Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Abgeltungssteuer
13. Dezember 2012 00:00; Akt: 13.12.2012 07:51 Print
«Das Abkommen ist jetzt Geschichte»
Das Scheitern des Steuerdeals mit Deutschland ist in der Schweiz mit Bedauern aufgenommen worden. Bundespräsidentin Widmer-Schlumpf gibt Nachverhandlungen keine Chance.
-
Nein zum Steuerstreit : Widmer-Schlumpf will nicht einknicken
-
Steuerdeal versenkt: SPD und Grüne haben ihr Ziel erreicht
-
Abgeltungssteuer: Letzte Chance für den Steuerdeal mit Berlin
-
Steuerstreit: Widmer-Schlumpf und Hollande einigen sich
-
Parteien zur Wiederwahl: Steuerstreit mit den USA geht wohl weiter
«Wir bedauern, dass Deutschland das unterzeichnete schweizerisch-deutsche Quellensteuerabkommen nicht ratifiziert», sagte Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf nach dem Entscheid Deutschlands an einer Medienkonferenz. Im Verhältnis zu Deutschland bleibe in Steuerfragen nach dem Nein der wenig befriedigende Status quo mit Zufallsfunden auf illegal erworbenen CDs sowie die Amtshilfe auf Anfrage gemäss internationalem Standard. Mit jedem Jahr ohne Abkommen verjähre im Übrigen ein beträchtlicher Teil der ausstehenden Steuerbeträge.
Noch einmal über die Bücher zu gehen, kommt für die Bundespräsidentin nicht in Frage. «Es gibt keine Nachverhandlungen», sagte sie am Mittwochabend zum endgültigen Scheitern des Steuerabkommens mit Deutschland. Das Abkommen sei Geschichte. «Es steht nicht mehr zur Diskussion.»
Widmer-Schlumpf wollte nicht ausschliessen, dass es je wieder Verhandlungen mit Deutschland in der Sache gibt. «Wir sind Nachbarn, da suchen wir nach Lösungen», sagte sie. Aber nächstes Jahr werde es ganz bestimmt keine Neuverhandlungen geben.
Interesse aus der ganzen Welt
Bessere Nachrichten hatte Widmer-Schlumpf bezüglich der Steuerabkommen mit Grossbritannien und Österreich. Nach einem Entscheid des Bundesgerichts vom Mittwoch können diese planmässig 1. Januar 2013 in Kraft gesetzt werden.
Dann werde sich zeigen, dass das Quellensteuermodell in der Praxis funktioniere, sagte die Finanzministerin. Die Schweiz verhandelt derzeit mit weiteren Ländern über solche Abkommen, darunter Griechenland und Italien. Weitere Länder inner- und ausserhalb Europas seien interessiert. Das Quellensteuermodell stelle auf effiziente Art sicher, dass in der Schweiz keine unversteuerten ausländischen Gelder versteckt werden könnten. Es sei eine Alternative zum automatischen Informationsaustausch.
«Faires Angebot» abgelehnt
Bedauern auch beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse: Das Steuerabkommen mit Deutschland hätte eine vorteilhafte Lösung zur steuerlichen Regularisierung von Vermögen deutscher Kunden auf Schweizer Banken gebracht.
Deutschland habe das «faire Angebot» der Schweiz nun definitiv ausgeschlagen und müsse die Konsequenzen tragen, erklärte Economiesuisse am Mittwochabend. Neuverhandlungen seien aus Sicht der Schweizer Wirtschaft kein Thema. Ein weitergehender Informationsaustausch zwischen der Schweiz und Deutschland stehe nicht zur Diskussion.
Neupositionierung des Finanzplatzes vorantreiben
Die Schweizerische Bankiervereinigung erklärte, es sei eine grosse Chance verpasst worden, eine für alle Seiten faire, optimale und nachhaltige Lösung zu verabschieden, um die bilateralen Steuerprobleme abschliessend zu regeln.
Der Schweizer Finanzplatz werde dennoch seine Neupositionierung entschieden vorantreiben und in Zukunft nur steuerkonforme Vermögen akquirieren und verwalten. Ein Element dieser Strategie bleibe die Abgeltungssteuer.
Die Banken in der Schweiz stünden weiterhin zur Strategie der Abgeltungssteuer, die gemäss EU-Kommission mit europäischem Recht kompatibel sei. Entscheidend für den Erfolg der Strategie sei, dass nun zuerst Steuerabkommen mit den grossen Nachbarländern der Schweiz abgeschlossen würden, bevor mit weiteren europäischen Ländern Gespräche gestartet würden.
