Flugzeugindustrie

25. Januar 2012 14:35; Akt: 25.01.2012 15:34 Print

Boeing profitiert von Flugzeug-Boom

Nicht nur die Flugzeuge von Airbus gehen weg wie heisse Semmeln, auch US-Konkurrent Boeing kann mit beeindruckenden Zahlen aufwarten.

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Eine Serie von Pannen hat das Image des visionären Flugzeugs beschädigt. Wie hier am 16. Januar 2013 bei einer Maschine der All Nippon Airways im japanischen Takamatsu, kam es in den vergangenen Monaten des öftern zu Notlandungen. Immer wegen Batterieproblemen. Bei dieser Maschine der Japan Airlines war am 7. Januar 2013 auf dem Flughafen von Boston ein Feuer in einer Batterie ausgebrochen. Aviatk-Experten jedoch beruhigen: Kinderkrankheiten dieser Art seien bei neuen Flugzeugtypen der Normalfall. Die neue Boeing 787 beim offiziellen Roll-Out auf dem Flughafen Everett im US-Bundesstaat Washington am 8. Juli 2007 (in amerikanischer Schreibweise 7/8/7). Boeing-Chef Harry Stonecipher posiert am 23. September 2004 mit einem Modell des neuen Flugzeugs. Der Entwurf hatte noch einen avantgardistischen Touch, er wurde jedoch aus aerodynamischen Gründen zugunsten eines konventionelleren Designs aufgegeben. Der Rumpf besteht zum grössten Teil aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. Das Flugzeug wird dadurch leichter und verbraucht gegenüber ähnlichen Jets rund 20 Prozent weniger Treibstoff. Die revolutionäre Bauweise sorgte jedoch immer wieder für Probleme. Der Erstflug des Dreamliner genannten Jets auf dem Flugplatz Everett fand am 15. Dezember 2009 statt. Zahlreiche Aviatik-Fans liessen sich dieses historische Ereignis nicht entgehen. Die Auslieferung an den Erstbesteller, die japanische All Nippon Airways, erfolgte mit mehr als dreijähriger Verzögerung im September 2011. Am 26. Oktober 2011 hob der Dreamliner in Tokio zum ersten kommerziellen Linienflug nach Hongkong ab. Das grösste Plus neben der Sparsamkeit ist der Komfort für die Passagiere. Die Kabine wirkt geräumiger dank kompakteren Gepäckfächern, die dennoch mehr Platz fürs Handgepäck bieten. Die Fenster sind rund 30 Prozent grösser als bei herkömmlichen Flugzeugen, sie lassen sich elektronisch abdunkeln. Ein LED-System ermöglicht eine variable Beleuchtung in verschiedenen Farben. Angenehmer wird das Reisen auch dank einem höheren Kabinendruck sowie sauberer und feuchterer Luft. Selbst die Toiletten wirken angenehmer, bis hin zur Spülung. «Sie tönt nicht so, als ob sie einem die Kleider ausziehen will», zitierte die «New York Times» einen Vielflieger. Blick in das Cockpit der 787. BIs Ende 2012 wurden 49 Maschinen an diverse Fluggesellschaften ausgeliefert. Als erste europäische Airline erhielt die polnische LOT den Dreamliner. Bei der Ankunft auf dem Chopin-Flughafen in Warschau am 15. November 2012 wurde das erste von acht bestellten Flugzeugen mit einer Dusche begrüsst.

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Der US-Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing hat den Gewinn kräftig gesteigert und den europäischen Konkurrenten Airbus dabei weit überflügelt. Die Profite der Amerikaner legten trotz teurer Neuentwicklungen wie dem Dreamliner um 21 Prozent auf vier Milliarden Dollar (3,09 Milliarden Euro) zu.

Die Airbus-Mutter EADS hatte in den ersten neun Monaten dagegen nur 421 Millionen Euro Gewinn gemeldet und veröffentlicht die Endzahl am 8. März. Voraussichtlich wird es nicht einmal eine Milliarde Euro. EADS hatte zuletzt mehrfach betont, der Konzern wolle mehr Geld verdienen.

Auch beim Umsatz gab Boeing mehr Schub: Die Verkäufe stiegen 2011 um sieben Prozent auf 68,7 Milliarden Dollar. 2012 will der einzige grosse Airbus-Konkurrent noch kräftiger durchstarten: Boeing rechnet nach einer Mitteilung aus Chicago vom Mittwoch mit einer Umsatzsteigerung auf bis zu 80 Milliarden Dollar. «Mit einem Rekord-Auftragsbestand und dem Fokus auf die Produktivität sind wir gut im Rennen, um zu wachsen und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern», sagte Konzernchef Jim McNerney.

Riesenbestellung aus Norwegen

Noch vergangene Woche hatte Airbus sich in einer ersten Bilanz für 2011 als deutlich stärker als Boeing dargestellt. So lieferte Airbus den Rekordwert von 534 Zivilflugzeugen aus, während Boeing nur auf 477 kam. Airbus-Chef Tom Enders deutete aber an, dieses Verhältnis müsse nicht immer so bleiben. Jetzt kündigte Boeing an, 2012 zwischen 585 und 600 Flugzeuge auszuliefern. Enders rechnet dagegen nur mit einem Anstieg der Airbus-Auslieferungen auf 570 Stück, davon 30 Militärflugzeuge. Boeing rechnet ohne Militärflugzeuge.

Beide Konzerne haben schon ihre gesamte Jahresproduktion verkauft. Boeing hat Aufträge für mehr als 3.700 Flugzeuge vorliegen, bei Airbus standen vergangene Woche 4.437 Flugzeuge im Auftragsbuch. Am Mittwoch wurde ein zusätzlicher Riesenauftrag an beide Konzerne bekannt: Die norwegische Billigfluggesellschaft Norwegian Air Shuttle bestellte 122 Boeing 737 und 100 Airbus A320.


(sda)

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