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Lösung im Steuerstreit?
15. Februar 2012 12:11; Akt: 15.02.2012 14:10 Print
«Die Schweiz braucht eine Good Bank»
von Sabina Sturzenegger - Auf Schweizer Banken liegen Milliarden unversteuerter Vermögen. Dieses «Schmuddel-Private-Banking» hat für Ökonom Klaus Wellershoff überlebt. Er will den grossen Befreiungsschlag.

Klaus Wellershoff: Der Berater, Honorarprofessor und ehemalige UBS-Chefökonom fordert eine eigene Bank für alle steuerproblematischen Vermögen in der Schweiz. (Bild: Keystone)
Herr Wellershoff, Sie propagieren für die Schweiz das Konzept einer «Good Bank». Was soll das für eine Bank sein?
Klaus Wellershoff: In der ganzen Steuerproblematik ist jetzt die Initiative der privatwirtschaftlichen Akteure gefragt. Die Banken, die sich mit der US-Justiz konfrontiert sehen, sollten reagieren und die Initiative ergreifen, um wieder glaubwürdig zu werden.
Wie funktioniert die «Good Bank»?
Sie soll alle Gelder von steuerproblematischen Kunden der Schweizer Geschäftsbanken übernehmen können. Das sind nicht nur die US-Kunden. Wir werden ähnliche Probleme bald auch mit europäischen Ländern haben. Im Grunde genommen ist die «Good Bank» eine gigantische Geldwaschmaschine – im guten Sinne.
Müsste diese Bank nicht eher den Namen «Trash Bank» tragen?
Nein, es ist eine «gute» Bank, auch wenn sie die Aufgabe hat, unversteuerte Gelder zu übernehmen. Aus dem einfachen Grund: Sie tut Gutes für den Finanzplatz Schweiz und letztlich auch für die Kunden.
Da scheint die Hoffnung Pate zu stehen! Was wären die Vorteile eines solchen Konstrukts?
Immer mehr Menschen akzeptieren das Geschäftsmodell der Banken moralisch nicht mehr. Daher hat es auch nicht mehr grosse Erfolgschancen. Viele Banken sind in der Sackgasse.
Handelt es sich bei der «Good Bank» um eine echte physische Institution oder bloss um ein theoretisches Konstrukt?
Die «Good Bank» muss eine rechtlich getrennte, eigenständige Einheit sein mit unabhängigen Eigentümern, ein eigenes Bankhaus mit Mitarbeitern. Es muss sich um eine Neugründung handeln.
Wer soll sie ins Leben rufen?
Ich könnte mir vorstellen, dass die Banken oder die Bankiervereinigung die Initiative zur Gründung übernehmen. Eine solche Bank muss natürlich auch mit der Unterstützung des Bundesrats und der Finma rechnen können.
Wie soll der Transfer der Gelder vor sich gehen?
Die «Good Bank» könnte den Geschäftsbanken gegen einen symbolischen Franken die steuerproblematischen Kundengelder abkaufen. Ihr oberstes Gebot muss sein, die Kundenvermögen steuerlich entweder zu deklarieren oder, wenn der Nachweis darüber nicht erbracht wird, zu liquidieren.
Wie sollen denn die Banken wissen, welche Kunden problematisch sind? Oder wissen sie das bereits?
Die Banken sind schon heute dazu verpflichtet, ihre Kunden und den wirtschaftlichen Hintergrund ihrer Vermögen zu kennen. Wer sich damit rausredet, er wisse nicht, ob das Geld versteuert ist, hat seine Hausaufgaben schlichtweg nicht gemacht oder erzählt nicht die Wahrheit.
Was passiert mit unwilligen Kunden?
Ihre Konten werden liquidiert und ausgezahlt. Sie dürfen bei keiner anderen Schweizer Bank ihre Gelder anlegen.
Glauben Sie, dass das durchsetzbar ist? Faktisch müssten die Schweizer Banken ja eine schwarze Liste führen.
Ja, und um das abzusichern, braucht es die Unterstützung der Politik, die notfalls die gesetzliche Grundlage dafür schaffen kann.
Wer käme für die Führung einer solchen Bank in Frage?
Im Verwaltungsrat müssten sicher Persönlichkeiten aus dem politischen Leben vertreten sein, aber auch Banker, die für einen glaubwürdigen Finanzplatz einstehen.
Ein Engagement in einer solchen Bank birgt doch ein immenses Image-Risiko. Wir sehen schon die Headlines: «Swiss MPs to found illegal money bank»...
