Migros und Nahost

29. Mai 2012 11:08; Akt: 29.05.2012 15:17 Print

«Israel» allein reicht nicht mehr

Die Migros gibt sich politisch: Ab 2013 müssen Waren, die aus den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten stammen, auch als solche deklariert werden.

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Ein Palästinenser im besetzten Gebiet pflanzt sie an, im Migros werden sie verkauft: Diese Ware muss jetzt deklariert werden. (Bild: Keystone/AP)

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Wie andere Grossverteiler führt auch die Migros eine Reihe von Produkten, die aus den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten stammen. Darunter sind etwa Datteln, Kartoffeln, Früchte, Küchenkräuter oder Soda Club-Geräte. Deren Herkunft soll in Zukunft deklariert werden.

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Heute stammen solche Produkte gemäss Herkunftsangabe schlicht aus «Israel». Tatsächlich kommen einzelne Artikel jedoch aus palästinensischen Gebieten, die von Israel besiedelt sind, etwa in der Westbank oder in Ost-Jerusalem, wie es in einer Meldung des «Migros-Magazins» vom Montag heisst. Die betreffenden Siedlungen werden von der UNO und vom Bundesrat als völkerrechtswidrig beurteilt.

Bisher konnten die Kundinnen und Kunden nicht feststellen, ob die Migros-Produkte aus den illegalen Siedlungen stammen. Darum sollen diese nun mit «Westbank, israelisches Siedlungsgebiet» oder «Ost-Jerusalem, israelisches Siedlungsgebiet» gekennzeichnet werden. Die Migros plant, die neue Deklaration Mitte 2013 einzuführen.

Entscheid beim Kunden

«Wir sorgen damit für Transparenz, damit der Kunde selber entscheiden kann, ob er das Produkt kaufen will oder nicht», sagte Migros-Sprecherin Monika Weibel auf Anfrage. Die Produkte ganz aus dem Sortiment zu nehmen, ist für den Grossverteiler jedoch kein Thema.

«Die Migros verhält sich politisch neutral. Wir wollen den Kundinnen und Kunden die Wahl lassen», sagte Weibel. Schliesslich gebe es kein Verbot, Produkte aus Israel zu importieren.

Für die Erklärung von Bern (EvB) ist die Deklaration von Produkten aus den israelischen Siedlungsgebieten grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung. Es liege in der Verantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten, darauf zu achten, woher ein Produkt komme, und einen bewussten Kaufentscheid zu fällen, sagte Andrea Hüsser von der EvB auf Anfrage.

Allerdings müssten diese beim Kauf ohnehin schon zu viele Informationen verarbeiten. Hüsser sieht die Hauptverantwortung darum bei den Unternehmen, ihre Handelspartner auszuwählen und für eine vertretbare Herkunft ihrer Produkte zu sorgen.

Krisengebiete ausblenden

Auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), hält die von der Migros geplante Deklaration für fragwürdig. Es sei für den Konsumenten verwirrend, nur Produkte aus einem bestimmten Krisengebiet zu deklarieren und alle anderen auszublenden.

Stalder spricht sich dafür aus, die Herkunft aller Produkte exakt anzugeben. «Wer sich politisch interessiert, kann seinen Kaufentscheid darauf abstützen», sagte sie der SDA.

Coop ist in Sachen Deklaration nach eigenen Angaben schon weiter als die Konkurrenz. Kräuter aus dem Westjordanland würden als solche bezeichnet, sagte Coop-Sprecher Urs Meier auf Anfrage. Ebenso die Soda-Club-Geräte, die ausschliesslich im Westjordanland hergestellt würden. Aber auch Meier betont, dass Coop keine Aussenwirtschaftspolitik betreibe und die Kundschaft nicht bevormunde.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf Hug am 29.05.2012 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Produkte aus Israel

    Ich frage mich was diese heuchlerische Aktion soll, und warum man nur bei Israel eine Deklarationspflicht verlangt. Etwas gutes hat es allerdings doch, ich kann nun bewusst Produkte aus Israel kaufen und solche aus den Palästinensergebieten boykottieren.

  • Elena Surber am 29.05.2012 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nochmals!!

    Wieso besetzte Gebiete??? Die wurden in einem Verteidigungskrieg eingenommen! Also stehen sie Israel zu! Das ist weltweites Kriegsrecht. Gilt dies für Israel nicht?

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  • Lott Christian am 29.05.2012 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchler 2

    Ist ja schon sehr komisch. Auf Israel wird immer herumgehackt. Warum kommt denn niemand auf die Idee, bei Produkten aus China zu schreiben: "Produkt des Besetzers von Tibet". Die Antwort ist ja klar

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pifko Ronny am 30.05.2012 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Gar nix aus Israel? ne....

    Wenn Ihr Prdoukte aus Israel boykottiert, dann vergisst nicht ab sofort keine USB-Sticks und Epilatoren/Epiladys mehr zu verwenden + kein Rummikub mehr zu spielen. Meldet dem Arzt Euch keine Medikamente von TEVA zu verschreiben. Wenn Ihr das jetzt auf einem PC mit Intel Prozessor oder einem Mac liest hat dieser garantiert Teile aus Israel - entsorgen! In den USA sind mehr israelische (7 Mio Einwohner) Patente registriert wie die kombinierte Zahl aus Russland Indien und China (2.5 Milliarden Einwohner). Viel Erfolg.

  • Hans Christoffel am 29.05.2012 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Totaler Unsinn

    Wenn man schon absolut keine Ahnung von Kriegsrecht hat, sollte man sicherst mal schlau machen darüber. Einfach googeln unter "Israel Uno Resolutionen" z. B. Deutschland wurde auch eingenommen. Gehört es nun den Amis, Russen, Franzosen und den Engländern? Eroberungskriege sind Vergangenheit und verboten.

  • Elena Surber am 29.05.2012 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nochmals!!

    Wieso besetzte Gebiete??? Die wurden in einem Verteidigungskrieg eingenommen! Also stehen sie Israel zu! Das ist weltweites Kriegsrecht. Gilt dies für Israel nicht?

    • Moses am 29.05.2012 17:04 Report Diesen Beitrag melden

      Land unter

      Dieses Land (Israel und Palästina) ist nicht erworbenes Land.

    • Jakob Schärer 1952 am 29.05.2012 18:32 Report Diesen Beitrag melden

      2 entscheidene Kriege

      Da bin ich genau gleicher Meinung. BRAVO. 6 Tage-Krieg. Der ägyptische Herrscher wurde im Morgengrauen überrascht. Nach dem Jom Kippur-Krieg wurde dann ein Friede mit Aegypten geschlossen und der Sinai zurückgegeben. Wie lange dauert dieser Friede wohn noch ?

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  • Suelim am 29.05.2012 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Frage der Qualität

    Bisher war für mich beim Gemüse die Herkunftsbezeichnung Israel stets ein Indikator, dass das Gemüse bestrahlt sein könnte. Wie beispielsweise Tomaten oder Avocados aus Israel, die zwar wochenlang schön anzuschauen sind, jedoch nicht unbedingt zum Verzehr geeignet.

  • John Styler am 29.05.2012 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    jetzt erst recht...

    Ich habe zufälligerweise heute Israel mit dem Kauf von ein paar guten Flaschen Rotwein unterstützt! Ps. Bevor ich auf isralische Produkte verzichten würde, würde ich z.B. auf den Kauf des iPhones verzichten.