Teurer Macallan

07. August 2017 08:42; Akt: 07.08.2017 08:42 Print

«Ist der Whisky gefälscht, halte ich den Kopf hin»

von S. Spaeth - Mit dem 10'000-Franken-Whisky ist das Waldhaus in St. Moritz weltbekannt geworden. Hotelier Sandro Bernasconi über Dekadenz, PR und Wahrheitsfindung.

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Herr Bernasconi, die halbe Welt kennt nun Ihr Hotel, es heisst aber auch, der 10'000-fränkige Whisky könnte eine Fälschung sein. Überwiegt da die Freude oder die Angst vor der Schmach?
Die Freude überwiegt ganz klar, das Echo war enorm. Dass Medien weltweit über die erstmalige Bestellung unseres 10'000-fränkigen Whiskys berichten würden, hätten wir nie gedacht. Als ich etwas später über den Fälschungsverdacht las, entschloss ich mich sofort, unsere Flasche testen zu lassen. Vor dem Resultat habe ich keine Angst. Ich will die Wahrheit wissen. Aber klar: Wir würden schon etwas blöd dastehen, wenn sich herausstellen sollte, dass die Flasche nicht echt ist.

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Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie zum ersten Mal davon hörten, dass Ihr Macallan aus dem Jahr 1878 gefälscht sein könnte?
Ich nahm den Umstand zur Kenntnis, war aber weder schockiert noch verärgert. Im Internet startete ich dann eine Recherche und versuchte selbst, Indizien zu finden. Zudem habe ich versucht, mit dem Whisky-Experten Serge Valentin, der die Fälschungsvermutung geäussert hat, Kontakt aufzunehmen.

Sie lassen den Whisky nun in Schottland auf seine Echtheit überprüfen. Wie läuft das Verfahren ab?
In der Regel dauert es vier bis sechs Monate, bis man einen Termin im Speziallabor erhält. Uns wurde aber bereits versichert, dass wir einen früheren Termin erhalten werden. Das Verfahren ähnelt jenem der Altersbestimmung bei Fossilien oder Knochen. Vereinfacht gesagt nehmen Lebewesen – in unserem Fall die Gerste – radioaktive Strahlung auf, die sich dann zersetzt, wobei die Reststrahlung gemessen wird. Mit dem Test wird keine genaue Jahreszahl ermittelt. Es wird Aufschluss darüber geben, ob der Whisky in den 90er-Jahren gefälscht wurde oder ob er viel älter ist.

Der 10'000-fränkige Whisky ist ein gutes PR-Instrument. Bestand schon beim Kauf der Flasche vor 25 Jahren eine derartige Absicht?
Die teure Flasche hat uns über die Jahre viel Aufmerksamkeit gebracht. Viele Gäste und Journalisten wollten immer jene Flasche sehen, die wir für 9999 Franken pro Glas auf der Karte hatten. Unser zweitteuerster offener Whisky ist ein Macallan aus dem Jahr 1940 und kostet 451 Franken pro Glas.

Viele unserer Leser sagen, zwei Zentiliter Whisky für 10'000 Franken sei dekadent. Was sagen Sie?
Man kann das so sehen. Ich will das aber nicht moralisch bewerten. Viele Leute würden nicht so viel Geld für Whisky ausgeben, dafür leisten sich einige teure Bote, Autos oder Briefmarken. Man hätte mit den 10'000 Franken auch sieben Wochen Ferien in unserem Hotel machen und sich nach dem Essen jeden Abend fünf Whiskys gönnen können.

Ganz ehrlich: Kann etwas so gut schmecken, dass es 10'000 Franken wert ist?
Das ist sehr schwierig zu beurteilen. Beim Whisky ist es wie beim Wein: Ob eine Flasche für 1000 Franken 50-mal besser schmeckt als eine, die 20 Franken kostet, muss jeder selbst entscheiden. Es geht bei solchen Produkten aber nicht nur um den Geschmack. Es geht auch ums Zelebrieren, ums Erlebnis. Zudem steigt bei Raritäten der Preis massiv an.

Wie hat der Gast aus China auf die Fälschungsgerüchte reagiert?
Unser Gast hat aus den Medien vom Fälschungsvorwurf erfahren. Ich habe ihn umgehend kontaktiert, denn mir war es sehr wichtig, ihm mitzuteilen, dass es ein Problem geben könnte. Er ist aber nicht böse auf unser Hotel und gibt uns keine Schuld. Der junge Chinese ist ein Whisky-Liebhaber und hofft sogar, im Winter wieder zu uns in die Bar zu kommen. Sollte es sich bei der Flasche um eine Fälschung handeln, wird der Gast natürlich sein Geld zurückerhalten.

