Wirtschaftskrise

30. April 2012 11:27; Akt: 30.04.2012 11:41 Print

Spanien ist jetzt offiziell in der Rezession

Spanien ist im ersten Quartal 2012 in die Rezession gerutscht. In den ersten drei Monaten sank die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent, wie das spanische Statistikamt in Madrid mitteilte.

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Es steht schlecht um Spaniens Wirtschaft. Die nachfolgenden Bilder zeigen die Gründen für Madrids Misere. In Spanien stehen derzeit rund 1,5 Millionen Immobilien zum Verkauf. Und die Preise fallen weiter. Viele Spanier hatten sich in den Boomjahren des neuen Jahrtausends Zweit- und Drittwohnungen zugelegt, weil die Zinsen tief waren und die Preise rasant stiegen. Als die Blase platzte, sind viele kräftig auf die Nase gefallen. Davon zeugen heute dutzende Geisterstädte. Auch Spaniens Banken haben sich beim Immobilien-Poker verzockt. Sandard & Poor's befürchtet, dass Spanien dem maroden Bankensektor erneut unter die Arme greifen muss. Schliesslich schulden Immobilienbesitzer den Banken geschätzte 325 Milliarden Euro und diese Sicherheiten verlieren rasant an Wert. In Spanien sind derzeit 5,7 Millionen Menschen arbeitslos und zahlen somit keine Steuern. Die Arbeitslosenquote ist mit fast 25 Prozent die höchste in ganz Europa. Die Regierung hat im Februar eine drastische Arbeitsmarktreform verabschiedet, die Entlassungen erleichtert. Madrid hofft, dass durch die Reformen langfristig neue Jobs geschaffen werden. Denn Unternehmen stellen Mitarbeiter nur zögerlich an, wenn diesen nicht rasch wieder gekündet werden kann. Die Gewerkschaften sind davon überzeugt, dass infolge der Reform noch mehr Arbeitsplätze vernichtet werden. Standard & Poor's glaubt ebenfalls nicht, dass die Massnahmen unter dem Strich in absehbarer Zeit Jobs schaffen werden. In einem Versuch, die Wirtschaft anzukurbeln, hat Spaniens Regierung Milliarden ausgegeben. Das Haushaltsdefizit explodierte. Das aber schadet wiederum der Wirtschaft. Das Land ist gerade erst erneut in die Rezession abgerutscht. Nobelpreisträger Joseph Stiglitz glaubt, dass sich Europa mit dem Sparkurs «auf seinen Selbstmord hinbewegt». Die sozialistische Vorgänger-Regierung Spaniens versprachen sich durch die knallharte Einschränkung der CO2-Emissionen eine Flut grüner Arbeitsplätze. Eine interne Einschätzung der heutigen Regierung zeigt das Gegenteil: Spaniens Energiepreise explodierten und durch die Regulierung gingen pro geschaffenen Arbeitsplatz zwei verloren. Spanien hat mit dem Eintritt ins Euroland auch dessen tiefes Zinsniveau geerbt. Das Wirtschaftswunder war auch Folge der expansiv wirkenden Geldpolitik, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW berichtet. Das dadurch steigende Lohnniveau in Kombination mit der tiefen Produktivität hatte zur Folge, dass die Konkurrenzfähigkeit der spanischen Produkte im Ausland stark gesunken ist. Die spanischen Aktienmärkte haben wegen der schwachen Wirtschaftslage seit Beginn des Jahres um mehr als 19 Prozent an Wert verloren und stehen damit in Europa am schlechtesten da.

Daran krankt Spanien.

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Im Schlussquartal 2011 war die spanische Wirtschaft erstmals seit Ende 2009 wieder geschrumpft. Das Minus lag ebenfalls bei 0,3 Prozent. Damit ist die gängige Definition für eine Rezession - zwei Quartale mit negativen Wachstumsraten in Folge - nunmehr erfüllt.

Vor einer Woche hatte bereits die Notenbank Spaniens eine Vorabschätzung für das Wachstum im ersten Quartal veröffentlicht. Die Notenbanker waren allerdings zu einem etwas schwächeren Ergebnis als die Statistiker gekommen. Die Notenbank hatte eine Rate von minus 0,4 Prozent ermittelt.

Tieferes Rating

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Einstufung für das Land und zahlreiche spanische Banken am Montag gesenkt. Die Bonitätsnoten für die beiden Grossbanken BBVA und Santander würden dabei wie für das Land Spanien selbst um zwei Stufen reduziert, teilte S&P am Montag in Madrid mit.

