Star-Ökonomen warnen

20. Oktober 2012 11:35; Akt: 20.10.2012 16:19 Print

«Das Schlimmste steht Europa noch bevor»

Europas Finanz- und Schuldenkrise könnte sich nach Einschätzung führender Ökonomen noch weiter verschärfen. Zumal sich Strukturprobleme nicht mit immer mehr Geld eindämmen liessen.

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Zwei Star-Ökonomen im Streitgespräch: Hans-Werner Sinn (l.) und Michael C. Burda.

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Er fürchte, dass den Europäern das Schlimmste erst noch bevorsteht, sagte der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, der «Süddeutschen Zeitung» (Samstagausgabe). «Wir kämpfen gerade an zwei Fronten. An der einen lässt sich die Finanzkrise mit immer mehr Geld ja noch irgendwie eindämmen», erklärte Sinn.

Das andere Problem sei die Strukturkrise. «Die mit Reformen zu lösen, ist viel schwieriger. Das wird uns noch viele Jahre beschäftigen», sagte er in einem «SZ»-Streitgespräch mit dem US-Ökonomen und Professor der Berliner Humboldt-Universität, Michael Burda.

Burda warnte eindringlich vor einem auch nur vorübergehenden Austritt Griechenlands aus dem Euro. «Das wäre ein gefährlicher Weg», sagte er. «Es droht ökonomisches Chaos.» Die Politik sei gut beraten, den Austritt Griechenlands erst gar nicht zu diskutieren.

Sinn dagegen glaubt nicht an eine Rettung der Griechen im Euro und plädierte für einen zeitweiligen Austritt. «Wir brauchen die Möglichkeit, dass einzelne Staaten temporär aus dem Euro austreten und nach einer Abwertung wieder eintreten können», sagte Sinn.

Einmütig sprachen sich beide Ökonomen für einen noch härteren Schuldenschnitt in Europa aus. «Dazu gibt es keine Alternative», sagte Burda. Nach Ansicht von Sinn ist ein grösserer Schuldenschnitt nicht nur für Griechenland nötig. «Spanien hat ein riesiges Bankenproblem mit unglaublichen Bankschulden, die nicht gedeckt sind», erklärte er.

(ap)