Ich glaube, eher das Gegenteil wäre der Fall. Wer nicht mitmacht, riskiert, dass seine Untätigkeit hinterfragt wird.
Braucht es mehrere «Good Banks» oder reicht eine einzige?
Ich denke, dass es gut wäre, die Kräfte vorerst zu bündeln. Eine solche Neugründung ist ja auch mit Kosten verbunden, und der Dialog mit dem Parlament, dem Bundesrat und der Finma ist einfacher, wenn da nur wenige Akteure sind.
In der «SonntagsZeitung» schreiben Sie, die Zukunft der Vermögensverwaltung könne nur in einer konsequenten Wertorientierung des unternehmerischen Handelns liegen. Heisst das, dass die Bank auf Profit verzichten muss?
Nein, überhaupt nicht. Eine «Good Bank» kann durchaus profitabel sein.
Wie denn?
Die Unterstützung der Selbstdeklaration der Kunden und auch die anschliessende moderne Vermögensverwaltung sind Dienstleistungen, die durchaus einen Preis haben dürfen. Immerhin schafft die «Good Bank» erheblichen volkswirtschaftlichen Mehrwert und auch für die Kunden ist der augenblickliche Zustand langfristig unhaltbar.
Ist es attraktiv, für eine solche Bank zu arbeiten?
Selbstverständlich. Auch «Good Bank»-Mitarbeiter können gut verdienen, langfristig vielleicht sogar deutlich besser als die Mitarbeiter der heutigen Vermögensverwalter.
Was wären die Hauptaufgaben dieser Mitarbeiter?
Letztlich geht es um die Schaffung von Steuertransparenz und gleichzeitig um legal steuereffizientes Anlegen. Ich kenne niemanden in meiner Generation, dem das nicht mehr Spass machen würde als das althergebrachte Schmuddel-Private-Banking.
Das klingt nach dem grossen Befreiungsschlag. Was bedeutet das für das Image dieser «Good Banker»?
Sie würden bei der «bahnbrechenden» Vermögensverwaltungsbank arbeiten. Das wäre sicher ein grosser Anreiz.
Würden Sie gern in einer «Good Bank» arbeiten?
Ich bin gern Berater. Aber ich würde mich freuen, wenn aufgrund der Initiative der Schweizer Banken und der Politik eine solche «Good Bank» zustande käme.
Widerspricht die Idee der «Good Bank» nicht grundsätzlich dem Bankkundengeheimnis?
Überhaupt nicht. Der Vorschlag beinhaltet nur die konsequente Umsetzung einer steuerehrlichen Vermögensverwaltung.
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Alle 37 Kommentare
































Denn haben wir auch noch gebraucht.
Ein Deutscher wird den Mindset für das Bankgeheimniss nie verstehen. Deswegen finde ich seine Vorschläge nur geplapper. Um das Schweizer Bankgeheimnis zu verstehen muss man das (richtige) Verhältniss der Schweiz zu ihren Bürgern und umgekehrt verstehen/fühlen. Leider ist dies ein Verhältnis das die Linke im Staat nicht kennt - nur den Bürger kontrollieren und ausbluten kann - und es deswegen nicht mehr vorgelebt werden und bewahrt werden kann. Die Schweizer Bürger sind das Bankgeheimniss immer noch wert - die Politik lässt sie aber nicht mehr.
Steuergerechtigkeit ist nicht schwer
In der Schweiz werden auch Steuern bezahlt obwohl das Bankgeheimnis immer noch greift. Dank der Verrechnungssteuer kann es dem Staat fast egal sein ob etwas deklariert wird. Wenn wir eine flächendeckende Steuergerechtigkeit auch für im Ausland wohnende Bankkunden haben wollen, müssen wir einfach die Abgeltungssteuer für alle Staaten einführen. Geld im ersten Jahr überweisen, im zweiten erst nachdem die anonymität der Kunden zugesichert ist. Damit ist die Steuergerechtigkeit erlangt und das Bankkundengeheimnis gewahrt. Warum kompliziert wenn es auch einfach geht?
Steuerschlupflöcher
Und was ist mit den Steuerschlupflöchern, deretwegen die Reichen 21 Milliarden Franken jährlich einsparen?? Dank Bankkundengeheimnis ist es möglich, Milliarden am Fiskus in der Schweiz vorbeizuschleusen.
Postbank
Wie wäre es mit der Postbank?
Unglaublich
Und das kam ihm nicht in den Sinn, als er von 1995 - 2009 für SBV/UBS tätig war? Als Schweizer hätte er sowas wohl kaum gesagt.