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Deutscher Ex-Minister Eichel
05. März 2009 16:01; Akt: 05.03.2009 16:50 Print
«Villiger ist eine sehr glaubwürdige Person»
von Lukas Mäder - Kaspar Villiger und Oswald Grübel könnten die optimale Besetzung an der UBS-Spitze sein, sagt der frühere deutsche Finanzminister Hans Eichel. Denn Villiger sei integer. Zudem werde der Alt-Bundesrat verstehen, dass Steuerhinterziehung kein Geschäftsmodell sei, sagt Eichel im Interview mit 20 Minuten Online.

Das Bankgeheimnis als Streitpunkt der beiden Finanzminister: Bundesrat Kaspar Villiger (rechts) am 6. Juli 1999 in Bern mit dem damaligen deutschen Finanzminister Hans Eichel, der zu einem offiziellen Arbeitsbesuch in der Schweiz weilte. (Bild: Keystone/Alessandro della Valle)
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Sie haben Kaspar Villiger in Ihrer Zeit als Bundesfinanzminister erlebt. Hat er die Tatkraft und das Durchsetzungsvermögen, um die UBS aus der Krise zu führen?
Hans Eichel: Im persönlichen Umgang habe ich ihn als sehr angenehm erlebt. Kaspar Villiger war als Finanzminister ein eleganter Verfechter des Bankgeheimnisses. Das war die klare Kontroverse zwischen uns. Aber er ist einer, der nicht nur die Argumente der anderen kennt, sondern sie auch versteht.
Was bedeutet das für die UBS?
Ich glaube, Kaspar Villiger versteht, dass es kein Geschäftsmodell ist, auf der Basis von Steuerhinterziehung Profite zu machen. Das ist eine Chance für die UBS. Denn inzwischen verstehen die Leute weltweit nicht mehr, dass auch Schuldige des Finanzdesasters ihren Profit beispielsweise auch auf Schweizer Banken verstecken können. Villiger versteht diese Argumente, ist aber selbstverständlich ein Verfechter der eigenen Interessen.
Haben Sie Villiger als einen harten Verhandlungspartner erlebt?
Er weiss, dass er nicht mit dem Kopf durch die Wand kann, weil dann die Wand stärker ist. Dafür ist Villiger zu elegant und zu nachdenklich. Aber das nützt ihm in seiner neuen Position eher.
Was für ein Signal sendet die Ernennung eines ehemaligen Finanzministers an die UBS-Spitze nach Deutschland?
Dass auch eine Grossbank verstanden hat, dass es vor allem Banker waren, die das weltweite Finanzdesaster verursacht haben. Und dass es ihnen nicht mehr alleine gelingt, da wieder rauszukommen. Kaspar Villiger ist persönlich sehr glaubwürdig, was dem Ansehen der UBS zugute kommt. Die harte Kontroverse aber bleibt.
Ist die Vermischung von Wirtschaft und Politik nicht problematisch?
Dass Banken jetzt ausgerechnet auf Politiker verfallen, amüsiert mich. Denn früher haben die Banker uns gesagt, die Politik müsse sich nach den Finanzmärkten richten. Jetzt ist es umgekehrt. Faktisch sind heute die meisten grossen Banken mehr oder weniger Staatsbanken, weshalb diese Vermischung eher zwangsläufig ist.
Wie beurteilen Sie die Auswirkungen auf den Rechtsstreit der UBS in den USA?
Das kann ich von hier aus sehr schwer sagen. Vermutlich wird der Umgang leichter, da Villiger ein sehr integrer und intelligenter Verhandlungspartner ist. Aber an der Entschlossenheit und Härte der USA bestehen keine Zweifel. Sie nehmen eher zu.
Spielen denn Kaspar Villiger und die UBS bei der Verteidigung des Bankgeheimnisses überhaupt noch eine Rolle?
Nein. Die UBS hat dafür gesorgt, dass eine Bresche in die Mauer des Bankgeheimnisses gesprengt wurde. Sie war der entscheidende Anlass und deshalb spielt sie keine Rolle mehr in der Verteidigung. Ihrem Ansehen hilft am ehesten noch Einsicht und Kooperation. Da ist das neue Gespann an der Spitze mit Konzernchef Oswald Grübel als Sanierer und Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger als Verhandler eine Chance für die UBS.
Sie beurteilen das Duo an der UBS-Spitze also als positiv?
Wenn ich mich in die Interessenlage der UBS hineinversetze, könnte es eine optimale Lösung sein.
Und für Sie als Politiker?
Als Politiker beurteile ich das nicht. Da muss man es nehmen, wies kommt.
Würden Sie selbst auch als Aufsichtsratspräsident einer serbelnden deutschen Bank einspringen?
(Lacht.) Ich hoffe nicht, dass irgendeine deutsche Bank in die Situation kommt, in welcher die UBS steckt. Wir haben, denke ich, keine Banken, deren Erfolg ganz oder teilweise auf Begünstigung der Steuerhinterziehung beruht.





























