Schnäppchen-Tickets

15. November 2012 10:42; Akt: 15.11.2012 11:20 Print

«Mit mir wird Swiss nie wieder Umsatz machen»

von Kian Ramezani - Dutzende, vielleicht Hunderte haben ein billiges First-Class-Ticket ergattert, das Swiss dann storniert hat. Bei einem Rechtsstreit könnte es für die Airline eng werden.

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First Class in einem Airbus A330-300 der Swiss. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Die Geschichte eines US-Journalisten, dessen First-Class-Ticket von Burma nach Kanada von der Swiss storniert wurde, bewegt die Leserschaft: «Das Vorgehen der Swiss ist ein Paradebeispiel für Kundenunfreundlichkeit», schreibt einer, der selbst betroffen ist. Auch auf dem Online-Forum flyertalk, wo bereits über 5000 Einträge zu dem Thema verfasst worden sind, liegen die Nerven blank: «Dieses aggressive, zynische und manipulative Verhalten hat mich in meinem Entschluss bestärkt, dass Swiss nie wieder Umsatz mit mir machen wird», schreibt User bubb1.

Die Verunsicherung ist gross: Manche Passagiere sind bereits geflogen und der Stornierung zuvorgekommen. Andere hatten Pech und wurden nach einer Woche formlos von Swiss darüber informiert, dass ihr Ticket nun ungültig sei. Den Rückmeldungen und Foren-Einträgen nach zu urteilen, sind viele bereit, vor Gericht zu gehen. Andere haben die Luftfahrtbehörden in Kanada und in den USA eingeschaltet.

Am Anfang steht der Wechselkurs

Wie kann eine Reise um die halbe Welt in der First Class nur 800 Dollar kosten? Am Anfang des Preis-Chaos steht die Abwertung der burmesischen Landeswährung Kyat, so die verbreitete Meinung. Mehrere Kunden haben 20 Minuten Online Belege ihrer Tickets zur Verfügung gestellt. Aus diesen geht hervor, dass das Ausmass der Kyat-Abwertung die massiven Preisunterschiede tatsächlich erklären würde.

Ein Passagier bezahlte für die Flugreise in der First Class von Rangun nach Montreal mit Umsteigen in Kuala Lumpur, Singapur, Frankfurt und Zürich 770.20 US-Dollar. Davon entfielen 651.20 Dollar auf Zuschläge und Gebühren, die konstant sind und nicht in der Landeswährung angegeben werden. Der eigentliche Flug kostete 103'930 burmesische Kyat. Nach heutigem Kurs entspricht das 119 Dollar. Im April waren es noch 16'000 Dollar gewesen.

Anfang April 2012 hatte Burma einen neuen Wechselkurs für den Kyat festgesetzt. Seither ist er knapp 130 Mal weniger wert. Das entspricht exakt dem Unterschied zwischen dem korrekten und dem fehlerhaften Ticketpreis. Der Dachverband der Fluggesellschaften IATA hat auf Anfrage von 20 Minuten Online bestätigt, dass die Vorfälle auf den «rapiden Wertverlust einer Währung» zurückgehen.

Flugpreis kein «offensichtlicher Irrtum»

Passagiere, die zum «Spezialtarif» gebucht haben, braucht all dies wenig zu kümmern. Unabhängig von der Fehleranalyse fragen sie sich, ob sie nun zum Schnäppchenpreis in der First Class fliegen dürfen oder nicht. Ein betroffener Passagier schreibt 20 Minuten Online nach einem Gespräch mit der Swiss-Rechtsabteilung: «Swiss beruft sich auf das Schweizerische Obligationenrecht, wonach die Airline bei offensichtlichem Irrtum nicht verpflichtet ist, den Vertrag einzuhalten.»

Der Passagier verweist hingegen auf den langen Zeitraum (11 Tage), den Swiss bis zur Stornierung verstreichen liess. Ausserdem findet er, dass es sich bei einem Preis von knapp 800 Dollar nicht unbedingt um einen sogenannten «error fare» handeln müsse: «Der Tarif war zum dritten Mal in diesem Jahr buchbar, jeweils über mehrere Wochen.»

