Digitale Identität

17. Mai 2017 22:21; Akt: 17.05.2017 22:21 Print

«Nutzer haben jederzeit die Hoheit über die Daten»

Nur ein Passwort für Swiss-Pass- oder Post-Dienstleistungen: Dazu bringen Post und SBB eine «einheitliche digitale Identität». Das sorgt für Kritik.

«Der Nutzer hat jederzeit die Hoheit über seine Daten»: Peter Kummer, Informatik-Chef der SBB, nimmt Stellung zur Datensicherheit der SwissID. (Video: pam)
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Den Swiss Pass online kündigen oder die Postanschrift ändern: Das soll bald mit demselben Login möglich sein. Dazu lancierten die SBB und die Post am Donnerstag eine kostenlose «einheitliche digitale Identität», die von einer Joint-Venture-Firma namens SwissSign entwickelt wird. Die sogenannte SwissID soll für Post-Kunden noch im Herbst 2017 und für Swiss-Pass-Nutzer ab 2018 bereitstehen.

Und die Lösung hat nicht nur zum Ziel, die Flut an Passwörtern und Benutzernamen auf einen Zugang zu reduzieren, sie soll längerfristig auch als digitale Unterschrift etwa für die Steuererklärung, den Kreditkartenvertrag oder das elektronische Abstimmen fungieren. Ziel der Betreiber ist es, bis 2020 über tausend Banken, Versicherungen oder Verwaltungen an Bord zu holen.

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Bund wollte digitale Identitäten nicht weiterentwickeln

Dass staatsnahe Betriebe wie Post und SBB in die IT-Technologie einsteigen, hat einen Grund: Der Bund hatte entschieden, die Weiterentwicklung der heute gängigen SwissID nicht eigenhändig voranzutreiben, sondern dies privaten Anbietern zu überlassen.

Im Gegenzug will er in einem neuen Gesetz die «Rahmenbedingungen für die Anerkennung von elektronischen Identifizierungsmitteln und deren Anbieter schaffen». Dieses befindet sich noch bis Ende Mai in der Vernehmlassung.
Neben der Post entwickeln auch die UBS und Swisscom eine Konkurrenzvariante der digitalen ID.

Wie sicher sind die Kundendaten?

Doch die nun vorgestellte Variante von Post und SBB ruft auch Kritiker auf den Plan. Die Stiftung für Konsumentenschutz warnte bereits im Vorfeld: «Sollte die Identität geknackt werden, wird der Zugriff auf diverse Portale frei.» Ein weiterer Kritikpunkt war, dass die Kundendaten auf der Suche nach neuen Einnahmequellen preisgegeben werden könnten.

Jetzt legen die Konsumentenschützer nach: «Ich glaube nicht, dass die Konsumenten langfristig Vertrauen zu profitorientiert getriebenen Identitätsnachweisen schöpfen», sagt Sara Stalder von der Stiftung Konsumentenschutz. Deshalb müsse der Staat diese Aufgabe bei sich behalten. Ein weiteres Problem sieht der Konsumentenschutz darin, dass mit dem einheitlichen Login sowohl staatsbürgerliche Tätigkeiten wie auch Wahlen und Onlineshopping vermischt würden.

«Nutzer hat jederzeit die Hoheit über seine Daten»

Diese Bedenken versucht Peter Kummer, CIO bei der SBB, zu entkräften. Bereits an der Medienkonferenz betonte er, dass der Datenschutz oberste Priorität habe. Jeder Anwender behalte immer die Kontrolle darüber, wer wann welche Daten abrufen dürfe.

Und zu der Gefahr, dass profitorientierte Unternehmen wie Post oder SBB die Daten einst zu Geld machen könnten, sagt Kummer: «Das werden wir nicht machen. Der Nutzer hat jederzeit die Hoheit über seine Daten und entscheidet, was mit ihnen passiert.» Dafür stünden Post und SBB als staatsnahe Betriebe, die dieses Vertrauen garantieren könnten, gerade. «Wir glauben, dass Vertrauen das höchste Gut, das man hier anwenden muss», sagt Kummer.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf am 17.05.2017 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen?

