10 bittere Wahrheiten

08. September 2011 10:27; Akt: 10.09.2011 11:05 Print

«In den USA wird eine Megablase platzen»

von Urs P. Gasche, infosperber.ch - Die Verschuldung der USA ist weit schlimmer, als viele wahrhaben wollen. Für die Finanzanalystin Myret Zaki ist das Desaster programmiert.

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Die Arbeitslosigkeit übersteigt zwanzig Prozent, wenn man die Langzeitarbeitslosen mitzählt.

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Insgesamt zehn «alarmierende Wahrheiten» zur Verschuldung der USA zählt die renommierte Journalistin und Buchautorin Myret Zaki im Westschweizer Wirtschaftsmagazin «Bilan» auf. Es sind die Gründe, weshalb die amerikanische «Megablase» früher oder später platzen werde.

Die zehn Wahrheiten seien zum Teil schwierig zu verdauen, weil sie an Vorurteilen kratzten und Verdrängtes ans Licht bringen, sagt Zaki.

Das Modell des Wachstums hat in den USA ausgedient

Erste Wahrheit: Jeder sechste US-Amerikaner überlebt nur noch dank Nahrungsmittel-Gutscheinen und gratis offerierten Volkssuppen. Mehrere Dutzend Millionen US-Amerikaner werden ihr Haus bis 2013 verlieren, weil sie die Hypotheken nicht bedienen können.

Die Arbeitslosigkeit übersteigt zwanzig Prozent, wenn man die Langzeitarbeitslosen mitzählt, die es aufgegeben haben, eine bezahlte Stelle zu suchen. Alle diese Betroffenen leben praktisch ausserhalb der Konsum- und Spargesellschaft.

Der frühere Wirtschaftsberater von Bill Clinton, Peter Schiff, der die Technologie- und die Immobilienblase richtig vorausgesagt hatte, schätzt die wirkliche Inflation in den USA auf fast zehn Prozent, und nicht wie offiziell angegeben auf 3,6 Prozent.

Fazit: Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten sind verschuldet und verarmen. Der Konsum in den USA hat als weltweite Wachstumslokomotive ausgedient.

AA+ ist ein zu gutes Rating für die USA

Zweite Wahrheit: Seit dem 5. August sind die USA mit dem leicht herabgestuften Rating von AA+ offiziell weniger zahlungsfähig als Deutschland oder Frankreich. Doch sind die USA immer noch zu gut bewertet. Ein Staat mit einem AA+ sollte seine Schulden eines Tages mit einer stabilen Währung zurückzahlen können. Das trifft für die USA nicht zu.

Legt man die Abwertung des Dollars während der letzten dreissig Jahre zugrunde, bekommt man für eine dreissigjährige Staatsobligation – in Kaufkraft gemessen – nur noch dreissig Prozent des ursprünglichen Werts zurück.

Kommt erst noch dazu: Wer US-Staatspapiere mit einer Laufziet von dreissig Jahren kauft und damit das erwähnte grosse Abwertungsrisiko eingeht, erhält einen mageren Zins von nur 3,4 Prozent. Wer solche mit zehn Jahren Laufzeit kauft, bekommt sogar nur magere zwei Prozent Zins jährlich. Das ist weniger Zins als auf deutschen Staatsobligationen, obwohl Deutschland das höheres Rating AAA hat.

Selbst wenn man die offizielle Inflationsrate von 3,6 Prozent zugrunde legt, werfen amerikanische Staatsobligationen also angesichts der Inflation einen realen Negativzins ab. Man zahlt also noch eine Prämie dafür, dass man halbe Schrottpapiere kauft!

Fazit: Mit US-Staatsobligationen ist das Verlustrisiko am grössten.

Für Sparer auch auf lange Frist keine Zinsen

Dritte Wahrheit: Seit Januar 2009 zahlt die amerikanische Nationalbank keine Zinsen mehr: 0 Prozent. Sie hat versprochen, dies bis Mitte 2013 nicht zu ändern. Myret Zaki ist überzeugt, dass die US-Nationalbank die Zinsen noch weitere Jahre nicht erhöhen kann. Die Verschuldung von Bundesregierung, US-Gliedstaaten, Gemeinden, Unternehmen und Haushalten werde weiter steigen, was es ihnen noch schwieriger als heute macht, für diesen Schuldenberg Zinsen zu zahlen, ohne bankrott zu gehen.

