Julius-Bär-Chefökonom

29. November 2012 13:18; Akt: 29.11.2012 20:13 Print

«Die Politik ist in der Geiselhaft der Banken»

Angesichts der Schuldenkrise in Europa fordert Julius-Bär-Chefökonom Janwillem Acket die Schliessung von «Zombiebanken». Zombiebanken seien zu grosse scheintote Banken.

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Janwillem Acket: «Wir müssen in Europa die Ehrlichkeit aufbringen, ‹Zombiebanken› zu schliessen.» (Bild: Keystone)

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«Es gibt eine ganze Reihe von Banken, die haben keine Daseinsberechtigung», sagte Julius-Bär-Chefökonom Janwillem Acket am Donnerstag vor den Medien in Zürich. Als Beispiel nannte er die Landesbanken in Deutschland: «Die sind eigentlich nicht nötig. Es gibt andere Banken, die diese Aufgaben besser erfüllen.»

«Man muss sich wirklich fragen, ob diese Banken den Volkswirtschaften etwas bringen würden oder nur ein Ärgernis sind», sagte Acket mit Blick auf die zahlreichen Skandale bei den deutschen Landesbanken. Das jüngste Beispiel ist die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), bei der Anklage gegen sieben ehemalige und amtierende Chefs wegen Bilanzfälschung erhoben wurde.

Aus dem Verkehr ziehen

Um solche Krisenbanken aus dem Verkehr ziehen zu können, brauche es eine Bankenunion in Europa und eine einheitliche Aufsicht, sagte Acket. Erst mit einer standardisierten Bewertung der Bonität solcher Banken könne man die Geldinstitute auch abwickeln. Dazu sei noch eine Einlagensicherung nötig, um einen Sturm der Kunden auf die Banken zu vermeiden.

Seit der Pleite der Grossbank Lehman im Jahre 2008 seien in den USA mehrere hundert kleinere und mittlere Banken verschwunden. Trotzdem habe es keinen Ansturm auf die Banken gegeben, weil die Amerikaner eine Einlagensicherung hätten. «Wir brauchen so etwas in Europa», sagte Acket.

In Europa würden dagegen die Politiker bisher die Banken ihrer Länder schützen, weil sie sonst die Wähler verlieren würden. «Die Politik ist in der Geiselhaft der Banken in vielen Ländern», sagte Acket: «Wir müssen in Europa die Ehrlichkeit aufbringen, Zombiebanken zu schliessen.»

(sda)