Mobilfunk

06. Februar 2018 19:01; Akt: 07.02.2018 05:47 Print

«Das Handy strahlt stärker als die Antenne»

von R. Knecht - Eine Petition fordert antennenfreie Wohngebiete. Experten halten die Strahlung aber für ungefährlich.

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Gregor Dürrenberger von der Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation an der ETH hält die Strahlung von Mobilfunk-Antennen nicht für problematisch. Kurz vor der Lancierung von 5G-Antennen will eine Interessengemeinschaft (IG) aus Hadlikon in Sachen elektromagnetischer Strahlung die Notbremse ziehen. Die IG um Initiantin Kathrin Luginbühl fordert, dass es in ausgewählten Schweizer Wohngebieten keine Mobilfunk-Antennen mehr geben soll. Die Gruppe schlägt das Dorf Hadlikon im Zürcher Oberland als konkrete antennenfreie Zone vor. Die von Funkmasten ausgehende elektromagnetische Strahlung verursacht laut Luginbühl gesundheitliche Schäden. Sie selbst sei seit Jahrzehnten besonders sensibel auf diese Strahlung und leide darum unter anderem an Schlafstörungen und Kopfschmerzen, wenn sie ihr ausgesetzt sei. Laut der Petition sind 5 bis 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung sensibel. Doch die Belastung habe auch Auswirkungen auf Menschen, die nicht zu dieser Gruppe zählen. Dürrenberger von der Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation an der ETH teilt die Bedenken Luginbühls nicht. Es gebe keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass diese Antennen mit ihrer Strahlung gesundheitliche Schäden verursachen könnten. Experten seien der Meinung, dass, wenn überhaupt, eher mit der Strahlung des Handys ein Risiko verbunden sein könnte, da dessen Antenne nahe am Körper liegt. Auch einen klaren Zusammenhang zwischen Elektrosensibilität und Strahlung sieht Dürrenberger nicht. Die Symptome seien real, das sei unbestritten. Jedoch sei es sehr unwahrscheinlich, dass die Strahlung die physikalische Ursache ist. Initiantin Luginbühl ist sich bewusst, dass es schwierig ist, die durch Strahlung verursachte Beeinträchtigung nachzuweisen. Sie hält es aber für falsch, dass die Betroffenen die Beweislast tragen müssen. Ihrer Meinung nach müssten stattdessen die Verursacher der Strahlung beweisen können, dass sie keine Auswirkung auf die Gesundheit hat. Darum fordert die IG, dass sowohl die heute eingesetzten als auch die geplanten Mobilfunktechnologien einer solchen Prüfung unterzogen werden.

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Die selbsternannte Interessengemeinschaft Hadlikon zum Schutz der Bevölkerung (IG) verlangt, dass gesetzlich vorgeschriebene antennenfreie Zonen eingeführt werden. So soll die Wohnbevölkerung in diesen Zonen vor Mobilfunkstrahlung geschützt werden. Wie schädlich sind die Telecommasten wirklich? 20 Minuten hat mit Gregor Dürrenberger, Leiter der Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation an der ETH, gesprochen.

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Müssen Mobilfunkantennen genauer geprüft werden?

Herr Dürrenberger, die IG schreibt, die bestehende Belastung sei schädlich. Können Sie das bestätigen?
Betreffend der Strahlung von Basisstationen liegen keine wissenschaftlichen Belege für eine gesundheitliche Schädigung vor. Wäre mit Funkstrahlung ein Risiko verbunden, würde das unter Experten eher im Zusammenhang mit dem Handy gesehen.

Warum ist das Handy eher eine Risikoquelle?
Obwohl die Antenne des Handys mit weniger Leistung betrieben wird als die einer Basisstation, ist die Einstrahlung während des Telefonierens – wenn man das Gerät am Kopf hält – deutlich grösser, weil die Antenne nahe am Körper liegt.

Gibt es unabhängige Studien, die bestätigen, dass es die sogenannte Elektrosensibilität überhaupt gibt?
Es gibt recht viele Studien dazu. Die Symptome, die die Menschen nennen, sind real. Das ist unbestritten. Allerdings ist unklar, welches die Ursachen dafür sind. Aufgrund der verfügbaren Arbeiten ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Strahlung die physikalische Ursache ist. Einiges weist darauf hin, dass die Überzeugung der Menschen, die Strahlung sei schädlich, eine wichtige Rolle spielt.