Schlägt sich der Medienrummel bereits in mehr Buchungsanfragen nieder?
Wir haben einige Anfragen mehr erhalten. Es ist aber davon auszugehen, dass uns die Berichterstattung längerfristig hilft. Sollte sich der Whisky als Fälschung herausstellen, wäre das sicher nichts, womit wir uns profilieren können. Aber ich werde als Hotelier den Kopf hinhalten.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dani am 07.08.2017 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sympathisch

    sympathisch wie er damit umgeht..ich freu mich schon nächste woche für zwei tage im waldhaus verweilen zu können :)

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  • Stefan am 07.08.2017 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Finds gut

    Ich find das Interview gut, also die Antworten fair.

  • P.Eter am 07.08.2017 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werbung für die Schweiz

    Sehr sympathisch und fair dieser Bernasconi. Mit so einem Verhalten hinterlässt man bei den Touristen ein gutes Bild des Hotels und der Schweiz. Auch das Verhalten des chinesischen Gastes finde ich vorbildlich, wie ruhig und gelassen er sich verhält. Ich denke da gibt es einige Hollywood-Stars oder sonstige Reiche die ausrasten würden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tony Binder am 07.08.2017 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    Waldhaus: Bestes 3-Stern-Hotel von CH

    Waldhaus: Immer noch das beste 3-Stern-Hotel der Schweiz- Ich hatte das Glück dort vor 15 Jahren Whiskys zu trinken die heute unbezahlbar sind. Die Bernasconis gehören offenbar auch heute noch zu den coolsten Hoteliers der Schweiz. Tipp: Pauschalen buchen. Absolut preiswert!

    • DR. Waldhütte am 08.08.2017 11:34 Report Diesen Beitrag melden

      Forrest Home @ Tony Binder

      Man sollte da aber auch noch über Preis Leistung diskutieren , aber auch die Infrastruktur stellt sich in frage , ausser man liebt Barock ? Eingebetet von Bergen oder genau gesagt keine Fernsicht

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  • bobi am 07.08.2017 22:13 Report Diesen Beitrag melden

    kratzer

    der korken ist gefärbt und das glas hat kratzer 9999 franken arbeit plus 30prozent marge sind gerechtfertigt

    • Treschter Karri am 08.08.2017 16:46 Report Diesen Beitrag melden

      Betrunkener Hüttenwart@ bobi

      Vielleicht konnte die ja die Farbe nicht mehr unterscheiden , oder hatten sogar die Flasche vertauscht hokusBokus natürlich , rein aus Versehen , gesehen und gesehen werden unter oder über dem Tisch , eigentlich wäre es nicht mehr als Anstand gewesen von der Verwaltung AG den Grind her zu halten , denn waren sicher nicht im Unwissen , versteckt hinter dem Kamin

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  • Whisky Spezialist Fredu am 07.08.2017 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Isotope zeigen die Wahrheit

    Also...schon ml wurden Whiskeys des Herstellers als Fälschung entlarvt... Das war eine Flasche aus dem Jahr 1936. Nach der Versteigerung in den 90 iger Jahre untersuchten Forscher die Isotopenzusammensetzungen. Und es kam heraus, dass Getreide nach den beiden a Bomben Abwürfen Hiroshima und Nagasaki andere Zellstrukturen aufweisen als nach den Bomben. Ganz klar stammte der besagte Tropfen nicht vor dem Abwurf...

  • Esubesu am 07.08.2017 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was für ein erlebnis

    Hatte in diesem Hotel vor kurzem ein Glas bestellt. Ohne den Preis nachzufragen, sagte ich ein "etwas gutes" um eine russische Dame zu beeindrucken...musste als Bierliebhaber kurz schwitzen als ich knapp 100 sfr dafür bezahlt habe.

    • Vorzu am 09.08.2017 10:42 Report Diesen Beitrag melden

      Inclusive

      War die Russin im Preis inbegriffen? Sonst waren sie einfach im falschen Land!

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  • Pascal Troller am 07.08.2017 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    sympathisch

    Die Tatsache, das wir auf unserem Planeten keine anderen Sorgen haben, finde ich sehr sympathisch.