Jordan Belfort

12. Mai 2017 12:30; Akt: 12.05.2017 17:02 Print

«Krumme Geschäfte sind an der Wall Street normal»

von K. Wolfensberger - Der echte Wolf of Wall Street, Jordan Belfort, weilt zurzeit in der Schweiz. 20 Minuten sagt er, wie es in seinen Spitzenzeiten wirklich zu- und herging.

Fünf Stichworte für Jordan Belfort - 20 Minuten hat den Wolf of Wall Street im Dolder Grand getroffen.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Belfort, die meisten Schweizer kennen Ihre Geschichte aus dem Film «The Wolf of Wall Street». Wir sehen dort Drogen und Prostituierte. Hat sich das wirklich alles so zugetragen?
Nein, nicht alles. Das mit den Drogen und den Prostituieren stimmte aber schon in etwa. Wir haben viele Drogen konsumiert. Die grössten Unterschiede zur Realität liegen in einem anderen Bereich. Wir haben nicht gezielt Anteile schlechter Firmen verkauft oder in diese investiert. Im Gegenteil: Wir haben uns primär auf gut laufende Firmen konzentriert. Das wurde im Film völlig falsch dargestellt und ist eine starke Zuspitzung. Unser Verbrechen waren schliesslich illegale Marktmanipulationen.

Umfrage
Was halten Sie von Jordan Belfort?

Sie haben also tatsächlich bis zum Schluss so viele Drogen konsumiert?
Nein, das ist auch falsch. Ich habe zu Beginn zwar sehr viel konsumiert, aber als alles aufflog, war ich schon eine ganze Weile clean. Was im Film auch anders dargestellt wird, ist der Moment, als ich meine Firma verlassen möchte, dann aber doch bleibe. In Wirklichkeit bin ich tatsächlich gegangen. Ich hatte es mir nie zum Ziel gesetzt, gegen die Regierung zu kämpfen. Ich habe nie «Fuck you» zu den Behörden gesagt, sondern mit ihnen kooperiert.

Ihre Spezialität ist das Abschliessen von Deals. Das passt zu Präsident Trump. Unterstützen Sie ihn?
Ich bin ein klarer Trump-Supporter. Ich wünschte zwar, er würde sich rhetorisch mehr zurückhalten. Doch er ist und bleibt die klar bessere Wahl als Hillary Clinton. Die USA brauchen einen Geschäftsmann an der Spitze, der das Land vorwärtsbringt. Die US-Medien haben sich nun grösstenteils gegen Trump verschworen. Das macht mich wütend, ich finde, Medien sollten neutrale Beobachter sein und nicht Position ergreifen.

Sie sind nun in der Schweiz, um ein Seminar zu geben – was möchten Sie den Leuten beibringen?
In meinen Seminaren geht es mal ganz grundsätzlich um die Geschäftswelt und ums Unternehmertum. Dabei geht es primär um den Verkauf und die dazugehörige Kommunikation. Ich lehre dabei ein System, das auch ausserhalb von klassischen Geschäftskontexten verwendet werden kann. Sogar von Eltern, die ihre Kinder zum Machen ihrer Hausaufgaben überzeugen wollen (lacht). Im Leben sind wir de facto dauernd in Verkaufssituationen, ob wir das wollen oder nicht. Dafür biete ich Werkzeuge.

Wieso sollen die Leute von Ihnen die Kunst des Verkaufs erlernen? Diese hat Sie schliesslich ins Gefängnis gebracht.
Wenn Ihnen ein Waffenverkäufer beibringt, wie man mit einer Pistole schiesst, dann weiss er nicht, ob Sie nachher Verbrechen bekämpfen gehen oder selber zum Verbrecher werden. Eine Fähigkeit kann immer gut und schlecht eingesetzt werden. Das gilt auch für meine Verkaufsstrategien. Ich hoffe natürlich, dass die Leute sie für legale Geschäfte benutzen. Ich habe da auch aus meinen eigenen Fehlern gelernt.

Wieso haben Sie Ihre Fähigkeiten falsch eingesetzt? War es Gier?
Lassen Sie uns einfach mal realistisch sein: In meiner Zeit an der Wall Street war es für die meisten Händler und Banker völlig normal, zumindest teilweise auf unsaubere Geschäftspraktiken zurück zu greifen. Ich möchte die Schuld für meine Verbrechen nicht auf das System Wall Street abschieben. Doch es ist die Realität, dass dort nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Es ging niemals darum, für den Kunden Geld zu verdienen, sondern für sich selbst. Inzwischen ist das vielleicht etwas besser geworden, aber die Zustände sind noch weit davon entfernt, perfekt zu sein.

Was halten Sie vom Schweizer Finanzplatz? Steht dieser zu Recht international in der Kritik?
Nein, ich finde, die Schweiz muss heute ungerechterweise als Prügelknabe herhalten. Es gibt legitime Gründe für ein Bankgeheimnis. Natürlich sollte es nicht ausgenutzt werden, damit Diktatoren und Drogenbosse ihr Geld verstecken können. Aber normale Bürger sollten das Recht haben, ihr Geld anonym verwalten zu lassen.

Hatte Ihr ganzes Geld zu Ihren Spitzenzeiten – ob versteckt oder nicht – Sie wirklich glücklich gemacht?
Wie sagt man so schön: Geld allein macht nicht glücklich. Allerdings macht es sehr unglücklich, wenn man zu wenig Geld hat. Das kann ganze Ehen zerstören, wenn man sich über jeden Dollar streiten muss. Geld allein ist letztlich ein Mittel, um seine Möglichkeiten und sein Potenzial auszuschöpfen. Das wiederum macht glücklich.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jamaika Jamal am 12.05.2017 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wolf of wallstreet

    Zu glauben, dass an der Wall Street alles sauber läuft, wäre naiv

  • Jörg am 12.05.2017 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für krumme Dinge

    Was mehr als die Drogen interessieren würde: WIE wurden die krummen Dinge abgewickelt??

    einklappen einklappen
  • Gregi Pfister am 12.05.2017 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Chöllllele

    Ich säg nur eis, Gregi Pfister :D

Die neusten Leser-Kommentare

  • Puppi meint es ernst am 13.05.2017 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider leider leider sagt Puppi

    Seien wir ehrlich: krumme Geschäfte sind leider für viele Männer normal.

  • boka am 13.05.2017 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    The Master

    Ja, ja, die Finanzclique! Offenbar hat sie nicht viel gelernt, aus den Turbulenzen 08/09 und den Boniexzessen. Die Halle war voll, die Preise bis zu 1000.-, welche oft von den Firmen bezahlt wurden. Und die Fans huldigten überschwänglich dem skrupellosen Meister. Wir lernen daraus, du kannst betrügen wie du willst, alles ok, no Problem, nur solltest du dich nicht schnappen lassen. Sie sind einfach in den Schatten getreten, ist die Luft wieder rein, werden sie wieder heraustreten. Egoismus never dies ;)

  • Adrian S. am 13.05.2017 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    kein Deut besser

    Wenn ein Banker unser Geld verzockt, ist er ein skrupelloser Pfosten, der eingesperrt gehört. Aber wenn wir uns ein T-Shirt kaufen, das von einer 14-Jähirgen in Bangladesch für einen Hungerlohn genäht wurde, der Hungerlohn dann aber Ende Monat doch nicht reicht, um sich selbst, geschweige denn die Angehörigen, durchzufüttern, dann ist auch niemand empört. Im Gegenteil. Die Empörung kommt erst dann wieder, wenn wir feststellen, dass dasselbe Shirt ennet der Grenze nochmals 40% günstiger wäre. Wie der Banker uns, so wir dem Rest der Welt. Oder kurz: Wir sind doch eigentlich kein Deut besser!

  • Al Z. am 13.05.2017 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spuckt schon wieder grosse Töne ..

    Hat er das Geld den Leuten die er betrogen hat bereits schon wieder zurückgezahlt?

  • Leser am 13.05.2017 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "es ging nie darum für den Kunden Geld zu verdiend

    ...sondern nur für uns... Sagt er. Und so ging es ja auch zu und her in unseren Banken. Auch mein Geld hatten sie unkontrolliert einfach verspielt. Weil nicht selber erarbeitet. Spielen nennen die Arbeit. Nur wer andere ausbeutet wird reich. Man braucht " Mitarbeiter". Solange man mit denen teilt, sie daran mitbeteiligt, ist auch alles ok. Das macht sogar glückliche Belegschadten. ( das gab es in früheren Zeiten noch).