushalt und fördert beim Menschen wahrscheinlich Übergewicht und Diabetes. Jetzt zeigt eine kleine US-Studie, dass die Chemikalie auch in biologisch erzeugten Milchprodukten, Gemüse und Gewürzen vorkommt.

Die Forscher hatten eigentlich untersucht, ob eine Ernährung mit frisch zubereiteten Bioprodukten die Belastung durch den Weichmacher verringern kann, schreibt der Online-Dienst wissenschaft.de. Nach fünf Tagen Biokost hatten die vermeintlich gesund ernährten Probanden bis zu hundertfach höhere BPA-Werte im Urin als der Durchschnitt der Bevölkerung.

An der Studie nahmen zehn Familien teil. Die eine Hälfte erhielt Tipps, um BPA zu vermeiden, und ernährte sich sonst normal. Die andere Hälfte wurde gebeten, sich mit eigens gelieferten Bio-Lebensmitteln zu versorgen.

Extrem überrascht

Entgegen den Erwartungen waren die BPA-Werte der Bio-Esser um das mehr als 30-Fache angestiegen. Bei den normal essenden Familien blieben die Werte dagegen nahezu gleich, wie die Forschenden im Fachblatt «Journal of Exposure Science and Environmental Epidemiology» berichten.

«Wir waren davon extrem überrascht, wir hatten erwartet, dass die Konzentrationen für die Eltern und Kinder in der Bio-Gruppe deutlich sinken würden», sagt erklärt Erstautorin Sheela Sathyanarayana von der University of Washington.

Koriander hoch belastet

Weitere Analysen enthüllten grosse Mengen Weichmacher in den Bio-Lebensmitteln. In Milchprodukten und Milch fanden die Forschenden bis zu 673 Nanogramm BPA pro Gramm, in Bio-Gewürzen wie gemahlenem Zimt und Cayenne-Pfeffer sogar 700 Nanogramm und im gemahlenen Koriander 21'400 Nanogramm pro Gramm.

Möglicherweise seien bessere und strengere Kontrollen nötig, um diese Belastung zu vermeiden, erklären die Forscher. Da Weichmacher nicht deklariert werden müssten, sei es für Verbraucher kaum möglich, belastete Produkte zu meiden. «Es ist extrem schwer, diesen Chemikalien aus dem Wege zu gehen, selbst wenn man es versucht», sagt Sathyanarayana.

BPA findet sich in Kunststoffen oder Konservendosen. Schon länger ist bekannt, dass es im Körper ähnlich wirkt wie das Geschlechtshormon Östrogen und damit zahlreiche hormonabhängige Prozesse beeinflussen kann. In Studien an Mäusen und Fischen störte BPA die Sexualentwicklung und «verweiblichte» die männlichen Tiere.

(whr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lapos am 04.03.2013 17:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst informieren dann hinterfragen

    Ja da kommen sie wieder aus allen ecken gekrochen die: ich habs doch gesagt menschen. Leute um mal klartext zu schreiben. Die bio gesetze in der schweiz sind eins der strengsten auf der welt! Was in amerika abläuft interessiert mich nicht! Fakt ist wer gutes bios gemüse will kauft sich diese saison gerecht. Wer aber in winter das gefühl hat bio erdbeeren kaufen zu wollen muss nicht überrascht sein. lasst es mal gut sein! Bio ist um einiges besser da 1 der boden nicht so ausgebeutet wird 3 keine - sehr wenig pestizide verwendet werdet. Lebt eure geiz ist geil mentalität aber verschohnt uns!!

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  • Gartenzwergine am 05.03.2013 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bio nicht gleich Bio!

    Und wenns regnet hat der liebe Bio-Bauer die ganzen Spritzmittel vom Nachbarsfeld in seinem Boden...so viel zum Thema :) Ich bau mir dieses Jahr zum ersten Mal mein Gemüse im kleinen Stil selbst an, dann weiss man, was man auf dem Teller hat und schmecken tuts auch noch besser!

  • Ella-Marie am 04.03.2013 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Weichmacher

    Weichmacher müssen doch auf irgendeinem Weg in die Bio-Lebensmittel hineingelangen. Dazu werden aber keine Angaben gemacht.Waren die Lebensmittel, die den Probanden gegeben wurden, alle in Plastik eingeschweißt, oder was ist die Erklärung für die hohe Kontamination?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gartenzwergine am 05.03.2013 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bio nicht gleich Bio!

    Und wenns regnet hat der liebe Bio-Bauer die ganzen Spritzmittel vom Nachbarsfeld in seinem Boden...so viel zum Thema :) Ich bau mir dieses Jahr zum ersten Mal mein Gemüse im kleinen Stil selbst an, dann weiss man, was man auf dem Teller hat und schmecken tuts auch noch besser!

  • Albert Biolek am 04.03.2013 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Trugschluss

    Biologische Nahrungsmittel sind erwiesenermassen nicht gesünder, dafür ist deren Produktion umweltverträglicher. Bio Produkte zu bevorzugen macht durchaus Sinn.

  • baba am 04.03.2013 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bio

    Also wenn man Bio will geht man direkt zu Bauern.

  • michaela nunniger am 04.03.2013 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    bio nur hohe preise

    wundert mich überhaut nich das wort bio würde vom anfang an belogen betrogen missbraucht gibt gar kein bio gemüse

  • Nico am 04.03.2013 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    lach mich schlapp

    Das wird die Bios und Veganer sicher freuen :-)