WWF will neue Abgabe

11. Juli 2013 07:44; Akt: 11.07.2013 09:13 Print

Wird Fliegen für Schweizer bald massiv teurer?

von J. Büchi - Fast nirgends wird so viel geflogen wie in der Schweiz – ganz zum Ärger des WWF. Eine Klimaabgabe soll das Fliegen nun künstlich verteuern. Für die Airlines wäre das fatal.

storybild

Schweizer fliegen gemäss einer Studie fast doppelt so häufig wie Deutsche, Franzosen oder Italiener. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

Zum Thema
Fehler gesehen?

In diesen Tagen herrscht am Flughafen Zürich Hochbetrieb. Zu Beginn der Sommerferien wuseln bis zu 87'000 Passagiere durch die Gänge, Schalterhallen und Check-ins in Kloten. Das Bild bringt zum Ausdruck, was eine Studie im Auftrag des Bundesamts für Zivilluftfahrt kürzlich belegt hat: Die Schweiz ist eine Vielflieger-Nation. Die Eidgenossen heben rund doppelt so häufig ab wie beispielsweise Deutsche, Franzosen oder Italiener.

Umfrage
Finden Sie eine Klimaabgabe auf Flugtickets sinnvoll?
12 %
13 %
75 %
Insgesamt 4884 Teilnehmer

Der WWF ist alarmiert: Die Flugbranche sei eine der umweltschädlichsten der Schweiz, warnt die Umweltorganisation. Trotzdem geniesse der Flugverkehr in der Schweiz zahlreiche Steuerprivilegien. Er zahle im Gegensatz zu Autofahrern oder Hausbesitzern weder Mehrwertsteuern noch eine CO2-Abgabe oder eine Mineralölsteuer.

Maximal 200 Franken Gebühren

Das will der WWF nun ändern. Er verlangt eine Klimaabgabe, wie sie in «sämtlichen umliegenden Ländern» sowie Grossbritannien und Irland bereits existiere. In Deutschland beispielsweise wird je nach Flugstrecke umgerechnet 9 bis 52 Franken Luftverkehrssteuer erhoben. In Grossbritannien beträgt die Air Passenger Duty in der Economy Class zwischen 18 und 135 Franken – und in der Business oder First Class das Doppelte. Ein solches Stufen-Modell schwebt dem WWF auch für die Schweiz vor. Die Passagiere der Economy Class sollen künftig zwischen 20 und 100 Franken Gebühren hinblättern, in höheren Flugklassen soll sich der Betrag verdoppeln. Das Geld könnte danach der Bevölkerung zurückerstattet oder in den globalen Klimaschutz investiert werden, schlägt die Umweltorganisation vor.

«Das Fliegen ist in der Schweiz heute ausserordentlich billig», kritisiert Patrick Hofstetter, Leiter Klima- und Energie bei WWF Schweiz. Es sei erwiesen, dass im Flugverkehr schon eine kleine Preisveränderung eine Verhaltensänderung bewirken könne. Deshalb wolle man mit der Klimaabgabe Anreize setzen, damit die Bevölkerung wieder vermehrt mit dem Zug in die Ferien fährt oder ihren Urlaub in der Schweiz verbringt.

Unterstützung von Grünen, SP und GLP

Applaus für die Idee gibt es aus dem rot-grünen Lager. Der Grüne Bastien Girod plädiert für eine Klimaabgabe, die nicht nur die CO2-Emissionen kompensiert, sondern auch den Tourismus in der Schweiz fördert. Seine Hoffnung: Mit der Betonung auf den Tourismusaspekt auch bürgerliche Parteien ins Boot holen zu können. Denn für ihn ist klar: «Wir können die Steuer nur durchsetzen, wenn wir eine breite politische Unterstützung erreichen.»

Zumindest bei den Grünliberalen und der SP stösst das Anliegen auf offene Ohren. «Die Forderung nach einer Klimaabgabe geht sicher die richtige Richtung», sagt der Zürcher GLP-Nationalrat Thomas Maier. Seine Partei würde einer solchen Lösung gerne Hand bieten – ob es sich bei einer nationalen Klimaabgabe aber um das richtige Instrument handelt, müsse sich noch zeigen. Die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher bestätigt, es würden verschiedene Gespräche laufen, um die Mobilität auf allen Ebenen ökologischer zu gestalten. Sie räumt aber ein, dass wohl noch «einige Gespräche» nötig sein werden, um im Parlament eine Mehrheit für das Anliegen gewinnen zu können.

«Nichts als grünes Geschrei»

Tatsächlich beissen die Befürworter der Abgabe im bürgerlichen Lager derzeit auf Granit. SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner, der in der Verkehrskommission sitzt, hält «rein gar nichts» von der WWF-Forderung. Auch die Aussicht darauf, dass der Regionaltourismus gefördert werden soll, ändert nichts daran. «Das ist nichts als grünes Geschrei, das völlig praxisfremd ist», wettert Giezendanner. Denn für einen Ausbau des Tourismus in der Schweiz müsste ihm zufolge wiederum viel Geld in Strassen und Schienen gesteckt werden.

Auch FDP-Frau Christine Egerszegi, Mitglied der ständerätlichen Verkehrskommission, winkt ab: «Man kann nicht einfach eine neue Abgabe aus dem Ärmel schütteln. Auf den Flugtickets hat es schon genug Steuern – man kann die Leute nicht immer mehr belasten.»