Die IG fordert zudem gesundheitlich besser verträgliche Technologien. Was für Alternativen gibt es in Sachen Mobilfunktechnologie?
Wenn man drahtlos kommunizieren will, gibt es keine Alternative zur Funktechnologie. Die technische Entwicklung geht hin zu höheren Frequenzen und kleineren Funknetzen. Diese Tendenz hat mit der rapiden Zunahme des Datenverkehrs zu tun. Um die Kapazitäten dafür bereitstellen zu können, werden die Frequenzen erhöht und die Funknetze verdichtet.

Also gibt es immer mehr Strahlung?
Insgesamt hat im letzten Jahrzehnt die Strahlenbelastung in der Schweiz durch Antennenanlagen kaum oder nur wenig zugenommen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Melifera am 06.02.2018 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kabelfritz

    Aber Telefonieren mit dem Handy - welch Doppelmoral.. niemand will fluglärm aber alle wollen fliegen . für mich etwa das selbe. hunderttausende Menschen leiden in der Schweiz an Kopfschmerzen oder Schlafstörung. es gibt da einfach welche die denken müssen den Antennen oder Sendestationen die Schuld zu geben. Ich glaube auch daran das solche z.M nicht Gesund für den Menschen sind.

    einklappen einklappen
  • Sehnsucht 6 7 am 06.02.2018 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Panikmache

    Alle Jahre wieder das gleiche Thema. Macht doch Alu Folie an die Wände dann ist gut. Die Panikmache ist zum davon laufen.

  • Hubert Eng am 06.02.2018 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das war schon immer so

    Das war schon immer so. Erst recht in der Hosentasche Aber alle beklagen sich über die Antennen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Trueman am 07.02.2018 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Kauft Messgeräte und testet es selber!!

    Liebes Volk Wacht auf, die Funkwellen haben messbaren Einfluss auf unsern Körper. Glaubt den sogenannten Experten nicht! Die Messungen die gemacht werden sind nur auf die Temperatur Erhöhung des Körpers ausgelegt und nicht auf die Belastung/zerstörung auf Zellulärer Ebene. Ein Smartphone und auch DECT sind schlimmer als 4G Sendemasten. Bei 5G wird die Belastung dort auch höher sein. Unabhängige Tests haben ergeben das im Umkreis von 300m Leute bis 70% mehr an Krebs erkranken als solche die 500 meter weit weg davon wohnen. Informiere dich selber, kauf Messgeräte,teste es selber. Nur so gehts!

  • Baufritz am 07.02.2018 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Astbest galt einst auch als Wunder...

    ...produkt. Nach vielen Jahren der Verwendung musste trotzdem eingesehen werden das dieses Produkt für sehr vielen Gesundheitlichen Schaden verantwortlich war. Bis 1990 auch die Schweiz (eines der letzten Europäischen Länder) das Verbot durchsetze, behaupteten die Hersteller auch ganz lange und intensiv das Astbest sicherlich kein Problem darstellt! Auch wenn ich es nicht fühle und auch keine aktuellen Beschwerden habe, lohnt sich eine Grundskepsis doch ganz bestimmt!

  • Oliver am 07.02.2018 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man keine Probleme hat

    Alphastrahlung, Betastrahlung, Gammastrahlung, Neutronenstrahlung, Kalium-40, UKW, KW, DAB, Elektrosmog, Sonnenwind, Sonnenflares, kosmische Strahlung, W-LAN, Erdmagnetfeld... und ihr macht euch wegen Mobilfunkstrahlung Gedanken?

  • Melanie am 07.02.2018 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Schockierend all die Süchtigen

    All die Kommentare der Handysüchtigen sind echt schockierend. Wieso gibt es wohl Grenzwerte? Dass die oft ohne Sanktionen massiv überschritten werden, ist ein anderes Thema. Wieso wohnen die Leute der Geschäfsleitungen der Mobilfunkanbieter mit ihren Angehörigen nicht in der Nähe einer Antenne, wenn es so unschädlich ist?

  • Kasperl am 07.02.2018 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Strahlungsempfindliche

    Ich hatte zwei von der Sorte auf der Bütz. Sind für den Chef nie erreichbar, im Notfall nicht zu finden und nun beim RAV. Ich habe eher den Eindruck, das Arbeit mehr Strahlt als Natelmasten.