Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Nach Quartalsbericht
04. August 2009 15:21; Akt: 04.08.2009 17:57 Print
UBS-Aktie verliert 4,3 Prozent
Die UBS sieht sich trotz erneutem Quartalsverlust von 1,4 Milliarden Franken auf dem Weg in die Gewinnzone. Der Neugeldabfluss ging weiter. An der Börse fiel der UBS-Aktiekurs nach festerem Beginn. Grübel rechnet damit, dass der Bund seine Anteile an der Bank bis Ende Jahr verkauft.
Grübel bezeichnete den jüngsten UBS-Quartalsabschluss als klar unbefriedigend. «Ich hätte gerne einen Gewinn bekannt gegeben», sagte er vor Medien und Analysten in Zürich. Die Gewinnzone sei aber nicht in einem Quartal zu erreichen. In einem Interview des Schweizer Fernsehens wich der im letzten Frühling als CEO angetretene ehemalige Credit-Suisse-Chef der Frage nach dem Zeitpunkt für die Rückkehr in die schwarzen Zahlen mit der Bemerkung aus: «Seit ich bei der UBS bin, geht es mir jeden Tag besser.»
UBS verbessert Service für Schweizer KundenDie UBS will die Stärken des integrierten Geschäftsmodells künftig auf dem Heimmarkt besser zum Tragen bringen. Sie schafft zu diesem Zweck ab sofort ein integriertes Management-Team in der Schweiz, wie einer internen Mitteilung der Grossbank vom Dienstag zu entnehmen ist.
Eine von zwei Schweizer Firmen und einer von drei Haushalten des Landes haben bereits eine Bankbeziehung zur UBS. Diese Kunden sollen mit der neuen Organisation noch wirksamer betreut werden. Vermögensverwaltung und Geschäftskundenbetreuung werden im neuen Management-Team mit der Erfahrung der Investment Bank und des Global Asset Management zusammengefasst. So sollen die Kunden in der Schweiz einen optimaler Service mit der nötigen Differenzierung gemäss ihren Bedürfnissen erhalten.
Der siebte Quartalsverlust der UBS innert zwei Jahren betrug 1,402 Milliarden Franken, gegenüber minus 1,975 Milliarden Franken im Vorquartal. Laut Grübel stammt der Verlust vor allem von Wertberichtigungen auf eigenen Schulden, Restrukturierungskosten und Goodwill-Wertberichtigungen auf der UBS Pactual in Brasilien, die vor dem Verkauf steht.
4400 Mitarbeiter weniger
Ohne Sonderfaktoren hätte erstmals seit acht Quartalen ein operativer Vorsteuergewinn von 971 Millionen Franken resultiert. So gesehen sei das Resultat insgesamt sehr gut, sagte Grübel. Das Finanzergebnis sei stabilisiert, die Fixkosten seien reduziert. Der Personalbestand sank im zweiten Quartal um 4400 auf
Der Mittelabfluss beim einst weltweit grössten Vermögensverwalter hielt im zweiten Quartal an. Der Netto-Neugeldabfluss betrug insgesamt 39,4 Milliarden Franken, gegenüber 14,9 Milliarden Franken im Vorquartal. Es gab aber Unterschiede. So blieb das Schweizer Geschäft fast stabil, in der Region Asien-Pazifik gab es Zuflüsse. Die Abflüsse betrafen vor allem das internationale Geschäft. Vermutlich habe der Rückzug aus dem grenzüberschreitenden US-Geschäft massgeblichen Einfluss, hiess es. Verlorene Marktanteile sollen in zwei Quartalen aufgeholt werden.
Risiko von 248 Milliarden - höhere Kernkapitalquote
Grübel hob auch die Verstärkung der Kapitalbasis sowie die Reduktion von Risiken und Bilanz hervor. Die Risikopositionen sanken um 30 Milliarden auf 248 Milliarden Franken, die Bilanzsumme um 261 Milliarden auf 1,600 Billionen Franken. Die Kernkapitalquote betrug unerwartet 13,2 Prozent, gegenüber 10,5 Prozent Ende März.
Der Ausblick blieb zurückhaltend. Das Umfeld sei zwar im Juli positiver geworden, aber weiterhin rezessiv, hiess es. Grübel kündigte per Oktober ein neues Geschäftsmodell an. Die grundsätzliche Einigung der Schweiz und der USA auf einen Vergleich in der UBS-Steueraffäre wurde in einem Aktionärsbrief positiv gewertet. Die Pläne der Eidgenossenschaft für ihre UBS-Beteiligung blieben offen.
Gemischte Reaktionen
Der Quartalsabschluss der UBS löste gemischte Reaktionen aus. Analysten lobten die gute Kapitalausstattung, äusserten aber Besorgnis zum Geldabfluss. In ein Wechselbad geriet die UBS-Aktie. An der Schweizer Börse stieg ihr Kurs zunächst bis auf 16,46 Franken oder um weitere 2,9 Prozent. Verkäufe drückten ihn aber bald weit unter 16 Franken. Mit dem Tagestief von 14,95 Franken stand der Kurs 6,6 Prozent tiefer als am Vorabend. Bei Börsenschluss betrug der Abschlag mit 15,31 Franken noch 4,3 Prozent.
Verkaufsbeschränkung des Bundes abgelaufen
Das Eidg. Finanzdepartement (EFD) beobachtet die Entwicklung der UBS-Aktie an der Börse weiter aufmerksam. Die Verkaufsbeschränkung für die Pflichtwandelanleihe, die sich das EFD Ende Juni temporär selbst auferlegt hatte, ist heute abgelaufen.
Mit ihrer Verkaufsbeschränkung bis zum 4. August hatte das EFD die jüngste Kapitalerhöhung der UBS von 3,8 Mrd. Fr. unterstützt. Die Beschränkung war vor allem ein Signal an die teilnehmenden Investoren und erleichterte der UBS die Platzierung ihrer Titel.
Nach Ablauf der Verkaufsbeschränkung beobachtet das EFD in enger Absprache mit der Bankenaufsichtsbehörde Finma sowie der Schweizerischen Nationalbank die Lage weiter aufmerksam, wie EFD- Sprecher Roland Meier am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte.
Das Ziel sei es weiterhin, das vom Bund investierte Geld von 6 Mrd. Fr. in die Pflichtwandelanleihe zurück zu erhalten. Wie und wann allenfalls die Anleihe in UBS-Aktien gewandelt oder weiterplatziert wird, lässt das EFD offen.
Grübel wagt Prognose
UBS-Konzernchef Oswald Grübel rechnet damit, dass der Bund seine Beteiligung an der UBS bis Ende Jahr verkaufen wird. Er habe jedoch keine Anhaltspunkte dafür, wann der Bund diese Transaktion vornehmen werde, sagte Grübel in einem Interview mit der Online-Ausgabe des «Wall Street Journal».
Wären die Marktverhältnisse bei der Kapitalerhöhung der UBS Ende Juni besser gewesen, hätte der Bund die Beteiligung wohl bereits zu diesem Zeitpunkt verkauft, sagte Grübel weiter.
Die bürgerlichen Parteien SVP, FDP und CVP drängen darauf, dass der Bund rasch sein Engagement bei der UBS beendet. Sie sehen aber keinen Grund für überstürztes Handeln. Die SP will hingegen, dass der Bund auch längerfristig UBS-Aktionär bleibt.
(sda/dapd)
