Konsumentenrechts-Experte René Schuhmacher erachtet den Preis von 800 Dollar als «aussergewöhnlich», aber nicht als «offensichtlichen Irrtum». Für die Preispolitik von Airlines sei es «typisch, dass die Preise in keinem Zusammenhang zu den Kosten stehen». Seiner Meinung nach könnte sich Swiss trotzdem auf einen sogenannten Erklärungsirrtum berufen und die Tickets stornieren. Falls der Fehler auf eigene Fahrlässigkeit zurückgeht oder jener eines Dritten, der in ihrem Auftrag arbeitet, müsste sie die betroffenen Kunden allerdings entschädigen.

IATA mahnt Verbesserungen an

Das Billig-Ticket-Chaos beschäftigt auch den Dachverband der Fluggesellschaften IATA in Genf. Gegenüber 20 Minuten Online bestätigte Sprecher Chris Goater, dass die Vorfälle untersucht werden. Obwohl ihnen eine «extrem ungewöhnliche Verkettung von Ereignissen» zugrunde liege, führe man Gespräche mit den involvierten Parteien, ob gewisse «Abläufe verbessert» werden müssen.

Swiss weist in der Angelegenheit jegliche Schuld von sich und macht «Drittunternehmen» für die Publikation der fehlerhaften Preise verantwortlich. Ob damit Travelocity und Expedia gemeint sind, bei denen die fraglichen Tickets gebucht wurden, lässt die Airline offen. Anfragen an die beiden amerikanischen Online-Reisebüros blieben unbeantwortet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heliamphora am 18.11.2012 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kein offentsichtlich falscher Preis?

    Ein Ticket erster Klasse von Zürich nach Washington Dulles (hin und zurück) kostet schnell mal 15'000.-. Wenn also der Preis plötzlich nur ein Zehntel vom "gängigen Preis" ist, ist dies ein offensichtlich falscher Preis, zumal freie Sitze in der business und ersten Klasse meist durch sogenannte Upgrades besetzt werden die schnell mehr als 800.- ins Geld gehen (sofern man nicht mit den Miles zahlt). Wenn ein Angebot zu gut ist, um wahr zu sein, sollte man sich immer mit dem Anbieter in Verbindung setzen um solche Situationen zu vermeiden. Das nennt man dann "gesunder Menschenverstand".

  • Marcel am 15.11.2012 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    SWISS am längeren Hebel

    Und jetzt? Da regen sich ein paar Schnäppchenjäger auf, aber muss das SWISS interessieren? Nein - Leute, die auf solche Billigtricks angewiesen sind, kaufen sich idR sowieso nie ein "normales" First Class Ticket. Und wenn sie jetzt SWISS bei der Economy boykottieren? Na und, da ist's wie bei den Grossbanken, solche "Kunden" sind eh uninteressant, weil bei Economy die Margen minimal sind. Ergo - die SWISS kratzt die ganze Sache überhaupt nicht - und die "normalen" Luxuskunden sind froh, dass sie nicht mit irgendwelchen "Prolls" zusammensitzen müssen (wäre am Ende weitaus rufschädigender...)

  • Passagier am 15.11.2012 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Teurer muss auch besser sein...

    Guter Service darf höhere Preise rechtfertigen. Die Swiss ist keine Billig-Airline. Das Problem: es hapert zu häufig am guten Service: Vergessene Spezial-Menüs ohne eine Entschuldigung, bei telefonischen Umbuchungen kommt man niemals in günstigere Buchungsklassen (auch wenn die noch zu haben ist) und der Oberhammer: bei einem down-grade von der Business in die Economy zahlt man drauf!!! ... Tatsächlich alles schon erlebt. Nein, nein, so geht das nicht liebe Swiss. So verliert man Goodwill und seine Kunden an die Billig-Airlines... Könnt ihr Euch das leisten?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heliamphora am 18.11.2012 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kein offentsichtlich falscher Preis?

