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Krisenstimmung
08. Mai 2009 13:58; Akt: 08.05.2009 14:36 Print
«Rentenkürzung ist verständlich»
Fast drei Viertel der Schweizer Pensionskassen weisen eine Unterdeckung auf. Über ein Viertel muss gar saniert werden, da der Deckungsgrad unter 90 Prozent liegt. Georg Fischer bricht ein Tabu und kürzt seinen ehemaligen Angestellten die Rente.
Durch die Finanzkrise hat die Pensionskasse des Autozulieferers Georg Fischer massiv Geld verloren. Mit einem Deckungsgrad von 88 Prozent ist die Kasse zu Sanierungsmassnahmen gezwungen. Um die Unterdeckung zu überwinden, bricht Georg Fischer ein Tabu und kürzt die Renten um 6,1 Prozent. 770 ehemalige Mitarbeiter sind betroffen: Ab dem ersten Juni wird weniger ausgezahlt. Nur Renten unter 1000 Franken pro Monat werden nicht angerührt, wie «Blick» berichtet.
Wann darf meine Pensionskasse meine Rente kürzen?
Folgende Vorraussetzungen müssen erfüllt sein:
- Die Rentenkürzung muss im Reglement vorgesehen sein.
- Es dürfen nur Renten gekürzt werden, die das gesetzliche Minimum überschreiten. ( Das obligatorische Minimum ist unantastbar)
- Die PK hat die Renten in den letzten zehn Jahren ohne gesetzliche oder reglementarische Verpflichtung erhöht. ( z.B. hat sie einen Teuerungsausgleich gewährt)
Renten kürzen ist heikel
«Kein Mensch nimmt einem Rentner gerne etwas weg», sagt Richard Keller, Präsident der Georg Fischer-Pensionskasse. Er verspricht die Renten wieder anzuheben, sobald die Unterdeckung überstanden ist.
Aber nicht nur die Pensionierten müssen einen Beitrag zur Sanierung leisten. Auch neue Rentner werden bei Georg Fischer künftig weniger erhalten. Die Pensionskasse senkt den Umwandlungssatz ab dem nächsten Jahr von 6,9 auf 6,4 Prozent. Zudem wird aktiven Beitragszahlern der Sparzins gekürzt.
Werden weitere Kassen folgen?
Wie viele Firmen dem Beispiel von Georg Fischer folgen werden, ist laut Marc Beuggert, Pensionskassen-Spezialist beim VZ Vermögenszentrum, schwierig zu beurteilen. «Es ist immer sehr heikel, die Renten anzutasten. Solche Massnahmen schaden dem Vertrauen in die Pensionskasse», sagt Beuggert. Aus diesem Grund sei nicht zu erwarten, dass viele Kassen ihren Pensionierten die Renten kürzen werden. Bei Georg Fischer sei offenbar der Umwandlungssatz zu spät gesenkt worden.
Aktive sind im Nachteil
«Dieser Schritt von Georg Fischer ist sicher Neuland, aber auch verständlich. Wenn eine Pensionskasse in Schieflage gerät und wie hier das Verhältnis zwischen Rentnern und Aktiven ungünstig ist, ist die Kürzung von Renten nachvollziehbar», sagt Beuggert. Die aktiven Beitragszahler seien schon jetzt im Nachteil: Sie sanieren mit höheren Beiträgen die Kassen und erhalten später eine Altersleistung zu schlechteren Konditionen.
Gewerkschaft Unia protestiert
Die Gewerkschaft Unia bezeichnet das Vorgehen der Pensionskasse von Georg Fischer als grobes Foul gegen Rentnerinnen und Rentnern. Es stelle für viele Betroffene ein Leben in Würde im Alter in Frage. Die Unia fordert ein Sanierungsmoratorium bei Pensionskassen. Wie bei der UBS könne der Staat in einer Übergangsphase eine Garantie übernehmen, um überstürzte und gefährliche Massnahmen zu verhindern.
(zac/scc/ap)




























