Leben neben der Antenne

07. Februar 2018 05:42; Akt: 07.02.2018 05:42 Print

«Ich bin dauerbestrahlt und merke nichts»

von R. Knecht - Elektrosensible wollen antennenfreie Zonen einführen. Die Reaktionen auf Strahlung variieren stark. Leser erzählen von ihren Erlebnissen.

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Wie wirkt sich die Strahlung von Mobilfunkantennen auf Menschen aus? Zwei Leser, die direkt neben solchen Antennen wohnen, berichten von ihren sehr unterschiedlichen Erfahrungen mit der Strahlung. Nathaniel H. (22) lebt ganz in der Nähe einer Antenne. Er sei dauerbestrahlt, ohne einen Effekt zu bemerken, so H. Damit meint er nicht nur den Funkmasten: Er habe auch dauernd massenweise Geräte auf Standby oder ganz eingeschaltet, darunter etwa den Wireless-Router und einen Gaming-PC. Zudem habe er als Automatikmonteur oft mit Hochspannung zu tun, die ebenfalls stark strahle. Auch Verena D. (60) wohnt in der Nähe einer Antenne. Sie sagt, sie wisse schon seit jeher, dass sie sensibel auf elektromagnetische Strahlung sei. Seit drei Jahren wohnt sie in der Nähe von zwei Antennen. «Ich überlege mir, in den Keller zu ziehen», sagt D. Die Strahlung verursache Kopfschmerzen und andere Beschwerden. Kurz vor der Lancierung von 5G-Antennen will eine Interessengemeinschaft (IG) aus Hadlikon in Sachen elektromagnetischer Strahlung die Notbremse ziehen. Die IG um Initiantin Kathrin Luginbühl fordert, dass es in ausgewählten Schweizer Wohngebieten keine Mobilfunk-Antennen mehr geben soll. Die Gruppe schlägt das Dorf Hadlikon im Zürcher Oberland als konkrete antennenfreie Zone vor. Die von Funkmasten ausgehende elektromagnetische Strahlung verursacht laut Luginbühl gesundheitliche Schäden. Sie selbst sei seit Jahrzehnten besonders sensibel auf diese Strahlung und leide darum unter anderem an Schlafstörungen und Kopfschmerzen, wenn sie ihr ausgesetzt sei. Laut der Petition sind 5 bis 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung sensibel. Doch die Belastung habe auch Auswirkungen auf Menschen, die nicht zu dieser Gruppe zählen. Gregor Dürrenberger von der Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation an der ETH teilt die Bedenken Luginbühls nicht. Es gebe keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass diese Antennen mit ihrer Strahlung gesundheitliche Schäden verursachen könnten. Experten seien der Meinung, dass, wenn überhaupt, eher mit der Strahlung des Handys ein Risiko verbunden sein könnte, da dessen Antenne nahe am Körper liegt. Auch einen klaren Zusammenhang zwischen Elektrosensibilität und Strahlung sieht Dürrenberger nicht. Die Symptome seien real, das sei unbestritten. Jedoch sei es sehr unwahrscheinlich, dass die Strahlung die physikalische Ursache ist. Initiantin Luginbühl ist sich bewusst, dass es schwierig ist, die durch Strahlung verursachte Beeinträchtigung nachzuweisen. Sie hält es aber für falsch, dass die Betroffenen die Beweislast tragen müssen. Ihrer Meinung nach müssten stattdessen die Verursacher der Strahlung beweisen können, dass sie keine Wirkung auf die Gesundheit hat. Darum fordert die IG, dass sowohl die heute eingesetzten als auch die geplanten Mobilfunktechnologien einer solchen Prüfung unterzogen werden. Zudem soll der Bund in Zukunft besser verträgliche Technologien erzwingen. Experte Dürrenberger sagt jedoch: «Wenn man drahtlos kommunizieren will, gibt es keine Alternative zur Funktechnologie.»

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Eine Gruppe aus Hadlikon wird am Freitag dem Bundesrat eine Petition unterbreiten, die strahlungsarme Zonen fordert. Demnach soll es in Zukunft klar definierte Wohngebiete geben, in denen keine Mobilfunkantennen aufgestellt werden dürfen. Die Massnahme gelte dem Schutz vor der Strahlung, die von diesen Masten ausgeht.

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Wie wirkt sich die Strahlung von Mobilfunkantennen auf Menschen aus? Für die einen ist es der Horror, die anderen merken rein gar nichts davon. Zwei Leser, die direkt neben solchen Antennen wohnen, berichten von ihren sehr unterschiedlichen Erfahrungen mit der Strahlung.

• Nathaniel H. (22), Automatikmonteur: Dauerbestrahlt und glücklich

Ich wohne seit zehn Jahren direkt neben einer Antenne. Nicht nur das, ich habe Dutzende Geräte immer auf Standby oder ganz eingeschaltet: etwa den Wireless-Router, zwei PCs, einen Fernseher und mehrere Bildschirme sowie vier Konsolen. Auch beruflich habe ich mit Hochspannung und Computern zu tun. Ich bin also eigentlich in hohem Mass dauerbestrahlt. Ich merke aber keinen Effekt.

Nachts schalte ich den PC in meinem Schlafzimmer aus – aber nicht wegen der Strahlung, sondern weil die Lämpchen am Gerät nerven würden. Der Wireless-Router bleibt immer an, ich sehe keinen Grund, ihn auszuschalten.

