Überhitzung

17. Januar 2013 16:01; Akt: 17.01.2013 16:14 Print

Die Achilles-Ferse des Dreamliner sind die Akkus

Probleme mit den Batterien haben die Boeing 787 gegroundet. Für den Hersteller ist die neuste Panne ein Desaster, denn sie stellt die Bauweise des revolutionären Flugzeugs infrage.

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Diese Batterie war nach der Landung eines Dreamliners der Japan Airlines am 7. Januar in Boston in Brand geraten. (Bild: Reuters/Handout)

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Erstmals seit 1979 wurde ein US-Flugzeugtyp aus dem Verkehr gezogen. Damals war die DC-10 von McDonnell Douglas betroffen. Eine Maschine dieses Typs hatte nach dem Start in Chicago ein Triebwerk verloren und war abgestürzt. Nun haben die Luftfahrtbehörden in den USA, Europa und weiteren Ländern ein Startverbot über die Boeing 787 Dreamliner verhängt. Grund ist die Notlandung eines Jets der All Nippon Airways am Mittwoch.

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Entgegen ersten Meldungen war es an Bord nicht zu einer Rauchentwicklung gekommen. Bei einer näheren Untersuchung stellten die japanischen Behörden fest, dass entflammbare Flüssigkeit aus der Lithium-Ionen-Hauptbatterie unter dem Cockpit ausgetreten war. Sachverständige fanden zudem Brandspuren. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News berichtete unter Berufung auf das Verkehrsministerium, dass die Flüssigkeit durch die Bodenabdeckung hindurch bis an die Aussenseite des Fliegers gelangt sei.

Systeme brauchen Strom

Der Dreamliner, in den der Hersteller Boeing grosse Hoffnungen setzt, hat wiederholt durch Pannen Schlagzeilen gemacht. In den letzten Tagen wurden unter anderem Treibstofflecks und ein Riss im Cockpitfenster vermeldet. Dabei handelt es sich nach Ansicht von Experten um Alltagsprobleme in der Zivilluftfahrt. Bei den Batterien jedoch liegen die Dinge anders: Sie betreffen die Konstruktion des hochmodernen Verkehrsflugzeugs.

Dieses besteht nicht nur zu einem grossen Teil aus Kunststoff, es ist auch mehr als andere Flugzeugtypen auf Strom angewiesen. Zahlreiche Systeme wie die Kabinenbelüftung werden nicht wie bislang hydraulisch, sondern elektronisch gesteuert. Dies soll dazu beitragen, dass der Dreamliner 20 Prozent weniger Kerosin verbraucht. Für die Stromversorgung setzt Boeing nicht auf konventionelle Nickel-Cadmium-Batterien, sondern auf leistungsfähige Lithium-Ionen-Akkus, wie sie auch in Laptops oder Smartphones verwendet werden.

Bedenken wegen Akkus

Die 787 ist das erste grosse Passagierflugzeug, das solche Batterien verwendet. Doch wie viele Laptop-User wissen: Sie können überhitzen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat ihre Bedenken über die Verwendung von Lithium-Ionen-Akkus gemäss CNBC.com schon 2007 formuliert: «Das metallische Lithium kann sich entzünden, was zu einem Brand oder einer Explosion führt.» Sie verlangte von Boeing «rigorose Tests».

Dreamliner-Chefingenieur Mike Sinnett betonte letzte Woche, dass die Batterien während über 1,3 Millionen Flugstunden zum Einsatz gekommen seien und niemals Schwierigkeiten gemacht hätten. Zudem seien sie so konstruiert worden, dass ein Brand «nicht das ganze Flugzeug in Gefahr bringt». Doch die Notlandung in Japan war bereits der zweite Vorfall innerhalb von zehn Tagen: Am 7. Januar war in einer Maschine der Japan Airlines eine Batterie nach der Landung in Boston in Brand geraten.

Lange Überprüfung möglich

Für diesen Vorfall war möglicherweise eine falsche Verkabelung verantwortlich. Die Suche nach der Ursache für die Batterieprobleme könnte sich deshalb über Monate hinziehen. Ein Sprecher von GS Yuasa, dem japanischen Hersteller der Akkus, meinte gegenüber Bloomberg, man werde nicht nur die Batterien, sondern «das gesamte elektrische System überprüfen».

Selbst wenn das Problem behoben werden kann: Das PR-Desaster für Boeing ist perfekt. Oder wie es Michael Barr, ein Flugsicherheitsexperte an der Universität von Südkalifornien, in einem Interview mit Bloomberg ausdrückte: «Es ist mehr als beunruhigend, dass ein so oft getestetes und geprüftes Flugzeug derartige Probleme hat.»

(pbl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mz.zet am 17.01.2013 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ich sag nur...

    ...japanischer Hersteller der Akkus! Ist halt nicht immer dies Beste Qualität

    einklappen einklappen
  • Techniker am 17.01.2013 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    Akku leer

    Batterien sind auch eine ganz neue Erfindung und sehr komplex in ihrer Funktion. Niemand kann erwarten, dass da von Anfang an alles richtig klappt.

  • Mike am 17.01.2013 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Akku Low

    Die Akkus sind sicher Made in China ...............Lol...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Piotr am 20.01.2013 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Time to wake up

    Da sind ja wieder einige hochqualifizierte unterwegs. Alles was aus China kommt ist automatisch schlecht? Wie war das vor 40 Jahren mit den Japanern? Man hat sie ausgelacht! Und heute? Heute zeigen uns die Japaner und die Koreaner wie man Autos und Elektronik baut. Wenn wir von den Chinesen nicht nur billig sehen wollen, müsst ihr, von der Müeslifraktion, euch warm anziehen. Im Übrigen werden fast alle Batterien dieser Welt von BYD hergestellt, inkl. Prius. Einfach im Internet "VW Steuerkette" eingeben und staunen.

  • Techniker am 17.01.2013 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    Akku leer

    Batterien sind auch eine ganz neue Erfindung und sehr komplex in ihrer Funktion. Niemand kann erwarten, dass da von Anfang an alles richtig klappt.

  • Jorns Reto am 17.01.2013 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Akkus

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Akkus überladen wurden und, oder zusätzlich durch Druckunterschiede ungünstige Reibungen auf den sehr dünnen Lithiumfolien entstanden sind und es somit eine Überhitzung oder Kurzschluss gegeben hat.

  • Ami am 17.01.2013 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Concorde

    Seit 1979? Was war das denn mit der Concorde?

  • Beasty am 17.01.2013 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Aufregung

    ich finde es wird etwas überreagiert!! Klar ist es ein problem, aber ich gehe starch davon aus, dass sie die Akkus einfach tiefenaden haben! ist mir auch schon passiert!! dann blähen sie sich uaf und explodieren! also ich nehme an das problem liegt bei den Piloten! kein grund den Dreamliner gleich als pannenjet zu bezeichnen!