Skype-Gründer

30. Oktober 2015 17:26; Akt: 30.10.2015 17:26 Print

«Schweizer sind zu träge für Start-ups»

von K. Wolfensberger - Er hat in über 100 Firmen investiert und war 2009 pleite. Der dänische Unternehmer Morten Lund erklärt, was es für den Erfolg eines Start-ups braucht.

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Herr Lund, ist die Schweiz ein guter Ort für Start-ups?
Grundsätzlich ist jedes Land gut für Jungunternehmen. Ich glaube aber, die Schweiz hat ein Problem. Es gibt hier zu viel Geld, fast gar keine Arbeitslosigkeit. Das ist grundsätzlich gut, aber schlecht für Start-ups. Denn es macht die Leute träge. Die besten Start-ups entstehen dort, wo die Leute wissen, es geht um alles oder nichts.

Umfrage
Was braucht es für den Erfolg eines Start-ups?
66 %
18 %
15 %
1 %
Insgesamt 1772 Teilnehmer

Wo haben die Gründer Nachholbedarf?
Die Schweizer verkaufen sich zu schlecht. Auch wir Dänen sind darin nicht besonders gut – ganz im Gegensatz zu den Amerikanern. Sie sind die besten Verkäufer. Bei der Schweiz ist wohl die Tradition als Finanzplatz das Problem. Höchstes Prinzip ist Diskretion und Verschwiegenheit. So wird man nie zum extrovertierten Verkäufertyp.

Wie schlimm sind Misserfolge für Jungunternehmer?
Eigentlich überhaupt nicht. Alles was man heute braucht, um eine Firma zu gründen, ist eine Garage und ein bisschen Computer-Hardware. Wenn man pleitegeht: Pech! Man sollte es einfach erneut versuchen. Risikokapitalgeber sind heute gerne bereit, in verrückte Ideen zu investieren. Früher war das anders. Ging eine Firma pleite, bedeutete dies viel grössere Verluste, zum Beispiel an Infrastruktur. Ganze Fabriken standen dann leer. Heute kann man in seiner Garage einfach wieder eine neue Firma gründen.

Sie selbst sind ja schon gescheitert. Nach ihrem Grosserfolg mit Skype haben sie sich als Medienunternehmer versucht. Sie gaben in Dänemark eine Gratiszeitung heraus und sind gescheitert – Warum?
Unser Geschäftsmodell war super. Das Problem war die Finanzkrise. Niemand wollte mehr Geld für Anzeigen ausgeben. Das hat uns fertiggemacht. Sonst hätten wir alle anderen Zeitungen einfach weggefegt. Wir waren kurzzeitig sogar die Nummer eins im Anzeigenverkauf. Dann ging uns einfach irgendwie die Luft aus. Wir mussten sagen: ‹Fuck, das wars!›

Ist es nicht etwas zu einfach, nur der Finanzkrise die Schuld zu geben?
Ich möchte die Schuld nicht abschieben. Wir hatten halt keine Kriegskasse für schwierige Zeiten. Und es geschieht in der Geschäftswelt, dass äussere Umstände zu unvorhergesehenen Problemen führen. Niemand sah die Finanzkrise kommen. Und plötzlich verdienten wir halt nichts mehr.

Sind Gratiszeitungen trotzdem ein gutes Geschäftsmodell? – 20 Minuten ist damit sehr erfolgreich.
Hm, schwierig zu sagen. Die Zukunft ist definitiv online und nicht Print. Auch im Gratisbereich. Ich denke nicht, dass die Printzeitungen überleben. Junge Leute nehmen in Zukunft immer lieber das Smartphone als die gedruckte Zeitung zur Hand. Und ich bin froh, bin ich nicht mehr in der Medienbranche tätig (lacht).

Wo engagieren Sie sich in Zukunft eher? In der Finanzbranche?
Ja. Deshalb bin ich auch an Tradeshift beteiligt, einem sozialen Netzwerk für Unternehmen, mit dem das Austauschen von Rechnungen in digitaler Form ermöglicht wird. Ich bin ebenfalls an verschiedenen Mikrofinanz-Unternehmen beteiligt. Muhammad Yunus, der Gründer der Grameen Bank, ist mein grosses Vorbild. Mein aktuelles Lieblingsprojekt ist allerdings Airhelp.

Airhelp?
Eine Firma, die ich 2013 mitgegründet habe. Wir helfen verärgerten Fluggästen beim Einfordern von Entschädigungen für Verspätungen und Annullationen. Dazu haben wir ein System entwickelt, das Airlines im Namen der Passagiere verklagt. Falls die Fluggesellschaft die Beschwerde anerkennt, vermittelt Airhelp das Entschädigungsgeld an den Passagier – abzüglich einer Bearbeitungsgebühr, die 25 Prozent der Entschädigung beträgt.

