300 reichste Schweizer

30. November 2012 19:44; Akt: 30.11.2012 19:45 Print

«Die meisten Reichen wollen nicht auf die Liste»

von Antonio Fumagalli - Es gibt die, die unbedingt reinwollen. Und die, die sogar Geld bieten, um nicht erwähnt zu werden. Die Bilanz-Liste der 300 reichsten Schweizer lässt keinen Vermögenden kalt.

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Ingvar Kamprad hat um 3 Milliarden zugelegt. Sein Vermögen beträgt nun geschätzte 38 bis 39 Mrd. Franken. Der Sohn eines nach Brasilien ausgewanderten Käsehändlers aus dem Emmental verdient sein Geld mit Beteiligungen; allen voran beim Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev. Sein Vermögen ist im letzten Jahr um unglaubliche 9 Milliarden auf 17 bis 18 Milliarden angewachsen. Damit ist Lemann der grösste Aufsteiger. Die Nachkommen der Roche-Gründer haben ein geschätztes Vermögen von 16 bis 17 Milliarden Franken. Das sind 3 Milliarden mehr als im Vorjahr. Im Bild: Gigi Oeri. Der russische Investor und Unternehmer hat wieder mehr Geld. Sein Vermögen ist um 4 Milliarden auf 14 bis 15 Milliarden angewachsen. Die niederländische Grossfamilie besitzt unter anderem die Modehauskette C&A und wie im Vorjahr ein Vermögen von 12 bis 13 Milliarden Franken. Wie im Vorjahr beträgt das Vermögen des italienisch-schweizerischen Unternehmers 10 bis 11 Milliarden Franken. Auch der Medizinaltechnikunternehmer bleibt bei 9-10 Milliarden. Das Staatsoberhaupt Liechtensteins investiert in Banken, Immobilien und Kunst. Sein Imperium ist 7 bis 8 Milliarden Franken wert; also 1 Milliarde mehr als im Vorjahr. Damit hat er sich in die Top Ten katapultiert. Das Vermögen des Mitbegründer des Rohstoffhändlers Gunvor hat im letzten Jahr um 3 Milliarden zugenommen. Das Vermögen des gebürtigen Russen mit Schweizer Pass wird auf 7-8 Milliarden Franken geschätzt. Die Alleinerbin des niederländischen Unternehmers und Bierbrauers Alfred Heineken besitzt 2012 ein geschätztes Vermögen von 6-7 Milliarden. Der fühere Glencore-Chef besass wesentlich weniger Glencore-Aktien als angenommen. Deshalb wird sein Vermögen 2012 auf 1.5 bis 2 Milliarden geschätzt. Auch das Vermögen des gegenwärtigen Glencorechefs hat abgenommen. Er verspielte laut «Bilanz» über eine Milliarde an der Börse und besitzt nun noch 5 bis 6 Milliarden. Die Erben des griechischen Reeders, Unternehmers und Investors haben auch dieses Jahr wieder Geld verloren: Sie besitzen jetzt eine Milliarde weniger als 2011; nämlich 2 bis 3 Milliarden Franken. Der Formel-1-Boss verliert ebenfalls 1 Milliarde. Schuld daran ist der Schmiergeldprozess gegen seinen Ex-Geschäftspartner und die Schadenersatzforderung von über 400 Millionen. Deshalb besitzt er 2012 nur noch 2 bis 3 Milliarden. Trotz FC Sion-Chaos ist er bei den 300 reichsten Schweizer mit dabei. Sein Vermögen von geschätzten 200 bis 300 Millionen hat er hauptsächlich durch Immobielenprojekte erwirtschaftet. Das Vermögen der Famile des SVP-Strategen Christoph Blocher hat um 1 Milliarden zugelegt. Neu besitzen die Blochers zwischen 3 und 4 Milliarden Franken. Dahinter steckt hauptsächlich die EMS-Chemie. Der Sohn des Jet Aviation Gründers besitzt mit seiner Familie ein Vermögen von 1 bis 1,5 Milliarden Franken.

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Sie gehört schon beinahe zur Vorweihnachtszeit wie die Strassenbeleuchtung und die Heilsarmee: Die Bilanz-Ausgabe mit den 300 reichsten Schweizern. «Sie hat sich mittlerweile etabliert – und ist enorm erfolgreich. Wir verkaufen am Kiosk vier bis fünfmal so viele Exemplare wie normalerweise», sagt Chefredaktor Dirk Schütz.

Doch längst nicht alle, die im Heft erscheinen, freuen sich darüber – im Gegenteil. «Die meisten wollen nicht in der Liste figurieren», sagt der verantwortliche Redaktor Stefan Lüscher. Die Aufregung lege sich normalerweise nach einem Jahr, dann hätten sie gemerkt, dass «gar nichts passiert» sei.

Gescheiterte Erpressung

Es komme auch regelmässig vor, dass Superreiche auf juristischem Weg versuchen, von der Liste fernzubleiben. Bislang blitzten sie aber allesamt ab. Auf besonders dreiste Weise versuchte es vor rund 15 Jahren eine Gruppe von ausländischen Vermögenden: Sie boten der Bilanz auf Jahre hinaus die gleiche Summe, die sie mit dem Sonderheft einnehme – wenn sie künftig auf dessen Veröffentlichung verzichte. Es blieb beim Versuch.

In einzelnen Fällen verzichtet allerdings die Redaktion auf einen Eintrag. «Wenn jemand plausibel darlegen kann, dass die Nennung massive private Probleme verursachen würde, verzichten wir darauf», so Lüscher. Dies komme aber höchst selten vor – zuletzt letztes Jahr bei einem Mann, dessen Frau wegen ihren zwei kleinen Kindern nicht mehr schlafen konnte und Angstzustände hatte.