Airlines könnten abwandern

Hansjörg Bürgi, der Chefredaktor des Magazins SkyNews.ch, nimmt die Forderung des WWF ebenfalls mit Stirnrunzeln zur Kenntnis. «Die Schweiz ist keine Billig-Flug-Insel», stellt der Aviatik-Kenner klar. Im restlichen Europa seien Flüge deutlich günstiger als hierzulande. Für ihn wird die Klima-Debatte zudem zu einseitig geführt: Es werde ignoriert, dass moderne Flugzeuge sehr viel umweltfreundlicher seien als die früherer Generationen. «Die Airlines sind schliesslich selbst daran interessiert, möglichst wenig CO2 auszustossen. Denn so können sie ihre eigenen Kosten senken.»

Für den Fall, dass die geforderte Klimaabgabe eingeführt wird, malt Bürgi ein düsteres Bild: «Nicht nur der Passagier würde dafür bezahlen, sondern auch die sowieso schon gebeutelten europäischen Airlines. Ihnen entstünde dadurch noch zusätzlicher administrativer Aufwand.» Die Margen seien bereits heute so klein, dass die Fluggesellschaften zusätzliche Abgaben kaum mehr ertragen würden. Bürgi führt ein Beispiel aus Deutschland an: Dort seien nach Einführung der sogenannten Luftverkehrssteuer Airlines nach Belgien oder Luxemburg abgewandert. So habe die Klimaabgabe sogar zu einem Stellenabbau geführt. «Mit einer Klimaabgabe würde mit Kanonen auf Spatzen geschossen», bilanziert Bürgi.

Die Fluggesellschaft Swiss bestätigt auf Anfrage, dass eine nationale Klimaabgabe ihre Wettbewerbsposition «signifikant schwächen» würde. Aufgrund des starken Frankens und des hohen Lohnniveaus stehe die Swiss schon heute unter einem enormen Kostendruck. Eine zusätzliche Abgabe würde «die internationale Anbindung des Wirtschaftsstandorts Schweiz gefährden», heisst es. Die Swiss lehne eine solche Gebühr deshalb entschieden ab.

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Benz am 11.07.2013 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Anstelle Fliegen

    Habe erfolgslos eine ÖV Möglichkeit gesucht. Beim ZVV und SBB keine Verbindung" Zürich - Newyork - Zürich" gefunden.

  • J. Meyer am 11.07.2013 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Klima gut genug für neue Geldquellen

    Als ob man mit Geld das sich zu verändernde Klima verändern könnte. All diese Abgaben für den angebl. Klimaschutz sind nichts anderes, als willkürliche Strafgebühren anzusehen. Die Investitionen in alternative Energiequellen, welche man vielleicht mit diesen Gebühren hätte finanzieren können, werden aber von den gleichen Vereinsköpfen blockiert, die sie erheben. Das Klima verändert sich so oder so, ob mit oder ohne Klimarappen. Der einzige Einfluss des Menschen ist die Geschwindigkeit dieser Klimaveränderung, nicht aber die Veränderung selbst wie seit zig Jahrtausenden periodisch passiert.

  • resi am 11.07.2013 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ist WWF das neue Economiesuisse?

    Also, wenn's in der Schweiz "ausserordentlich billig" ist, dann ist es in Deutschland wie billig? Ramschig? Gratis? WWF-Mässig? Solch einen Schwachsinn hab ich seit der letzten Publikation von EconomieSuisse nicht mehr gehört. Dort ist man sich solchen Mist immerhin schon gewöhnt...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno Benz am 11.07.2013 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Anstelle Fliegen

    Habe erfolgslos eine ÖV Möglichkeit gesucht. Beim ZVV und SBB keine Verbindung" Zürich - Newyork - Zürich" gefunden.

  • Peter Ulm am 11.07.2013 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ab ins Ausland

    Nachdem Einkaufen im benachbarten Ausland, wieder ein Grund ins benachbarte Ausland auszuweichen! Trotz der Gebühren die WWF behauptet, fliegt man von Deutschland nach ganz Europa mit den Billigfliegern für ca. 60-100 und das Auto kann man sehr günstig bei Flughafen Parkin parkieren, so dass man auch die überteuerten Taxi s verzichten kann. Die Gründenker und die Linken Parteien machen unsere Wirtschaft kaputt, mit Parkplatz Beschränkung Benzin und Steuererhöhungen kann man die Leute nicht zum Umdenken zwingen, die Gewohnheiten sind nunmal da, da weicht man halt ins Ausland!!

  • Leser am 11.07.2013 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Genau so muss man das schreiben

    Man stelle sich vor, da würde stehen "Wird Fliegen für Ausländer bald massiv teurer?" - das wäre rassistisch, so aber ist es normal. Mal abgesehen davon, dass wohl alle, die aus der Schweiz abfliegen, mehr bezahlen würden.

  • Claudia am 11.07.2013 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ausfall??

    es gibt Destinationen wo man praktisch nur mit dem Flieger hinkommt... was macht Ihr Grünen, linken und WWF dann?? Zahlt ihr denen allen den Ausfall wo sie haben werden wenn die Touristen nicht kommen? Ach so ja.. sie können dann ja etwas gesünder verhungern... auch wieder wahr... das ganze ist eine Geldmacherei - und nichts anderes!!!!

  • W. Wolf am 11.07.2013 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Beitrag

    Dann muss ich wohl den jährlichen WWF Beitrag streichen und in diese Abgabe investieren.

Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren