Thiemo Gropp

06. Mai 2011 17:00; Akt: 07.05.2011 11:05 Print

«Im Wüstenstrom liegt die Zukunft»«Im Wüstenstrom liegt die Zukunft»

von Sandro Spaeth - Das Ökostromprojekt Desertec hat mit der AKW-Katastrophe in Japan Aufwind erhalten, die Revolution in Arabien aber bremst. Der Desertec-Gründer über seine Vision .

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Desertec-Gründer Thiemo Gropp. (Bild: Keystone)

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Sie wollen in den Wüsten Afrikas bis in 40 Jahren einen Grossteil des Stroms für Europa herstellen. Sind Sie ein Visionär – oder ein Spinner?
Thiemo Gropp: Wir reden vor allem darüber, was für künftige Generationen dringend notwendig ist. Das mag dem einen oder anderen verrückt erscheinen, aber wir sind sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Energiewende ist kein rein wirtschaftlicher Prozess, sondern eine gesellschaftliche Frage. Überlässt man die Wende rein den Gesetzen des Marktes, dann dauert sie zu lange.

Vor 50 Jahren stand auf der Weltausstellung in Brüssel das «Atomium» als Zeichen der Hoffnung. Nun ist Ernüchterung eingekehrt. Droht Desertc dasselbe?
Kernkraft war in der Tat einmal ein Hoffnungsträger. Man wusste aber immer, dass ein Restrisiko besteht. Folglich zeigt die Atomkraft mit dem Unfall in Japan keine unerwartete Facette. Von Sonnenenergie gehen hingegen keine Gefahren aus. Trifft ein Erdbeben auf ein Solarkraftwerk, brechen höchstens einige Spiegel.

Wie wollen Sie den Strom effizient nach Europa transportieren? Wegen der weiten Distanzen drohen grosse Verluste.
Die Distanz ist kein Problem. In China ist die Technologie bereits im Einsatz. Die Energie wird als Hochspannungsgleichstrom transportiert. Der Verlust beträgt bei einer Distanz von 3000 Kilometer nur rund 10 Prozent. Das ist wenig, wenn man bedenkt, dass die Solarstromherstellung in der Wüste sehr viel wirtschaftlicher ist als in unseren Breitengraden.

Strom in der Wüste produzieren tönt gut. Trotzdem will niemand so richtig in das Projekt investieren.
Die Finanzierung ist eine Herausforderung. Wichtig ist, dass es in Europa Abnehmer für Wüstenstrom gibt. Bei den heutigen Bedingungen ist dieser aber noch zu teuer. Eine Lösung wäre eine Art europäische Einspeisevergütung. Man muss bedenken: Auch bei der Atomenergie und den fossilen Energieträger haben wir volkswirtschaftlich gesehen keine faire Kostensituation. So sind die Folgen eines Unfalls wie in Japan im Preis für Strom nicht berücksichtigt.

Nordafrika und der arabische Raum – wo die gigantischen Kraftwerke hinkommen sollen – sind politisch instabil. Wie wirkt sich das aufs Projekt aus?
Diese Regionen sind derzeit in Bewegung, was Unsicherheiten auslöst. Längerfristig sehen wir die Demokratisierung aber als Chance, dass die Einführung der erneuerbaren Energien schneller voranschreitet. Schliesslich ergeben sich daraus gute Chancen für Landesentwicklung und mehr Wohlstand.

Ist es nicht gefährlich in der Energiefrage von Afrika und dem Nahen Osten abhängig zu sein?
Diese Problematik haben wir auch bei Öl und Gas, folglich droht keine neue Gefahr. Zudem wird Europa nicht komplett von Wüstenstrom abhängig sein, da er eben nur ein Baustein ist, der vor allem die Volatilität der heimischen erneuerbaren Energieträger kompensieren soll. Darüber hinaus wird auch keine Abhängigkeit von der Produktion eines einzigen Landes entstehen.

