Erstklass-Schleuderpreis

09. November 2012 10:43; Akt: 09.11.2012 14:05 Print

Swiss bietet falsche Schnäppchen an

von Kian Ramezani - Rangun-Toronto in der First Class für 800 Franken? Ein Amerikaner griff zu – doch Swiss annullierte das Ticket, wegen eines Fehlers. Darf die Airline das? Ja, findet man am Hauptsitz.

Frist Class im Airbus A330-300 der Swiss. (Video: Youtube/ SwissIntlAirLines)
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Mit Swiss International Airlines in der First Class von Burma nach Kanada für 807 Dollar - zu gut, um wahr zu sein? Auf jeden Fall einen Versuch wert, fand Nicholas Kralev. Der amerikanische Journalist und Aviatik-Experte hat das Schnäppchen-Angebot im September im Internet entdeckt und nach anfänglichem Zögern zugeschlagen. Der Preis war tief, aber nicht völlig abwegig: «807 ist nicht 7 oder 87», schrieb er auf der «Huffington Post». Schliesslich öffne sich Burma gerade vorsichtig. Die günstigen Flugtickets könnten ein Versuch sein, ausländische Touristen und Investoren ins Land zu locken.

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Zunächst ging alles glatt, Kralev bekam eine Bestätigung und seine Kreditkarte wurde korrekt belastet. Dann eine Woche später ein E-Mail von Swiss: Die Airline erklärte das Schnäppchen-Ticket aufgrund eines Fehlers für ungültig. Kralev verortete den Fehler im Wechselkurs: Der Flugpreis war in der Währung des Abflugorts angegeben, was durchaus üblich ist. Im April hatte die burmesische Regierung für die Landeswährung Kyat erstmals einen flexiblen Wechselkurs eingeführt, was zu einer massiven Entwertung gegenüber dem US-Dollar führte. Kralev vermutete, dass Swiss es verpasst hatte, ihre Flugpreise entsprechend anzupassen. Ob er damit recht hatte, blieb unklar. Seit über drei Wochen wartet er auf eine Antwort von Jacqueline Pash, Swiss-Sprecherin in den USA.

Kanada-Indien in der Business Class für 0 Dollar

«Es ist wohl kaum Aufgabe des Kunden, über Wechselkursschwankungen Bescheid zu wissen», schrieb der aufgebrachte Journalist. Wenn Swiss es nicht schaffe, ihre Flugpreise anzupassen oder zu diesem Preis nur in Burma anzubieten, dann sollte die Fluggesellschaft «Verantwortung übernehmen und die Konsequenzen tragen». Normalerweise sei er nicht dafür, offenkundig fehlerhafte Angebote auszunützen. Aber im vorliegenden Fall habe er «kein Mitleid mit Swiss», die «arrogant» reagiert habe.

Liegt ein offensichtlicher Fehler vor – wenn der angegebene Preis vom eigentlichen erheblich abweicht – kann ein Anbieter nach Schweizer Recht sogenannten «Erklärungsirrtum» geltend machen und sich weigern, die Dienstleistung zum besagten Preis zu verkaufen. Doch selbst bei einer sehr erheblichen Abweichung kann sich Beharrlichkeit auszahlen: Kralev erinnert an einen Fall aus dem Jahr 2009, als ein Reisender einen Flug in der Business Class von Kanada nach Indien für 0 Dollar fand. Auch damals handelte es sich um ein Swiss-Angebot. Für Zuschläge und Gebühren zahlte er 300 Dollar, aber ansonsten war das Ticket gratis. Swiss wollte das Ticket annullieren, doch der Kunde schaltete die kanadische Luftfahrtbehörde ein. Letztlich gab die Airline nach.

Die Airline darf formlos stornieren – und der Kunde?

Sollte es mit dem Rangun-Schnäppchen doch nicht klappen, hat Kralev eine andere Frage: Wenn Swiss ein Fehler unterläuft und deshalb ein Ticket formlos stornieren kann, darf ein Kunde das dann auch? Kann auch er sich, zum Beispiel, im Datum irren und eine Woche nach der Buchung kostenlos stornieren? Auch in dieser Frage blieb Jacqueline Pash bisher eine Antwort schuldig.

20 Minuten Online hat beim Hauptsitz in Zürich nachgefragt. «Die viel zu tiefen Preise für First-Class-Flüge von Rangun nach Toronto waren nicht auf ein Versäumnis von SWISS zurückzuführen», erklärt Sprecherin Myriam Ziesack. Die Schuldfrage werde derzeit noch untersucht, aber offenbar war es ein «Drittunternehmen», das die besagten Preise veröffentlicht hat. Mit den Wechselkursschwankungen Kyat-Dollar habe der Fehler nichts zu tun. Laut Swiss hätte der korrekte Preis für das Erstklass-Ticket Rangun-Toronto bei rund 16 000 Dollar gelegen, also 20-mal höher als im Internet publiziert.

Wer zu viel bezahlt, bekommt sein Geld zurück

Viel mehr war leider auch aus Zürich nicht zu erfahren. Der ähnlich gelagerte Fall aus dem Jahr 2009 bleibt unbeleuchtet. Swiss betont lediglich, dass «jedem Vorfall mit falsch publizierten Preisen andere spezifische Tatsachen zugrunde liegen». Ausschlaggebend seien etwa Höhe des irrtümlich publizierten Preises, Höhe des korrekten Preises, Verschulden des Passagiers oder von Swiss sowie Anzahl involvierter Passagiere. So könne Swiss je nach Umständen anders auf falsche Ticketpreise reagieren.

Auf die Frage, ob auch ein Kunde «aufgrund eines Fehlers», wie er der Fluggesellschaft unterlief, mal einfach so seine Buchung rückgängig machen könne, heisst es: «Unter welchen Bedingungen der Kunde sein Swiss-Ticket stornieren kann, entnimmt er den auf das entsprechende Ticket jeweils anwendbaren Stornierungsbedingungen.» Immerhin: Sollte er irrtümlicherweise zu viel überweisen, wird ihm der zu viel bezahlte Betrag «natürlich zurückerstattet».

Haben auch Sie solche Tickets gebucht? Schreiben Sie uns im Talkback oder an feedback@20minuten.ch.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Massimo am 09.11.2012 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutschland nicht Schweiz

    Nur nicht aufregen, die Swiss ist eine deutsche Fluggesellschaft. Mann sollte ihnen endlich verbieten das schweizer Kreuz zu benutzen. Virspiegelung falscher Tatsachen... Vielleicht sollten sich die Zeitungen das auch mal hinter die Ohren schreiben.

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  • Erik am 09.11.2012 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Swiss,

    wärt ihr so nett und montiert subito das Schweizerkreuz ab? Besten Dank. ANSCHLIESSEND dürft ihr.

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  • Swiss-Vielflieger am 09.11.2012 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    First Class Preis für 800CHF?

    Liebe Motzer, "Vielflieger", Aviatik-Experten und andere gelangweilten Leutchen. Ein First Class Ticket kostet normalerweise auf einer solchen Strecke > 10'000CHF. Die Airlines haben ein sehr limitiertes First Class Angebot (zwischen 8 und 16 Plätzen pro Flieger). Das Angebot war also ein wesentlicher Irrtum (800 vs 10000), und sorry liebe "Vielflieger" warum bucht ihr dann sonst nie die First Class (oder Business), riiiiiischtig, weil es sonst immer viel zu teuer für Euch ist, und ihr ja sonst nicht über die fehlende Beinfreiheit in der Economy beschweren könnt. Amen!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomson am 10.11.2012 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Man sollte zu Fehlern stehen.

    Als Vielflieger ist für mich auf Langstrecken die Swiss nach wie vor meine favorisierte Airline, obwohl die Emirates und die SAS auch sehr gut sind. Bei der Emirates aber mag ich den Dubai Flughafen nicht und SAS ist wohl die pünktlichste Airline der Welt mit einem sehr schönen Flughafen und die Verbindungen sind zumeist auch recht gut aber wie gesagt, Favorit ist die Swiss. Auf Kurzstrecken sind sie aber alle gleich.

  • WilhelmTell41150 am 10.11.2012 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss - die Letzte

    Nach dem Grounding habe ich kein Vertrauen mehr zu dieser Linie. Obwohl Vielflieger, würde ich nicht mal buchen, wenn's gratis wäre!

    • Michaela am 10.11.2012 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Grounding

      Habe ich das was verpasst, habe gar nicht mitbekommen dass es ein Swiss Grounding gegeben hat? Einfach ein wenig drauflos meckern, macht Spass.

    • Ciccio am 10.11.2012 12:59 Report Diesen Beitrag melden

      Wo ist der Zusammenhang?

      Entschuldigen Sie bitte, aber wo ist der Zusammenhang zwischen Swissair und Swiss? Die eine Firma existiert nicht mehr und die andere ist neu gegründet worden mit dem Personal der alten Firma. Das hat meiner Meinung mit Vertrauen nichts zu tun. Das ist einfach typisches "Trötzeln" aus welchem Grund auch immer. Drei Mal nach New York in der Economy gibt auch schon Frequent Taveller (ich bin HON) Den Service den ich an Bord eines Swiss Fluges bekomme ist formidabel. Zudem darf man die Kostenstruktur einer europäischen Airline nicht mit einer Asiatischen vergleichen.

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  • No Go am 10.11.2012 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt auch Lockvogelangebote

    Wär ja auch noch schön, wenn Kunden die angeblichen Fehler von Swiss-Drittunternehmen mittragen müssten.

  • Walter Ramius am 09.11.2012 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss arroganz

    Heutzutage ist die Firma König, kann mit Kunden machen was sie will. Dafür hat es viel kleinen Text in den AGB der ihnen alles erlaubt. Es wird Zeit dass wir den Spiess umdrehen. Wer verkaufen will muss die AGB des Käufers akzeptieren. Diese müssen natürlich gleichberechtigt ausfallen. Wenn also die Swiss Preis-Irrtum geltend machen kann, darf auch der Kunde geltend machen wenn er aus Versehen etwas falsches gekauft hat, ist nichts als logisch.

  • Mausi am 09.11.2012 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts scheint unrealistisch

    Preis unrealistisch? Flog in diesem Jar für CHF 493 ZRH - BKK - ZRH. First gibt es aktuell für die selbe Strecke für CHF 2200. Wie soll man da noch einschätzen können, was unrealistisch ist?

    • chris Düsentrieb am 10.11.2012 11:52 Report Diesen Beitrag melden

      hammer

      wo find ich denn diese Preise???

    • tpm am 11.11.2012 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wie und wo?

      Ja, wie und wo??? Habe allerdings schon für das doppelte gebucht...

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