    Schon Vertrauen in den schweizerischen Staat wäre fatal- siehe Fichenaffäre - aber Vertrauen in staatsnahe Betriebe? Glauben die, man hätte mich mit dem Senftöpfchen aus dem Dschungel gelockt?

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  • Raschli am 17.05.2017 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bestimmt..

    Im Titel sollte das Wort ,, jederzeit '' durch ,, derzeit '' ersetzt werden. Entspricht in paar Jahren eher der Wahrheit.

  • Don Logan am 17.05.2017 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    Passwort

    Naja, soweit kommt's noch. Ich würde nie dasselbe Passwort verwenden. Will man den Hacker leichtes Spiel machen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Maslik am 18.05.2017 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird schiefgehen

    Träumen Sie weiter Herr Peter Kummer. Sie werden dann wahrscheinlich ein böses Erwachen haben und sich, wie es sich gehört, die Katastrophe nicht erklären können.

  • Mr. Spock am 18.05.2017 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auch bei Google oder Apple

    oder was auch immer hat man die alleinige Hoheit über seine Daten. Dies aber erst wenn ca. 50 Seiten durchgelesen wurden und sämtliche darin enthaltene Links auftemacht und ebenfalls gelesen hat. Anderst ist der Weg zu der alleinigen Hoheit über seine Daten nicht zu erreichen. Zuerst müssen dutzende automatisierte Vorgänge deaktiviert und unzählige Datenschutz-Richtlinien angepasst werden. Allein das finden dieser Einstellungen dauert Stunden, in den letzten Winkeln der Richtlinien findet sich wieder eine die das wieder zulässt was sie zuvor schon an 3 anderen Stellen deaktiviert haben. Auch das läuft unter "alleinige Hoheit über seine Daten" weil es theoretisch möglich ist. Die Voreinstellungen aber verteilen die Daten an tausende Unternehmen.

    • Maslik am 18.05.2017 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mr. Spock

      Und wie läuft es denn so auf der Enterprise ?

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  • huynh luan am 18.05.2017 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    hinter allem der gleiche namen

    die winkeladvokatin doris leuthard - wo alle fäden zuammen laufen und gezogen werden hinsichtlich totaler kontrolle. road pricing digital kontrolliert, energie-stratgie digital kontrolliert, oev (swisspass) digital kontrolliert, post & postfinance digital kontrolliert, swisscom digital kontrolliert, pässe & id card ditial kontrolliet, neue autoausweise digital kontrolliet. und wo es politisch zu heiss und augenfällig werden könnte schiebt man sog private lösungen vor. leuthard, sommaruga, burkhalter & maurer die gefährlichten br für die zukunft der ch bürger.

  • otto normalo-schweizer am 18.05.2017 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Login verpfuscht

    solang es die sbb nicht fertig bringt 1 einheitliches login für swisspass und mobile app anzubieten, solang soll sie sich auf das Transportieren von Personen und Güter beschränken. und das pünklich und ohne unterbrüche.

  • Corinne am 18.05.2017 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Schritt zum "Zeichen des Tieres"

    Ein Schritt mehr zum "Zeichen des Tieres", von dem in der Offenbarung bereits gewarnt wurde. Das Endziel dieses Schrittes wird sein, dass "Niemand kaufen oder verkaufen kann ohne das Zeichen des Tieres". Auch wenn man nicht an die Prophezeiungen in der Bibel glaubt, es sollte klar sein, dass eine solche Entwicklung in die totale Kontrolle führt. Eine solche "ID" gibt die Möglichkeit, jetzt getrennte Daten ohne Unsicherheiten zusammenzuführen. Was meint ihr, wie lange es noch gilt, "dass die Nutzer jederzeit die Hoheit über ihre Daten haben"?