    Ein Ticket erster Klasse von Zürich nach Washington Dulles (hin und zurück) kostet schnell mal 15'000.-. Wenn also der Preis plötzlich nur ein Zehntel vom "gängigen Preis" ist, ist dies ein offensichtlich falscher Preis, zumal freie Sitze in der business und ersten Klasse meist durch sogenannte Upgrades besetzt werden die schnell mehr als 800.- ins Geld gehen (sofern man nicht mit den Miles zahlt). Wenn ein Angebot zu gut ist, um wahr zu sein, sollte man sich immer mit dem Anbieter in Verbindung setzen um solche Situationen zu vermeiden. Das nennt man dann "gesunder Menschenverstand".

  • Hans Burger am 16.11.2012 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss nicht Haftbar

    Das Ganze ist definitif nicht Fehler der Swiss. Die haben keine Vertretung in Burma und haben das Ticket auch nicht ausgestellt. Auf diesem seltsamen Routing sind mehre Airlines involviert und jede bekommt ihren Anteil am "Kuchen". Dieser Anteil ist immer in USD ! Die Noblen First Class Passagiere könnten auf dieser Weltreise übrigens eh nicht immer in der First sitzen: Nur auf der Strecke SIN nach FRA und ZRH nach Motreal gibt es First Class Sitze !

  • Miss Stardust am 16.11.2012 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Interessiert nobody

    Also gut...Fakten...ihr wollte nicht mehr mit Swiss fliegen? Das ist sch... egal, denn irgendwo will jemand nicht mehr mit Lufthansa/Airberlin oder was immer fliegen und der wird dann zur Swiss kommen. Ergo...das ganze gleicht sich wieder aus! Es interessiert die Dame/Herr am Checkin Schalter auch einen feuchten Dr... ob ihr nicht mehr mit der gebuchten Airline fliegen möchtet (wegen Übergepäck etc..)...es interessiert niemanden ganz ehrlich gesagt!! Ich muss aber auch zugeben, das Swiss sicherlich nicht mit der Swissair zuvergleichen ist.

    • Ein Nobody am 16.11.2012 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stardust

      Kann nur beipflichten, die Meisten die schreiben, sind vermutlich noch gar nie mit Swiss geflogen, Tatsache ist, dass Swiss eine sehr gute Auslastung hat, leider stimmt der Ertrag nicht, da die Tarife zu tief sind.

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  • hans am 16.11.2012 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss oder Lufthansa/Deutschland

    Wir fliegen seit Jahren nicht mehr mit der Swiss und das hat seine Gründe. Preise, Service usw. Es gibt genug Airlines auf diesem Planet, die das einhalten was sie versprechen und man kommt an jedes Ziel.

    • Marie am 16.11.2012 11:04 Report Diesen Beitrag melden

      Das muss ich bestätigen

      Ich habe auch einen Qualitätsverlust bei der Swiss festgestellt. Wobei ich sie schon noch besser als die Lufthansa selber finde. Aber ja, der Service ist "schnelles Plastik" geworden, alles wirkt abgedroschen und unpersönlich. In den letzten Monaten sind wir mit Swiss, Lufthansa, KLM, Scandinavian und Air Berlin geflogen (BA zählt nicht, für die arbeite ich), und ich muss sagen, Scandinavian hat sie alle ausgestochen. Ich hätte nicht gedacht, dass die so gut sind (kannte sie vorher nicht als PAX). Aber meiden tue ich die Swiss nicht, dafür aber Iberia und Air France.

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  • Urs Rüegg am 15.11.2012 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Das hat man dann halt davon...

    Das hat man als Airline dann halt davon, wenn - wohl aus Kostengründen - immer mehr fremdvergeben wird... Auch wenn uns die Werbung Swissnes verkaufen will, so wird diese immer weniger auch geboten. Lufthansa sei dank? Swiss steht da wohl kaum alleine da: Gestern fünf Artikel im Internet bestellt, wird mir heute mitgeteilt, dass drei davon leider nicht mehr erhältlich seien... Schöne, tolle Computerwelt!

    • maribel brand am 15.11.2012 22:04 Report Diesen Beitrag melden

      bravo !

      und die drainagerohre beim alpentransit oder die pflastersteine vor dem bundeshaus gehen ins genau gleiche kapitel - die löhne sollen hoch bleiben (vor allem im staastsektor) und eingekauft wird im ausland zum scheinbaren schnäppchenpreis. die schweiz schafft sich selbst ab.

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