Wie kamen Sie auf diese Idee?
So, wie man es erwarten würde. Ich sass am Flughafen, mein Flug hatte Verspätung und ich war furchtbar wütend. Als mich die Airline dann mit einem billigen Voucher abspeisen wollte, war mir klar: Hier muss man Gegensteuer geben.

Ist es in den aktuellen Zeiten nicht schwierig, Erfolg zu haben, auch wenn die Idee gut ist?
Schauen Sie: Die aktuelle Krise verwenden die Unternehmen doch einfach als Ausrede, um möglichst viele Leute zu entlassen. Seien wir ehrlich. In jeder Firma gibt es eine Menge Angestellte, die es nicht wirklich braucht. In Krisenzeiten sagt sich das Management dann: Jetzt ist der ideale Zeitpunkt diese Personen zu entlassen. Die Krise ist die beste Ausrede für Entlassungen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bert am 30.10.2015 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaja

    Ach so...wenn man Pleite geht Pech....Wir sind zwar schlechte Selbstverkäufer,stimmt.Aber wir sind auch vorsichtig...darum sind auch unsere Schulden zumeist eher klein.Zudem: wer hier in der Schweiz Pleite geht oder sonstwie auf die Schnauze fällt,wird gemieden unf stigmarisiert.Für Mut und Risiko gibts keiben Applaus.

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  • hugina am 30.10.2015 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ist es

    genau so ist es. In der Schweiz ist man so gut bezahlt als Arbeitnehmer, warum eine eigene Firma gründen wenn man schon einen super Lohn hat. Diese die sich dann Selbständig machen, wollen in Ihrem Business einfach frei sein wie Designer etc. den klassischen Investor gibt es eigentlich nicht und sowieso, es werden alle sagen dass es sowieso nicht funktionieren wird mit der Selbständigkeit.

  • Retschi84 am 30.10.2015 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bern

    Dort gibt es sogar eine super tolle Start up Szene zum austauschen und treffen. Da sind tolle Ideen dabei aber leider werden zuviele Zuwenig unterstützt finanziell und mit Plattformen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sandra am 01.11.2015 23:08 Report Diesen Beitrag melden

    Uncool

    Der Mann liegt nun aber völlig falsch. Wir sind nun definitiv viel innovativer als Dänemark, aber der Start einer Firma im Internetsektor ist schwer in der Schweiz, was vor allem daran liegt das Schweizer ohne Hipe aus USA in keine einzige Firma investieren würden. Eigentlich finden die meisten das innerlich völlig öde.

  • Jeremias am 01.11.2015 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu kleines Land

    Die Schweiz ist völlig ungeeignet um heute eine Unternehmung mit weltpotential zu starten. Der Hauptgrund, wir sind zu klein und zu kompliziert. Aus der Deutschweiz gestartet muss sofort auch Deutschland mit seinem viel grösseren Markt eingebunden werden, sonst wird das nichts.

  • Thomas am 01.11.2015 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Startup in der Schweiz

    Also, ich habe ein grösseres Startup Unternehmen letztes Jahr gegründet. Eine absolute Neuheit auf dem Schweizer Markt. Ich kann bestätigen, dass es gerade hier in der Schweiz sehr schwierig ist etwas ganz neues zu entwickeln und dann auch wirklich umzusetzen! In mehreren Ländern dieser Welt habe ich schon erfolgreich Unternehmen errichtet und geführt. Es war nirgendwo so kompliziert und schwierig wie hier in der CH!!! Aber dafür ist der CH Kunde, wenn man diesen mal überzeugt hat, der angenehmste Kunde den man sich nur wünschen kann.

  • klarseher am 01.11.2015 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Shoot for the moon

    Komm vergesst es. Lest mal das Buch "Silicon Valley". Dann sollte dem Hinterletzten klar sein, dass das Hauptproblem der Mindset in Europa ist. Da ticken die Amis klar anders. Europa hockt geistig noch vor 20 Jahren: lückenlose Businesspläne, CV darf nicht mehr als 2 Stellenwechsel aufweisen, "shoot for the moon" - häää?, was ist das? Forget it.

  • M.S. am 01.11.2015 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab

    Weiss jemand ob dieser hübsche Mann noch single ist? Ich bewundere genau solche Typen! Die es schaffen, nach dem Fallen wieder aufzustehen (Konkurs). Die soviel Mumm, Mut und Kraft haben, etwas zu "kreieren" und all die Neider ignorieren. Hut ab!