Santanders langfristige Schulden werden jetzt mit der Note «A-« und damit etwas besser als die Verbindlichkeiten Spaniens eingestuft. BBVA habe jetzt mit «BBB » die gleiche Bewertung wie Spanien.

Die spanischen Banken leiden unter dem Zusammenbruch des heimischen Immobilienmarkts und gelten derzeit als einer der grössten Problemfälle innerhalb der europäischen Schuldenkrise. Der Sektor ist geprägt von den beiden Grossbanken sowie zahlreichen kleineren Instituten, die grösstenteils regional tätig sind.

Zudem hat das Land einen grossen Sparkassensektor. Von den vielen Sparkassen mussten in der Schuldenkrise bereits einige Institute vom Staat gerettet werden. Der gesamte Bereich soll grösstenteils neu sortiert werden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Studer Michael am 30.04.2012 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Die Spanier Teil 2

    Es gibt nur den Moment und wichtig ist nur wer heute Abend im Fussball gewinnt und was es zu essen gibt..... Sie können Stunden aber wirklich Stunden über das Essen berichten.....Über die Politik nicht zu reden.... Die sind die selben es wird nicht für Lösungen gesorgt.... Einfach da sein viel quasseln und nichts gescheites herausbringen.... Dann wird gestreikt und gestreikt was das Zeug hält.... Wichtig für die Spanier ist einfach ja nicht zu viel zu arbeiten.... (Wenn es Feiertage gibt ziemlich oft läuft dann gleich mal eine ganze Woche gar nix...)

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  • Studer Michael am 30.04.2012 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Die Spanier Teil 1

    Ich lebe selber seit 6 Jahren in Spanien.... Sorry an alle Spanier das Leben hier ist schön und die Leute sind sehr freundlich und lieb. (Jeder lässt den anderen Leben wie er will und Neid und so Zeug wie in der Schweiz gibt es nicht)... Was aber das arbeiten angeht und die Einstellung zu der Politik, Geld, Sparen usw. sind die Spanier komplett anders als wir Schweizer..... 1. Arbeiten = Produktivität gleich 0 .. Lösungen finden vergiss ihn.... nur arbeiten gehen um da zu sein.... und die ganze Arbeit wird sehr sehr schlecht erledigt.... Ein Spanier denkt nie nie an die Zukunft.

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  • Spanier am 30.04.2012 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Euro sei Dank

    Wenn die spanische Regierung ihre Bürger retten wollte, dann hätten sie den Euro längst aufgegeben. Das ist als würde man Usain Bolt Fussketten anlegen und verlangen er soll immer noch gleich schnell springen... ein Ding der Unmöglichkeit. Euro abschaffen und die Peseta wieder einführen. Dann haben die Bürger wenigstens etwas mehr Stolz und vertrauen, wenn es um die Nationalität geht. Der Euro ist wie eine Besetzung von aussen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • 1ravioli1 am 30.04.2012 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Die Schuld für die Misere ist auch bei den Spaniern selbst zu suchen, denn die Bürger haben seit dem Ende der Diktatur über ihre Verhältnisse geleb und es nie verstanden, mit dem Geld haushälterisch umzugehen. Nicht nur Wohnungen wurden belehnt sondern auch Feste wie Hochzeiten. Dass nun die überbordenden Geldausgaben im Desaster enden ist auf die Unvernunft der Mehrzahl der Spanier zurückzuführen. Wieso bezahlt man zum Beispiel ein Fussballticket für über 500 Euro, wenn man kein Geld mehr hat? Die Regierung ist da nicht alleine schuldig, da muss schon jeder Einzelne einmal über die Bücher!

  • Sasha BIno am 30.04.2012 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Banken

    Mal sehen wie viele Spanier ihr Geld hier in der Schweiz bunkern...

  • Bunga Bunga Prinzessin am 30.04.2012 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Angstmacherei

    Wenn man sich die Immobilienpreise in Spanien anschaut, dann kann es den Spanier gar nicht schlecht gehen!

  • Ich am 30.04.2012 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch?

    haha Ich will auch ein Land oder ne Bank sein. Dann wäre ich mit Mrd. Schulden innerlich nicht Pleite und sowas wie Rezension oder Verlust würde es nicht geben ^^

  • Bad End am 30.04.2012 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    Der nächste Kandidat

    Spanien ist der nächste Kandidat für die "Rettung" dabei könnte sich die gesammte EU ins Bein schneiden. Wenn das nach hinten losgseht, und das dürfte bei so immensen Schulden der Fall sein, ja dann Prost. Dann geht das Schiff mit samt seinen Alliierten unter.