Laax ist erst der Anfang

15. Dezember 2012 10:14; Akt: 15.12.2012 10:15 Print

«Private Luxus-Skigebiete sind denkbar»

Die VIP-Pässe der Skidestination Laax sind ein Klacks, verglichen mit den Exklusiv-Angeboten ausländischer Wintersportgebiete. Gibt es bald auch in der Schweiz Pisten nur für Superreiche?

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lockt diese Saison mit einem exklusiven VIP-Angebot Schneesportler auf den Berg, die gerne tiefer in die Tasche greifen. Ob das Laax-Modell Schule machen wird, wird sich zeigen. Sicher ist: Weltweit locken Skigebiete mit noch viel verrückteren Angeboten für gut betuchte Gäste. Die Skidestination begibt sich damit auf einen Pfad, der im Ausland längst beschritten wurde. In , Kanda, gibt es ein ähnliches Angebot: Ein Adult VIP Platinum Season Pass beinhaltet einen Spezialparkplatz, ein Kästchen an der Talstation und Vortritt beim Skilift. Kostenpunkt: Umgerechnet 2'170.- CHF. In den schaffen es nur die Superreichen. Wer diese kaum befahrenen Pisten runterbrettern will, muss eine eigene Liegenschaft vor Ort besitzen. Die Preise für solche Häuser gehen von 3 Millionen Dollar an aufwärts. Der Aufnahmebeitrag von 250'000 Dollar und die Mitgliedschaft von 16'000 Dollar pro Jahr lassen den Preis noch mehr in die Höhe schnellen. Dass die Finnen Saunaverrückt sind, ist schon lange klar. Diese Sauna im Skigebiet in Finnland übertrifft jedoch alles, denn sie ist in einer Gondel. Kosten pro Fahrt: Umgerechnet 1'815.- CHF. In Bulgarien haben die Gäste des exklusiven Hotels Kempinski einen privaten Zugang zur Skigondel, die rauf ins Skigebiet führt. In (USA) kann man ein Saison VIP-Ticket für umgerechnet 23'500 CHF erwerben. Mit diesem Pass sind die Skipisten morgens früher zugänglich als für Normalbesucher und man kann auf Privatskitouren gehen. Auch im Tirol, wo Prominente wie Paris Hilton (Bild) gern feiern und skifahren, gibt es ein VIP-Package. Die Einschreibegebühr im «Mountain VIP Club» beträgt bereits saftige 1900 Euro. Eine Jahresgebühr von 1100 Euro schlägt zusätzlich aufs Portemonnaie. Neben einem VIP-Gondel-Eingang winkt dem Luxus-Kunden dafür ein persönlicher VIP-Skiguide, ein Kästli für die Wintersportgeräte, Gratistesten von neuen Skis, eine Uhr, eine Jacke und ein Anhänger mit eingraviertem Namen. Exklusivität garantiert das Kontingent von 300 Mitgliedern.

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Von begeistert bis empört - die Exklusiv-Angebote in Laax haben im Vorfeld viel Aufsehen erregt. Für Experten aus der Tourismus- und Seilbahnindustrie ist klar: Bei Einführung der VIP-Tickets und Luxus-Saisonabos am 22. Dezember wird die Konkurrenz mit Argusaugen beobachten, wie es um die Nachfrage steht. «Ob andere Skigebiete das Modell übernehmen, hängt natürlich vom Erfolg ab», sagt Gieri Spescha von Graubünden Tourismus. Verkaufen sich die Tagespässe und Saisonabos gut, wird die Konkurrenz kaum tatenlos zusschauen. «Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass andere Skigebiete mit ähnlichen Angeboten folgen könnten», sagt auch Heinz Keller, Sprecher von Schweiz Tourismus.

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Die Zweiklassengesellschaft auf dem Berg ist kaum mehr aufzuhalten. Das zeigt ein Blick ins Ausland (siehe Bildstrecke). Dort sind Luxus-Angebote auf dem Berg, die hierzulande für erhitzte Gemüter sorgen, längst Realität. In Aspen (USA) beispielsweise kann man einen Saison-VIP-Pass für umgerechnet 23'000 Franken kaufen. Dafür können bereits vor den Normalbesuchern erste Linien in die Pisten gezogen werden. In Ischgl gibts für eine Mitgliedschaft im «VIP Mountain Club» zum Privatzugang zur Gondel noch einen Privatskilehrer, eine Skijacke und ein Armband dazu. Der Preis: 1900 Euro Einschreibegebühr und 1100 Euro Jahresbeitrag.