Sollten wir die Solarenergie nicht zuerst bei uns nutzen vollständig ausnutzen, bevor wir Milliarden in den Wüsten investieren?
Auch in Europa müssen wir die Fotovoltaik weiter ausbauen. Die Bewegungen müssen aber parallel laufen. Am Ende ist es aber eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Es ist viel effizienter, Solarstrom in der Wüste zu produzieren, als in der Schweiz. Zudem kann ein solarthermisches Kraftwerk in Südeuropa oder Nordafrika dank grosser Wärmespeicher Tag und Nacht Strom produzieren.

Freuen Sie sich eigentlich über die hohen Energiepreise? Diese sollten sich ja positiv auf das Desertec-Projekt auswirken.
Freuen ist der falsche Ausdruck. Wir weisen aber schon lange auf das nötige Umdenken in der Energiefrage hin. Dass hohe Preise einen Zwang zum Umdenken mit sich bringen, ist nicht von der Hand zu weisen.

Auftrieb erhalten haben Alternativenergien auch wegen der Atomkatastrophe in Japan. Ist Desertec am Ende der grosse Profiteur des Atom-Gaus?
So möchte ich das nicht sagen. Dafür sind die Ereignisse zu tragisch. Die Idee für Desertec entstand aber bereits anlässlich der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, . Der Unfall in Japan zeigt nun erneut, dass wir dringend sichere und zukunftsfähige Alternativen brauchen.

Schafft es Europa komplett aus der Atomenergie auszusteigen?
Ja, davon gehe ich aus. Eine zeitliche Prognose ist allerdings schwierig, ein Komplett-Ausstieg in Gesamteuropa bis 2050 erscheint realistisch, ein früherer Ausstieg wäre jedoch sinnvoll und auch machbar.

Schafft es die Schweiz früher?
Die Schweiz als kleines Land ist viel beweglicher. Folglich dürfte das Umdenken schneller voran gehen.

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  • Kritikus am 25.05.2011 02:50 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Was in diesem Beitrag NICHT zu lesen ist: Solarstrom wird via Wasserdampf, der Turbinen antreibt, gewonnen, so in Spanien. Woher sollen die gigantischen Wassermengen kommen, die in der trockenen wasserlosen Sahara-Wüste dann täglich verdampft und in die Luft geblasen werden???? Schon allein daran muss das utopische Projekt scheitern. Bisher hat niemand diese Frage beantwortet, ob Politiker, Solartechniker, Umweltschutz-Organisationen usw. Man sollte doch wohl erst sein Denken einschalten, ehe man derartige Ideen verbreitet.

    • Michael Rühe am 25.05.2011 12:29 Report Diesen Beitrag melden

      Geht doch

      Im Zusammenhang mit diesem Projekt werden nicht nur die Anlagen zur Stromerzeugung sondern auch entsalzungsanlagen an den Meeresküsten gebaut. Auf diese Weise wird die Menge an Salz gewonnen die zur Speicherung des erzeugten Stroms gebraucht wird und gleichzeitig Trinkwasser produziert. Nutzen für die Anlagen und die örtliche Bevölkerung!

    • schlaumeier am 25.05.2011 14:30 Report Diesen Beitrag melden

      Schlaumeier

      Dabei handelt es sich um einen geschlossenen Wasserkreislauf. Wasser ist nur ein Problem beim Reinigen der Spiegel, nicht im Dampfkreislauf

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  • Peter Müller am 09.05.2011 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Idee

    Bin grundsätzlich für erneuerbare Energien, wir können und dürfen uns jedoch nie mehr von afrikanischen bzw. arabischen abhängig machen. Politische Unruhen sind vorprogrammiert, die würden das früher oder später gegen uns als Druckmittel verwenden um uns erpressen zu wollen. Alles schon x-mal vorgekommen... Siehe Erdölkrise in den 70ern etc.

  • Carl am 08.05.2011 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Afrikanischer - Wüsten - Strom fördern

    anstatt Krieg führen, so kann man die armen Länder auch wirtschaftlche Unterstützung geben.

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