Shoppen statt schlafen

30. Juli 2012 03:06; Akt: 30.07.2012 08:17 Print

Spanien schafft die Siesta ab

Eine uralte Tradition verschwindet: Die spanische Regierung bricht im Kampf gegen die Schuldenmisere ein Tabu. Ab September gibts keine Siesta mehr. Daran sind auch die Touristen schuld.

storybild

Das Nickerchen am Nachmittag wird in Spanien bald Seltenheitswert bekommen.

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Das Nickerchen am Nachmittag ist für den Spanier wichtig, sehr wichtig. Doch ab September wird er dafür keine Zeit mehr haben. Die spanische Regierung will - vor allem für Touristen - das Einkaufen leichter machen. Sie hat beschlossen, die Ladenöffnungszeiten ab 1. September zu verlängern und die Zahl der Sonntage, an denen die Geschäfte geöffnet haben dürfen, zu erhöhen. Auch die Restaurants dürfen offen bleiben.

Umfrage
Die Schuldenkrise bedroht die uralte spanische Tradition der Siesta. Halten Sie gelegentlich einen Mittagsschlaf?
10 %
33 %
57 %
Insgesamt 3638 Teilnehmer

Dabei bricht sie mit einem Tabu: der Siesta. Künftig sollen kleine Geschäfte auch zwischen 14.00 und 16.00 Uhr ihre Tore öffnen dürfen.

Konkret dürfen die spanischen Einzelhandelsgeschäfte 90 statt der bisherigen 72 Stunden in der Woche offen haben. Kleineren Geschäften mit weniger als 300 Quadratmetern Verkaufsfläche ist es sogar erlaubt, täglich zu jeder Zeit zu öffnen. Zudem können Kunden künftig an 16 statt zwölf Sonntagen einkaufen gehen.

Die Macht der Touristen

Noch mehr Freiheit gibt es für Geschäfte in Touristengebieten und Ferienorten: Sie dürfen ihre Produkte an allen Feiertagen und Sonntagen anbieten.

Mit den neuen Massnahmen will die spanische Regierung vor allem ausländische Gäste dazu anregen, mehr Geld auszugeben, denn die Nachfrage der inländischen Konsumenten ist infolge der Wirtschaftskrise seit Jahren rückläufig. Ausländer, die Spanien besuchen, klagten immer wieder darüber, dass die Geschäfte zwischen 14.00 und 16.00 Uhr geschlossen sind. Auch die Restaurants schliessen während der Siesta die Küchen.

Die Regierung will es den jährlich 57 Millionen Touristen recht machen, denn das Land braucht in der schwierigen wirtschaftlichen Situation dringend mehr Einnahmen. Die Ausgaben der ausländischen Touristen in Spanien beliefen sich 2011 nach Angaben des Ministeriums für Tourismus auf knapp 54 Mrd. Euro. Führend sind die Briten, gefolgt von den Deutschen. Der Tourismus hat einen Anteil von 10,2 Prozent am spanischen Bruttoinlandprodukt.

Kritik kleiner Ladenbesitzer

Die Neuregelung ist umstritten. Vor allem die Besitzer kleiner Läden fürchten sich vor den grossen Ladenketten, da diese viel mehr Personal anstellen können. Wegen der knappen Gewinnmarge liegt das für die Kleinen nicht drin.

Auch die Gewerkschaften glauben, dass dadurch die Angestellten des Einzelhandels noch mehr ausgebeutet werden.

(kub/sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Weinstein am 31.07.2012 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    2 Std Pause. Was mache ich jetzt?

    Ja und was macht ein Angestellter in diesen 2 Std Pause? Das macht nur Sinn wenn ich in dieser Zeit nach Hause gehen kann. Das bedeutet aber auch, dass mein Arbeitsort in der Nähe des Wohnortes liegen sollte. Die Siesta Regel behindert deshalb den Arbeitsmarkt. Spanien benötigt aber einen flexibleren Arbeitsmarkt.! Deshalb ist die Abschaffung der Siesta ein gutes Zeichen für die Angestellten!

  • Enim am 31.07.2012 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das macht mich wütend!!

    Ich war diesen Sommer in Spanien. Und die Läden machtrn Siesta zwischen 13.30-16.00, je nach dem. Dafür hatten die meisten bis 21.30(!) offen! Will mal einen Schweizer sehen, der solange arbeitet. Im büro punkt 17.00h raus und im Verkauf punkt 18.30/resp.20.00 (meist 1x die woche) den Laden dicht machen. Jedes Land hat seinen eigenen Rhytmus und das muss man akzeptieren. Also ich finde das respektlos seinen Bürgern gegenüber. Wenn der Staat nichts auf die Reihe kriegt, müssen doch nicht die eifachen Bürger darunter leiden. Soll die Regierung mal mehr arbeiten, statt in der Nase zu bohren!

  • siculo am 31.07.2012 01:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    niemand kauft ein dann

    geht mal nach sizilien, da geht bei der siesta NIEMAND raus bei 45 grad und brennender sonne. erst ab 16 uhr fangen die touristen an raus zu gehen.

  • José am 30.07.2012 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spanien ist nicht Faul!

    Ich liebe spanien und Ihr alle wisst gar nicht das Sie über den mittag eine Pause machen aber dann bis um 8 Uhr arbeiten ihr Schweizer wisst nicht wie das ist, also kümmert euch um euer eigenes Zeugs und lasst die Spanier in Frieden

  • Grundel Brun am 30.07.2012 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alte traditionen

    Recht so, die faulen Tage sind vorbei, geht arbeiten und verdient euer eigen geld anstatt aus den kassen der union zu leben. Am besten tritt ihr gleich aus der eu, 50% arbeitslosigkeit und dabei nich an alten traditionen festhalten. Nehmt euch ein beispiel an den staaten die eich zahlen!