Borer über Steuerdeal

23. November 2012 12:06; Akt: 23.11.2012 13:50 Print

«Wir müssen raus aus diesem Teufelskreis»

von Sandro Spaeth - Das Steuerabkommen mit Deutschland ist tot. Ex-Botschafter Thomas Borer schlägt vor, mit der EU neu zu verhandeln. Die jetzige Strategie sei zum Scheitern verurteilt.

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(Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Der deutsche Bundesrat hat den Steuerdeal bachab geschickt. Hatte das Abkommen je eine Chance?
Thomas Borer: Ich bedauere, dass das Vorhaben gescheitert ist. Der Vertrag wurde aber nicht schlecht verhandelt. Das Problem ist: Die Strategie der Abgeltungssteuer ist gegenüber Deutschland nicht umsetzbar. Man hat es versucht und ist gescheitert. Noch ist aber nichts verloren.

Es besteht die Möglichkeit eines Vermittlungsausschusses…
Auch diesem räume ich geringe Chancen ein. Für die deutsche Opposition geht es um eine Gerechtigkeitsfrage. Angesichts des bevorstehenden Wahlkampfs will Links-Grün keine Kompromisse eingehen. Das Abkommen ist aber nicht am Wahlkampf gescheitert. Ich habe schon früh versucht, deutsche Politiker von der Effizienz der Abgeltungssteuer zu überzeugen. Doch man hatte wenig Verständnis.

Die Schweiz könnte dem Vermittlungsausschuss ein Zückerchen anbieten – und nachträglich Informationen über Abschleicher liefern.
Dann wäre der Vertrag so einseitig, dass ich den Gewinn für die Schweiz und ihre Banken nicht mehr sehe. Man würde sozusagen den automatischen Informationsaustausch über die Hintertüre einführen. De facto hat man ihn schon den USA gewährt. Nun würde man ihn auch Deutschland gewähren. Durch Deutschlands Möglichkeit, sogenannte Gruppenanfragen zu stellen, hätte man das Bankgeheimnis zwar de jure gerettet, de facto aber nicht.

Ein solches Nachgeben wäre aber auch rechtlich problematisch…
Ja, das ist richtig. Zudem würde es zeigen, dass man die Schweiz nur lange genug unter Druck setzen muss. Dann bekommt man alles, was man will. Ich schlage Neuverhandlungen mit der Europäischen Union vor. Beim aktuellen Vertrag ist es aus Schweizer Sicht nicht mehr möglich, weitere Konzessionen zu erhalten.

Wie wäre Ihre Strategie?
Ich sehe jetzt keine andere Alternative, als der Europäischen Union Verhandlungen über den automatischen Informationssaustausch anzubieten. Die jetzige Situation führt zu ungeheuer viel negativer Berichterstattung über den Finanzplatz, der auf Steuerhinterziehung und Schwarzgeld reduziert wird. Aus diesem Teufelskreis müssen wir uns befreien. Im Gegenzug müsste die Schweiz von der EU aber den freien Marktzugang für Schweizer Finanzdiensleister verlangen.

Ist der aktuelle Bundesrat dazu in der Lage?
Ein Festhalten an der jetzigen Strategie führt spätestens in drei Jahren zu Kapitulationsverhandlungen. Ich würde es vorziehen, jetzt Friedensverhandlungen anzustreben und gute Lösungen für die Altlasten zu suchen.

Wie schlimm ist dieser Tag für die Schweizer Banken?
Ich bin kein Bankier. Die Niederlage ist aber sicher nicht ein Weltuntergang. Wahre Verhandlungskunst zeigt sich, wenn man nach einer Niederlage rasch wieder mit neuen Vorschlägen versucht, eine pragmatische Lösung zu finden.

Dann bleibt den Banken letztendlich nichts anderes übrig, als die Kröte des automatischen Informationsaustausches zu schlucken?
Der automatische Informationssaustausch ist nicht des Teufels. Man muss genau analysieren, was er überhaupt beinhaltet. De facto hat die Schweiz wegen des amerikanischen Fatca-Abkommens und der grosszügigen Rechtshilfe gegenüber den Vereinigten Staaten den Informationsaustausch bereits eingeführt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R. M. am 23.11.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Illoyal

    Gott sei dank war er nie Schweizer Botschafter oder so etwas, weil er jetzt unserem Land in den Rücken fällt. Wartet mal eine Sekunde. Schade, dass er nicht loyal zur Schweiz ist, nachdem er Botschafter für unser Land sein durfte.

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  • Daniela V. am 23.11.2012 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    ICH fordere....

    ...das ab sofort auch jeder Hersteller eines Raserautos zur Rechenschaft gezogen wird und nicht der Raser selbst. Genau das will ja Deutschland auch mit unseren Banken. Und jeder Raser der sich nicht selbst meldet, muss ab sofort nun von AUDI, BMW und Mercedes gemeldet werden!

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  • Starke Schweiz am 23.11.2012 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wer die Wahl hat

    Lieber ein reiches Steuerparadies, mit einem intakten Bankgeheimnis und einem florierenden Finanzplatz, als ein kuschendes Land und Banken, die ihre Kunden willkürlich bei den Steuerämtern des Heimatlandes verpfeifen. Steuerhinterzieher wird es immer geben und sie werden einfach in andere Länder ausweichen wenn die Schweiz den automatischen Infoaustausch einführt. Vermuchtlich sind nicht wenige davon deutsche Politiker die eben das Steuerabkommen abgelehnt haben, weil sie so für ihr in der Schweiz deponiertes Geld am wenigsten zu befürchten haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franco am 26.11.2012 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    BORER-RATSCHLÄGE SIND ZU SCHWAMMIG

    Warum überlässt man diesen Mann dauernd eine Plattform ? Herr Borer ist für die Schweizer Politik nicht der richtige Verhandlungs-Partner - er schadet der CH-Politik mehr als er nützt.

  • Supermario am 26.11.2012 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Der liebe Herr Borer

    Der liebe, eloquente Sir Borer muss einfach von Zeit zu Zeit medienpräsent sein. Dank seiner Ex-Verbandelung mit den USA und auch Deutschland kann ich mir eine wirkliche neutrale Einstellung nicht so recht vorstellen

  • josef tell am 25.11.2012 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    ehrenwerter Herr

    vor ca. 1 Jahr wollte Herr Borer noch mit dem Zweihänder den Deutschen gegenübertreten, mit andern Worten er wollte sich in Szene setzen für die Schweiz, welches Hose in die Hose ging . Heute tut er das für Deutschland in der Schweiz , über seine Firma Content 5 welche in München beheimatet ist, es würde mich nicht wundern, im Auftrag der deutschen Bundesregierung.

  • Dr. Martin K., Zürich am 25.11.2012 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Der hat uns noch gefehlt

    Der Borer-Kommentar hat uns gerade noch gefehlt. Dank dem Addressbuch welches er über Jahre als Staatsangestellter zusammenstellen konnte verdient er heute sein Geld. Eigentlich gehört es dem Steuerzahler

  • Paul Schlatter am 25.11.2012 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Finanzhalunken

    Das Lobbing der Finanzhalunken und Bankster wird uns noch das Genick brechen. Aber eben, den kriminellen und mafiösen Machenschaften gewisser Grossbanken ist dies egal... Hauptsache das Geld fliesst in gewisse Taschen.