Für eine Wohnung

30. Januar 2012 21:50; Akt: 31.01.2012 13:39 Print

Familie zahlt 100'000 Franken Provision

von Deborah Sutter - Eine Familie sucht am noblen Zürichberg ein Wohnobjekt zum Kaufen und bietet dem Vermittler 100 000 Franken. Experten sprechen von «perversen Auswüchsen» des Immobilienmarktes.

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Dieses Inserat aus der Quartierzeitung «Züriberg» wird als Beweis für einen nicht funktionierenden Immobilienmarkt angesehen.

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Um in Zürich an eine Wohnung oder an ein Haus zu kommen, müssen nicht nur Mieter alle Register ziehen: Eine dreiköpfige Familie stellt für die Vermittlung von Wohneigentum am Zürichberg 100 000 Franken in Aussicht. Dass Käufer selbst im oberen Preissegment derartige Vermittlungsprovisionen per Inserat ausschreiben, irritiert Experten: «So etwas habe ich noch nie gehört», sagt Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbandes. Er glaubt, dass die Familie, die offenbar über genügend Mittel verfügt, auch auf andere Weise zu einem Objekt kommen könnte: «Das Vorgehen beweist aber, dass der Markt völlig verrückt spielt.»

Auch für Gerhard Walde vom Maklerbüro Walde und Partner gehört dies nicht zum normalen Prozedere: «Wird einem Makler ein Suchauftrag erteilt, beträgt das Erfolgshonorar je nach Objekt und Preis zwischen 1 und 2 Prozent des Kaufpreises – die 100 000 Franken sehen nach einem Verzweiflungsakt aus.»

Für SP-Nationalrätin Jacqueline Badran ist der Schritt der Familie ein alarmierendes Zeichen: «Der Immobilienmarkt ist total pervertiert, wenn selbst Reiche zu solchen Massnahmen greifen.» Eine Lösung des Problems sieht Badran in der Ausweitung der Genossenschaften und Stiftungen. «Sonst können bald nur noch Millionäre in der Stadt wohnen und der Mittelstand muss aus der Agglo pendeln.»

Die Familie war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cello am 31.01.2012 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Studierter der Wirtschaft

    Die spinnen, die Zürcher... Ha ha ha, eine Anwältin und ein Geschäftsführer.... Ich bin auch studierter der Wirtschaft: fast jeden Tag studiere ich, ob ich nun im "Rössli" oder im "weissen Kreuz" essen gehen soll ;-)))

  • Arni Betsch am 31.01.2012 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Grosszügig

    Nun.. 100000 CHF finde ich eher grosszügig als pervers. Es heisst ja, man soll zahlen was es einem wert ist.

  • Tom Dubach am 31.01.2012 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wasser auf die Mühlen!

    Das sieht stark nach Fake aus. Ein Interesse an diesem Rummel können all die haben, welche mehr Staat im Wohnungsbau verlangen. Gratis Land an Genossenschaften und Subventionen für Wohnungen von Geringverdiener und Parteigenossen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Züriberg am 31.01.2012 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Rechnung geht auf!

    Hab zuerst auch gestaunt. Auf den zweiten Blick ist das Angebot aber gar nicht so verrückt: Angenommen die Familie will ein Luxus Appartment an bester Zürichberg Aussichtslage (Kreis 7), da werden gut und gerne 1mil pro Zimmer fällig. Ergo ca. 5m für die 5.5 Z whg. Makler für solche Topobjekte verrechnen wohl eher 2% als 1% für solche Objekte. 2% von 5m = 100k. Ergo: Rechnung geht auf!

  • Richard am 31.01.2012 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Bestechungsgeld von Spekulanten

    Zudem werden damit viel Schwarzgeld in Immobilien verschanzt - wo weiter Geld in Form von Mieten fliessen - die Schweiz sollte solche Spielchen nicht mehr aktzeptieren, und strengere Gesetze machen

  • Tom Dubach am 31.01.2012 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wasser auf die Mühlen!

    Das sieht stark nach Fake aus. Ein Interesse an diesem Rummel können all die haben, welche mehr Staat im Wohnungsbau verlangen. Gratis Land an Genossenschaften und Subventionen für Wohnungen von Geringverdiener und Parteigenossen.

  • Mathias am 31.01.2012 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Schlitzohriger Makler

    Da kann nur ein schlitzohriger Makler dahinterstecken. Denn der Markt für hochpreisigen Wohnraum ist bekanntlich ziemlich ins Stocken geraten. Dummerweise haben die Immo-Vermittler in den vergangenen Jahren genau auf dieses Pferd gesetzt. Was also tun? Nun, durch solche Aktionen wird ein höchst lebendiges Marktumfeld vorgegaukelt; die Zielklientel, die infolge der Wirtschaftslage auf sinkende Immo-Preise spekuliert, wird verunsichert und zu Spontanhandlungen animiert - und der Makler kann mit Verweis auf den "verrückten Markt" erst noch hirnrissige Provisionen verlangen.

  • Kurt Brühwiler am 31.01.2012 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wohnrauhm Verschleiss

    ab 5 Zimmer, mit einem Kind! Das ist das Problem, dass alle mehr Raum "verbrauchen" als notwendig. Bei einer Rezession werden die Leute noch auf die Welt kommen.