«Chance verpasst»
Die Bundesratsparteien haben das Scheitern des Steuerabkommens Schweiz-Deutschland sehr unterschiedlich aufgenommen. Die FDP erklärte, Deutschland habe die Chance verpasst, das «gute und faire Abgeltungssteuerabkommen» mit der Schweiz anzunehmen. Die FDP fordere vom Bundesrat, dass er an der bisherigen Strategie festhalte und von Nachverhandlungen absehe. Dadurch würde die Schweiz nichts gewinnen, sondern sich vielmehr zum Spielball des deutschen Wahlkampfs machen.
Mit dem Abkommen sei das Ende der Fahnenstange an Zugeständnissen erreicht worden, denn sonst würden Bankkundengeheimnis und Rechtssicherheit in Frage gestellt werden. Der automatische Informationsaustausch würde die Schweizer Verhandlungsposition schwächen. Die Abgeltungssteuer sichere Steuerehrlichkeit und schütze die Privatsphäre.
«Sonderweg führt in Sackgasse»
Für die SP hat sich bewahrheitet, was sie seit längerem prophezeit habe: Dieses auf Anonymität beruhende Abgeltungsabkommen führe die Schweiz mit ihrem Sonderweg in der Finanzplatzpolitik in eine Sackgasse.
Die Schweiz könne jetzt noch selbst entscheiden, was sie aus dieser Situation mache und ob sie die Gunst der Stunde nutze und den automatischen Informationsaustausch proaktiv mit Europa suche. Es brauche eine Lösung für den permanenten Streit um das Bankgeheimnis.
Dieses sei zu koppeln mit einer Altlasten-Regelung und einer Übergangsfrist sowie einem umfassenden Marktzugang für die Schweizer Banken in der EU, erklärte die SP.
Nichts ändert sich
Für die SVP sei das Scheitern des Abkommens «kein Unglück», sagte ihr Generalsekretär Martin Baltisser. Damit bleibe es beim Status quo. Deutschland könne weiterhin auf der bestehenden Basis Amts- und Rechtshilfegesuche stellen. «Damit ändert sich für die Schweiz nichts.»
(bee/sda)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 87 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt




















Die Politiker die für Nein stimmten sind clever.
Sie können weiter mit Steuergelder geklaute Daten kaufen und als erster kontrollieren ob sie das Geld gut genug in der Schweiz versteckt haben. Sonst müssten sie ja auch Abzüge in kauf nehmen.
was regen sich denn alle so auf ?
Was regen sich denn alle jetzt so auf ? Es wäre doch anscheinend das mehrheitliche Stimmvolk in CH auch gegen den Vertrag gewesen. Jetzt ist er halt von der SPD gekippt worden. Geht es allen nur drum wer hier Tatsachen schafft ? Oder ist der Ärger nur, weil es halt die Deutschen sind. Wieso regt sich bei diesem Thema niemand über die Franzosen auf, die hier heimlich rumspionieren oder die Amis, die die Schweiz weit mehr am Auspressen sind ?
Amtshilfe schlägt Abgeltungssteuer!
Der Status quo mit Amtshilfegesuchen ist für Deutschland möglicherweise einträglicher als die Abgeltungssteuer. Die Steuerhinterzieher sind jetzt nach wie vor beunruhigt, ob Deutschland nicht via Datenklau Kenntnis von ihrem hinterzogenen Vermögen hat und zeigen sich selbst an. Wie BR Widmer-Schlumpf nachweisen will, ob ein Amtshilfegesuch auf illegal erworbenen Bankkundendaten beruht, ist mir nicht klar.
Schwarzgelder
Alle die gegen Schwarzgelder sind haben in den letzten Jahrzehnd dank diesen Gelder sehr gut in der Schweiz gelebt. Wir hätten allen Kinder ab ca. 60ziger Jahre all diese Ausbildungen und Luxsus nie leisten können ohne diese Gelder. Unsere Wirtschaft wäre nie das was es heute ist. Dass die Politiker in den andren Länder wie zb. Deutschland ihr eigenes Volk mit hohen Steuern geknutet haben und darum das Geld dann in die Schweiz brachten ist nicht unser Problem. Nur weil man selber zu nichts brachte ,ist der Neid noch lange nicht richtig . So zutun als wäre man so ehrlich nur die anderen nicht .