Novartis-CEO Jimenez

19. November 2016 16:20; Akt: 19.11.2016 16:20 Print

«Ein Viertel der Kosten für die Gesundheit ist unnütz»

von Isabel Strassheim - Novartis-Chef Joe Jimenez prangert die Verschwendung bei den Gesundheitsausgaben an und propagiert ein neues Bezahlsystem.

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Nicht nur für Prämienzahler sind die steigenden Krankenkassenkosten ein Thema. Auch für den Chef des Basler Pharmakonzerns Novartis. «Studien gehen davon aus, dass etwa 25 Prozent der Gesundheitskosten in den USA unnütz sind», sagt Jimenez. Er bezog sich dabei auf eine US-Studie, die vergangenes Jahr die Krankheitsausgaben analysierte. Demnach wird ein Viertel der Kosten verschwendet, weil sie nichts für die Therapie bringen. Auch für die Schweiz gehen Experten davon aus, dass die heutigen Leistungen ohne Qualitätseinbussen rund 20 Prozent günstiger erbracht werden könnten, so eine Studie des Bundesamtes für Gesundheit.

Umfrage
Sollten Medikamente gemäss ihrer Wirkung bezahlt werden?
38 %
21 %
37 %
4 %
Insgesamt 1735 Teilnehmer

Jimenez zielt mit seiner Aussage nicht auf die Pharmabranche, sondern auf die anderen Kostenverursacher – vor allem auf stationäre Spitalkosten. In der Schweiz machen sie inklusive Spitex/Pflege mit 45 Prozent den Löwenanteil der Krankheitsausgaben aus.

Überalterung bedeutet mehr Kranke

Der allgemeine Druck auf unsere Gesundheitssysteme wird steigen. Das zeigen allein schon die Prognosen zur Entwicklung der Bevölkerung weltweit, die Jimenez zitiert: Bis 2030 wird nicht nur die Weltbevölkerung auf rund 8 Milliarden Menschen ansteigen, sondern jeder Dritte wird auch über 50 Jahre alt sein. Allein schon wegen der Überalterung werden die Krankheitskosten rapide steigen.

Das Rezept von Novartis dagegen: den Nutzen seiner Medikamente aufzeigen. Das neue Herzmittel Entresto etwa soll die Hospitalisierung der Patienten vermeiden und deswegen einen Kostenvorteil haben. Und: Medikamente sollen vermehrt ihrer Wirkung entsprechend bezahlt werden. Nützt eine Arznei nichts, gibt es Rabatte. Wirkt sie, gibt es mehr Geld für Novartis.

Der gläserne Patient

Dafür braucht es allerdings eine Überprüfung der Wirksamkeit. Das heisst in erster Linie Daten über den Krankheitsverlauf der Patienten. «Wir arbeiten daran, die Voraussetzungen für eine Medikamentenpreiserstattung je nach Wirkung zu verbessern: Wir schaffen etwa eine Datenbasis für die Beurteilung des Therapieerfolges», sagt Jimenez. Das könne allerdings noch einige Jahre dauern.

Novartis und auch Roche arbeiten beide am neuen Bezahlsystem nach Wirksamkeit. Dieses kommt ihnen entgegen. Ihre neuen (Krebs-)Medikamente sind personalisiert, sodass Fehlbehandlungen seltener werden sollen. Und: Die Preise für die Mittel sind hoch. Trotz der hohen Forschungsausgaben erzielt Novartis eine Betriebsgewinn-Marge von rund 20 Prozent. Roche kommt gar auf etwa 30 Prozent.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Don Crocket am 19.11.2016 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Nase fassen

    Ja Herr Jimenez. Die zu hohen Medi-Preise von Navartis und anderen Chemie-Riesen sind auch sehr unnütz.

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  • Ivo Steinmann am 19.11.2016 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialistisches System

    Das Problem am Gesundheitssystem ist, dass es durch und durch ein sozialistisches System ist. Es gibt absolut gar keine Marktwirtschaft. Nur an den äussersten Enden des Systems können ein paar wenige endlos Geld herausziehen. Das sind Spezialisten bei den Ärzten, Arzneimittelhersteller und indirekt Patienten, die das System missbrauchen. Wahrscheinlich sind es ein paar wenige, die den Grossteil der Kosten verursachen. Mit Solidarität hat das nichts mehr zu tun.

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  • SB am 19.11.2016 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habe so meine Zweifel

    Also unterm strich wird es teurer. Was nützen Rabatte wenn die Medikamente nichts nützen¿ Wer kauft Medis die nichts nützen? also ich nicht...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • rocmade am 20.11.2016 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preise hochtreiben an der Tagesordnung!

    Meine Freundin und ich arbeiten im USZ. Eines Tages hat sich meine Freundin ein Körnchen im Auge eingefangen was die Netzhaut gereizt hat. Kurzer Anruf in der Augenklinik, ob sie nicht schnell kommen könne, dass man ihr eine Augencreme geben könnte. Antwort der Sekretärin: Schnell geht hier gar nichts! Ende des Liedes: Augen druckmessung, Sehtest und Rechnung von über 500 SFR. Dafürbdas sie die Augencreme bekommen hat, die sie von Anfang an haben wollte. Wie bescheuert ist das??? Kein Wunder sind die Krankenkassen so teuer!

  • Cavi33 am 20.11.2016 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird immer schlimmer

    Da hat er recht schliesslich ist er der Hauptschuldige an diesem weltweiten Dilemma. Die Preise der Medi sind viel zu hoch, wenn er etwas weniger in die Kasse langen würde zu seiner Bereicherung würde die Novartis immer noch genug verdienen.

  • sepp kägi am 20.11.2016 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Neues Polit-Wirtschafts-Abzock-Modell

    Dieses Konzept wird bei Vater Staat auf offene Ohren stossen. Um die Wirksamkeit der Medikamente zu überprüfen, kann man gleich wieder eine Horde Beamter einstellen. Stichworte: Lohnsumme Bund seit 1996 +40% (Personal +8%), Staats"diener" gesamte öffentliche Verwaltung CH innerhalb von 20 Jahren von 140k auf 183k. Eine richtige Boom-Branche. Alles bezahlt vom braven/blöden Steuerzahler, der im Gegenzug dafür immer weniger Leistung erhält. PS: habe selber beim Staat gearbeitet, richtig, RICHTIG FETT verdient und bin trotzdem wieder in die Privatwirtschaft zurück. Grund: Angst vor Bore-Out.

  • Thomas am 20.11.2016 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er hat recht!

    Was zahlen wir doch alles an die Homöopathie ohne Beweis der Wirksamkeit!

  • Xaver Gobet am 20.11.2016 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wers glaubt

    Es gibt immer jammeris. Die Preise von Mdikamebten sing viel zu hoch