Vierte Wahrheit: Die Schaffung fast unlimitierter Dollar vermindert den Wert der Dollar.

«Die US-Staatspapiere sind die Leerverkäufe des Jahrhunderts»

Fünfte Wahrheit: Die US-Notenbank FED kann zwar die Zinssätze manipulieren, doch auf die Zinsen (=Preise) für langfristige Staatsobligationen hat sie nur einen beschränkten Einfluss. Wenn China und andere Käufer die tiefen Zinssätze nicht mehr akzeptieren, werden die USA ihre Schuldscheine zu diesen tiefen Zinssätzen nicht mehr los. Doch nur ein einziges Prozent höhere Zinsen auf zehnjährigen Staatspapieren kostet die USA zusätzliche 140 Milliarden Dollar. Das wiederum verringert die Kreditwürdigkeit der USA zusätzlich. Eine Teufelsspirale beginnt sich zu drehen. «Darin liegt der Hauptgrund eines fast sicheren, voraussehbaren Crashs», erklärt Myret Zaki und zitiert Marc Faber, Autor des «Gloom, Boom & Doom Report»: «Die US-Staatspapiere sind die Leerverkäufe des Jahrhunderts».

Gold bleibt eine sichere Anlage

Sechste Wahrheit: Bei allem Auf und Ab wird der Goldpreis hoch bleiben. Denn die USA erhöhen die Geldschwemme und damit die Geldentwertung, und die Zinsen werden tief bleiben. In den Achtzigerjahren mussten die USA die Zinsen auf Rekordhöhen treiben, damit sich der Dollar aufwertet und der Goldpreis stark fiel. Heute können sich die USA hohe Zinsen gar nicht mehr leisten.

Siebte Wahrheit: Anstatt die Schulden abzubauen, haben sich in die USA sogar auch die Konsumkredite wieder erhöht.

Achte Wahrheit: Die Verschuldung wird Ende 2011 das US-Bruttoinlandprodukt übersteigen. In Europa haben einige Länder einschneidende Massnahmen zur Sanierung ihrer Budgets eingeleitet, während der Kongress in den USA weitgehend passiv bleibt.

Der Spekulation ausgeliefert

Neunte Wahrheit: Spekulative Leerverkäufe haben ein Rekordniveau erreicht. Vor allem amerikanische und britische Hedge-Funds haben zuerst gegen das kleine Griechenland und dann gegen weitere periphere EU-Länder spekuliert. Deutschland und Frankreich wollten Leerverkäufe in allen Industrieländern verbieten, doch namentlich die USA und Grossbritannien lehnten dies ab. In Grossbritannien haben drei Viertel der europäischen Hedge-Funds ihren Sitz. Die mit Japan am höchsten verschuldeten Länder USA und Grossbritannien «führen einen Finanzkrieg gegen Kontinentaleuropa», meint Zaki.

China kann am meisten verlieren und am meisten gewinnen

Zehnte Wahrheit: Die chinesische Nationalbank hält Währungsreserven im Wert von 3200 Milliarden Dollar, den grössten Teil davon effektiv in Dollar. China kann beim Fall des Dollars am meisten verlieren und ist deshalb interessiert daran, den Dollar als Reservewährung durch den Yuan zu ersetzen. Das könnte bereits in zehn Jahren gelingen, sagt Myret Zaki. Nach Prognosen des Weltwährungsfonds wird das Bruttoinlandprodukt Chinas dasjenige der USA ab dem Jahr 2016 übertreffen. Seit 2007 hat das BIP in China um 45 Prozent zugelegt, das in den USA um weniger als 1 Prozent.