Gesinnungswechsel bei den Bergbahnen

Auf die Spitze treibts der Yellowstone Club im US-Bundesstaat Montana. Wer im privaten Skigebiet die 60 Pisten herunterbrettern will, muss zuerst eine Liegenschaft, die mindestens drei Millionen kostet, besitzen und einen Aufnahmebeitrag von 250'000 Dollar bezahlen. Dazu kommt der jährliche Mitgliederbeitrag von 16'000 Dollar. Hier kommt der Skipisten-Pöbel dem Geldadel bestimmt nicht in die Quere.

Ein Skigebiet für Superreiche - ist das auch in der Schweiz bald Alltag? Gut möglich, sagt Roger Walser von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur. «Das werden sich auch einige kleinere Lifte in der Schweiz überlegen.» Der Grund: Geraten eher überschaubare Destinationen an ihre Investitions-Grenzen, ist der Verkauf an einen «Exklusiv-Betreiber» ein naheliegender Schritt. «Private Luxus-Skigebiete sind deshalb denkbar», so Walser.

Bei den Bergbahnen werde es wohl langsam zu einem Gesinnungswechsel kommen. Neben der Einführung verschiedener Preiskategorien, die eine Studie der HTW Chur, Universität St. Gallen und Seilbahnen Schweiz, bereits vor zwei Jahren vorgeschlagen hat, rechnet er mit mehr innovativen Angeboten. «Vor allem in der bisher ungenutzten Zeit während der Gondelfahrt steckt Potenzial.» Wann auch in anderen Skigebieten der rote Teppich für Luxus-Gäste ausgerollt wird, bleibt abzuwarten. Das exklusive Saison-Abo in Laax ist aber wohl erst ein Anfang.

(lhr/dwi)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sdfsd sdf am 18.12.2012 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Problematisch

    Naja, wenn das eine oder andere kleine Skigebiet nur noch für Superreiche ist, ok. Wenn aber flächendeckend eine 2-klassengesellschaft eingeführt wird, finde ich das höchst problematisch. Gerade in einem Land in dem Skifahren noch immer als Volkssport Nr 1 gilt ...

  • Alex Kramer am 17.12.2012 22:09 Report Diesen Beitrag melden

    Luxus-Skigebiete und Finanzausgleich?

    Dass ausgerechnet in der gesellschaftlich liberalen Schweiz Zonen nur für die finanzielle Obrigkeit eingeführt werden sollen, empfinde ich mehr als stossend. Insbesondere dann, wenn der betroffene Kanton vom Eidg. Finanzausgleich profitiert, kann es nicht sein, dass die Damen und Herren Subventionsempfänger sich lokal dermassen unsolidarisch benehmen. Ist aber schlussendlich ein Ausdrucke einer Gesellschaft, die Geld erhält und sich nicht erarbeiten muss; analog zu Bankstern. Private Luxus-Skigebiete sind deshalb UNDENKBAR.

  • Johannes am 17.12.2012 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Yellowstone Club

    Der zitierte Yellowstone Club ging 2008 Pleite. Auch wenn das Resort wieder in Betrieb ist, ist es Fraglich, ob so was in der Schweiz Zukunft hat. Schliesslich muss es genug Leute geben die Bereit sind für so was zu zahlen.

  • freihans korbmann am 17.12.2012 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    laax super

    alle motzen immer an laax herum fakt ist es ist mit abstand das beste und vielseitigste skigebiet der schweiz. die besten und schönsten pisten. vom freestylepark ganz zu schweigen. dieses vip ticket ist nur 5mal pro tag erhältlich, sperrt also überhaupt niemandem die pisten. lg

    • Rudi Kunz am 18.12.2012 09:08 Report Diesen Beitrag melden

      Laax super

      Im VIP ticket sehe ich kein Problem, übrigens auch die "single line" am Lift finde ich gut. Nichts gegen Laax/Flims, jedoch Superlative wie "beste, schönste, vielseitigste" Pisten der Schweiz würde ich eher auf Zermatt beziehen.

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  • Guido Somm am 17.12.2012 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    50 Mio

    CHF 50Mio oder mehr erhält Schweiz Tourismus und diese Subventionen sollen für Reiche eingesetzt werden. Ja spinnen jetzt alle Politiker und Touristiker? Boykotiert Laax denn solche Übungen wecken den Unmut der Bevölkerung.

    • Fanziska am 17.12.2012 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      FDP BR J.S.A + BDP BR E.W.S. bevormunden

      Auch die Olympia-Finanzierung ist eine Schande - hoffe nur das CH-Volk gibt dieser Quer-Finanzierung keine Chance - denn am Schluss muss das CH-Volk die Rechnung mit höheren Preisen bezahlen.

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