Wie wahrheitsgetreu ist die Liste dann überhaupt noch? «Die absolute Gewissheit gibt es nicht. Die jeweiligen Vermögen sind ganz unterschiedlich angelegt, da sind wir oft auf Schätzungen von Experten angewiesen. Alles in allem kommen wir den tatsächlichen Verhältnissen aber recht nah», sagt Lüscher.

WOZ klopft an Villentore

Umgekehrt gibt es Geltungssüchtige, die sich nichts sehnlicher wünschen als einen Platz inmitten der 300 Reichsten. «Wenn sich Leute von sich aus melden, leuchten alle Alarmlichter», so Lüscher. Die Vermögensverhältnisse dieser Personen würden dann «mindestens doppelt so gut» geprüft und nur selten schafften sie es tatsächlich in die Liste. Prominenter «Gescheiterter»: Der mit allerlei Betrugsvorwürfen konfrontierte Financier Dieter Behring.

Die Wochenzeitung (WOZ) ihrerseits hat mit einer Spezialausgabe auf die aktuelle Bilanz reagiert: Sie hat an den Villenpforten der 300 Reichsten geklopft und eine Million Franken zur Unterstützung ihrer «Together-Initiative» gefordert. «Höchst erfolglos», wie die WOZ mitteilt. Die Bilanz-Macher nehmen den Seitenhieb mit einem Schmunzeln zur Kenntnis: «Die Idee ist ja ganz lustig, doch hat die WOZ einfach unsere Zahlen vom letzten Jahr abgeschrieben. Unseren Ansprüchen würde dies nicht genügen», so Chefredaktor Schütz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Witwe Q10 am 03.12.2012 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Verwitet und arm

    Wenn man diese "Reichen" nur irgendwie kontaktieren könnte, gerade in meiner Situation wäre dies Notwendig. Mein Mann starb vor 6 Monaten und ich habe 2 kleine Kinder die ich irgendwie durchbringen muss. Leider ist unser Sozialstaat in unserer Situation nicht so sozial.

  • Man Fred am 03.12.2012 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Mittelstand verarmt weiter

    Schön, während die Reichen immer reicher werden, verarmt der Mittelstand immer mehr. Anstatt den Mittelstand endlich zu entlasten, brummt uns Doris Leuthard und ihr Kollegium immer mehr und höhere Gebühren auf, während den Reichen neue Wohräume und Steuergeschenke gemacht werden...

  • Benjamin Lovell, Abländsche am 03.12.2012 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll dass ... ?

    Ich finde es unmoralisch mehr als 1 Milliarde besitzen zu dürfen. Viele tausende Arbeitende Menschen, kommen nur knapp ihren Monatlichen zahlungen nach, und dann dürfen wir noch erfahren, wer wie viel Geld besitzt. Das sind Zahlen, da wird mir schlecht, vorallem wenn man bedenkt, dass das Geld nur Geschrieben auf Papier oder im Computer existiert, Bar existiert diese Summe nicht. Kein Wunder machen sich solche reichen Menschen auch Sorgen, denn die Not bringt Menschen dazu, diesen Leuten plötzlich was anzutun, um ein Stück von diesem nicht existierenden Geld zu erhaschen. Das System ist krank.

    • S.Chkheidze am 03.12.2012 22:12 Report Diesen Beitrag melden

      Meine Güte..

      Der Grossteil dieser vermögen existiert eben nicht "im Computer", sondern liegt im geschätzten Wert der jeweiligen Unternehmen. Dieses Schätzungen sind erst dann konkret, wenn auch ein Käufer gefunden wird, der bereit ist, soviel hinzublättern. Warum will das eigentlich niemand verstehen? Zuviel Dagobert Duck gelesen, der tagein, tagaus im angehorteten Geld schwimmt? Jene Unternehmen geben tausenden von Menschen Arbeit und Einkommen.

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  • Roger am 03.12.2012 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Genau diese Ausgabe zeigt jeweils...

    ...wie pervers und lächerlich doch das ganze Wirschaftssystem ist. Gemacht um die Reichen noch reicher und die Armen noch armer zu machen. Denn was viele nicht kapieren; wenn jemand etwas verdient, verliert das am andern Ende jemand... Ich kann so eine Liste einfach nicht verstehen. Was soll es bringen zig Milliarden zu besitzen? Glücksgefühl, Machtgefühl, Sicherheit, Selbstwert, oder was...? Ein Dach überm Kopf, etwas zu essen und etwas Liebe ist doch alles was wir brauchen. Ich wär sehr dafür, dass Geld ein Verfalldatum hätte und einfach verfaulen würde! Die Welt sähe freundlicher aus!

  • joel am 03.12.2012 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Vermögen = Unternehmensanteile

    Wenn du einen Grossteil deines Vermögens in eine Unternehmung steckst, diese Unternehmung mit viel Einsatz zu einem Marktführer entwickelst, der tausende Angestellte hat und entsprechend viel Wert ist, dann ist das verdientes Vermögen, das ich jedem gönne. Und die meisten Superreichen haben ihr Vermögen so aufgebaut. Zu fordern dass ein grosser Teil dieses Vermögens gespendet werden soll ist abstrus und zeugt von Unkenntnis: Die Vermögen sind nicht Bargeld, sondern der Wert der Unternehmen, die sie besitzen. Um zu spenden, müsste die Firma verkauft werden.