Nach über hundert Jahren werden die USA den ersten Platz unter den Wirtschaftsmächten verlieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manfred Nussbaumer am 10.09.2011 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich mal ein Guter Artikel

    Ich hoffe, dass das Volk mal endlich wach wird und sich von der Politik nicht ständig einlullen lässt. Nun verkauft sich die Schweiz der EU mit der Euro anbindung - Merkel + Co. regieren indirekt in der Schweiz mit - hallo - aufwachen bitte!!!!

  • R.Wetter am 10.09.2011 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Probleme

    Das Problem beim Staat und den Einzelnen ist das Gleiche, es gibt 3 Varianten ein finanzielles Problem anzugehen: 1.Einnahmen vergrössern, 2.Sparen oder 3.sich verschulden. 1. Ist für die Meisten nicht möglich 2 Ist für die Meisten nur begrenzt möglich (Fixkosten) 3. Ist für die Meisten nicht mehr möglich. Lösungsansätze: Die Verursacher des Schlamassels enteignen, Verbot gewisser Geschäfte, Mehr Steuern für Reiche, Gezieltes Sparen(Rüstung...)

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  • Andreas M. am 10.09.2011 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wer im Glashaus sitzt ...

    ... sollte nicht mit Steinen werfen! Die beschriebenen Probleme sind keinesfalls auf die USA beschränkt. In der EU sieht in Tat und Wahrheit alles noch viel trüber aus. Europa geht unter bevor in den USA noch das Wasser über den Bug läuft! Und die Schweiz sitzt mittendrin... Unsere Arbeitslosenzahlen sehen übrigens auch nicht viel rosiger aus, wenn man all diejenigen mitzählt die längst ausgesteuert und in die Sozialhilfe abgeschoben wurden. Es gab in der Weltgeschichte schon immer Machtverschiebungen, und jetzt steht eine Verschiebung nach Asien bevor. Damit müssen wir leben lernen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcus Fabian am 19.09.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Korrekturen

    Arbeitslosigkeit (U3 + U6) über 20%? Ja, 23%. siehe: AA+ Rating für die USA nicht gerechtfertigt? Die US-Rating-Agenturen berücksichtigen nur die Fähigkeit, neue Schulden aufzunehmen, nicht aber die Fähigkeit, die Schulden auch zurückzuzahlen!!! Die Amis haben dank FED kein Problem, neue Schulden zu machen, was das hohe Rating bestätigt. Die chinesische Dagong Global Credit Rating Co. Ltd sieht das entsprechend anders ;) Da haben die USA nur noch ein AA:

  • Thomas am 16.09.2011 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    So oder so

    2012-Das Ende des Geldes

    • Markus Laubacher am 08.10.2011 13:25 Report Diesen Beitrag melden

      Hyper globaler IT- Kapitalismus

      Seit Einführung der weltweiten IT - neben dem Euro - in der Finanzbranche hat der Kapitalismus noch viel mehr zu Turbulenzen, Irrealitäten und Blasen resp. Übertreibungen geführt. Wenns so weitergeht mit dem Irrglauben an absolute Technik verbunden mit einem Hyperneoliberalismus, dann werden viele extrem industrialisierte Volkswirtschaften an deren irrwitzig technikgläubigen Völker zu Grunde gehen.

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  • Der von vorhin am 15.09.2011 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Uups

    Ich mein natürlich 7 Milliarden Menschen :D

  • Gierig am 15.09.2011 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Da fliesst es!

    Wenn man die 700 Milliarden nicht in die Banken gebuttert hät, könnte es uns allen besser gehen. 700 Milliarden! (es gibt ca. 7 Millionen Menschen auf der Welt) Die Rechnung kann jeder selber machen ;)

  • G. Müller am 15.09.2011 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Die Lösung aller Probleme

    Allen Bürgern eine Zwangskonsum Karte aushändigen, mit staatlicher Garantie. Also zB. pro Jahr 1 Auto, pro Monat 1 Harras Bier usw. Bei nicht Einhaltung,- deftige Strafen = noch mehr Konsumzwang :-)

    • Sandmann am 16.09.2011 18:53 Report Diesen Beitrag melden

      Die Lösung aller Probleme 2

      Genau das richtige, die Steuern sollen sie für die nächsten zehn Jahre auch noch bezahlen.

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