Vielleicht könnte die Strahlung über eine extrem lange Zeit mal Konsequenzen haben, aber auch das scheint mir unwahrscheinlich. Schon meine Mutter hatte immer irgendwelche Geräte an, ich war also immer durchgehend bestrahlt und spüre keine negative Wirkung. Ich denke, das Problem ist psychischer Natur und nicht physiologisch.

In der Nachbarschaft kenne ich niemanden, der wegen der Antenne Probleme hat. Allerdings habe ich vor allem Kontakt mit Gleichaltrigen und weiss darum nicht, ob es vielleicht ältere Anwohner gibt, die strahlungsbedingte Beschwerden haben.


• Verena D. (60), Gärtnerin: Auf der Flucht vor der Strahlung

Seit drei Jahren wohne ich auf Augenhöhe mit zwei Handy-Antennen. Seither leide ich jeden Morgen beim Erwachen an Kopfweh. Es fühlt sich an, als hätte ich einen Helm an, so stark ist der Druck auf meinen Kopf.

Mein alltägliches Wohlbefinden hat sich enorm verschlechtert. Ich spüre die Strahlung auf der Haut und im Körper. Manchmal ist es ein richtiges Kribbeln.

Zum Arzt bin ich nie gegangen. Ich weiss einfach seit jeher, dass ich sensibel bin. Wenn ich in unserem Ferienhaus in einem weniger verstrahlten Gebiet bin, habe ich keine Beschwerden.

Ist das Wetter trocken, fühlt sich die Luft wie geladen an. Am liebsten habe ich Regenwetter oder Schnee, dann ist es etwas weniger schlimm.

Derzeit übernachte ich bei Familienmitgliedern, die in einer weniger verstrahlten Wohnung leben. Ich überlege mir, in den Keller zu ziehen. Ich bin sozusagen auf der Flucht vor der Strahlung. Darum suche ich nun eine Bleibe in einer strahlenfreieren Zone. So richtig ins Niemandsland ziehen kann ich aber einfach nicht, denn da lässt man ja den gesamten Freundes- und Bekanntenkreis zurück.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leee am 07.02.2018 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Die gute Frau die ein Kribbeln und Strahlung auf der Haut fühlt hat in der Tat ein Problem, aber die Antenne wirds nicht sein :-)

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  • ROBI4133 am 07.02.2018 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Horrorzirkus Strahlung

    "Strahlungen" gibt es ohne Ende und ÜBERALL. Die magnetische Strahlung der Erde, Licht ist auch eine Strahlung (ohne Strahlung wären wir alle blind), Röntgenstrahlung, Sonnenstrahlung, Radio Wellen in verschieden Frequenzen, etc... Wenn die Strahlung so schlimm wären dann wäre die Menschheit schon längst erloschen. Sogar wir selbst produzieren Strom bei jedem Herzschlag (ohne wäre ein EKG nicht möglich) und jede Muskelzuckung. Die Menschen die so empfindlich reagieren sollten aufpassen mit Kerzen, da Kerzenlicht auch eine Strahlung ist BUUUUHHHH.... SPANNEND!!!! (Spannung?)

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  • Claude am 07.02.2018 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunliche Tatsache

    Ganz erstaunlich ist auch, dass erwiesenermassen viele Menschen die Strahlung sogar dann spüren, wenn die Antennen komplett ausgeschaltet sind...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 07.02.2018 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das sollte klar sein!

    Schon wieder ein Problem! Diese Funkantennen sind, es ist bewiesen gemäss seriösen Analysen viel weniger schädlich, als das Handy Tag und Nacht am Ohr. Übrigens ohne diese Funkanlagen gibts auch keine Telefonie..!

  • repeater am 07.02.2018 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Es hat geringen Einfluss, aber er ist da

    Laut einer Studie des US National Toxicology Program ist Handystrahlung durchaus ein Krebsverursacher. Zwar seien die Einflüsse nur sehr gering, doch hätte laut der Studie auch ein geringer Einfluss der Mobilfunkstrahlung weitreichende Folgen für die öffentliche Gesundheit, da Mobilfunkgeräte mittlerweile weltweit von allen Altersgruppen genutzt werden. Elektrosensibilität könnte dennoch meist Psychologische Gründe haben, vielleicht aber auch andere, müsste man von Person zu Person erforschen und damit weitere Studien machen.

  • Steph am 07.02.2018 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Naiv

    In der USA gibt es bereits Strahlenwaffen. Wer das Gefühl hat, die sind harmlos, dem kann ich auch nicht helfen.

  • Papa Moll am 07.02.2018 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egoisten

    Das sind Egoisten. Hauptsache in ihrem Dorf strahlt nichts. Aber dass neben ihnen im anderen Dorf dann eine aufgestellt wird ist ihnen egal.

  • Patrick Bläuenstein am 07.02.2018 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch so ein Beispiel

    Es hat schon diverse Berichte über verkleidete (zBsp. in Kirchtürmen) Antennen gegeben bei denen die betroffenen erst Beschwerden bekamen nachdem sie drauf aufmerksam gemacht wurden. Und vorher waren die Antennen zt. schon jahrelang in Betrieb,das sagt doch einiges aus.

    • H.G.W am 07.02.2018 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick Bläuenstein

      gut. Bleiben Sie jedoch nicht stehen und erweitern Sie Ihre Bewusstwerdung um diesen Sachverhalt. Beispiel: Sie lesen oder sehen in den Medien wie in anderen Ländern Krieg geführt wird, oder erfahren in den Medien was für schlimme Verbrechen von anderen ausgeführt werden. Was passiert wenn Sie sich diesen Medien komplett entziehen ?

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