Post-Chefin Ruoff

27. Februar 2015 07:44; Akt: 04.03.2015 13:29 Print

«Wir prüfen die Drohnentechnik»

von Isabel Strassheim - Post-Chefin Susanne Ruoff will die Zukunft des Logistikkonzerns angehen. Und auch das Schleckzeug-Sortiment in den Poststellen ausmisten.

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Frau Ruoff, die Poststellen entwickeln sich zu Gemischtwarenläden. Viele Kunden stört das – wo bleibt das Profil?
Susanne Ruoff: Der Umsatz von jährlich 500 Millionen Franken mit Drittprodukten in unsern Poststellen zeigt, dass Kunden die angebotenen Produkte seit mehr als zehn Jahren gerne bei uns kaufen. Wir sind etwa für Telekom-Anbieter zu einem etablierten Kanal geworden. Der Verkauf dieser Produkte hilft, unser defizitäres Poststellennetz besser auszulasten und mitzufinanzieren.

Aber die Post ist eben auch eine Schleckzeug-Verkäuferin.
Wir haben auch solche sogenannten Impulsprodukte. Wir sind momentan dabei, unser Sortiment zu überprüfen. Es stimmt, wir brauchen auch eine gewisse Fokussierung.

Die Poststellen könnten sich zum Beispiel mit Öko-Produkten ein Image geben.
Wir werden klarer auftreten. Wir gehen das an.

Die Schalterangestellten stehen wegen vorgegebener Verkaufsziele unter grossem Druck.
Druck ist eine persönliche Empfindung. Es stimmt, wir geben Ziele vor. Die sind lokal, aber je nach Bevölkerungsstruktur angepasst. Für den einzelnen Mitarbeitenden ist das Ziel 0,8 Prozent lohnwirksam. Der grösste Teil der Mitarbeitenden sieht das aber positiv, wie unsere jährliche Personalumfrage zeigt. Man darf nicht vergessen: Unsere jüngeren Schalterangestellten sind ausgebildete Detailhandelsangestellte, unser Personal ist für den Verkauf geschult.

Und wie steht es mit Innovationen?
Wir haben sogar eine eigene Abteilung «Innovation und Entwicklungsprogramme». Generell ist die Post mit Neulancierungen aktiv wie beispielsweise der Postkarten-App, der SMS-Briefmarke, dem Patientendossier «vivates» oder E-Post-Office. Wir sind auch im regen Dialog mit Start-up-Firmen und schicken Mitarbeitende nach Asien oder ins Silicon Valley.

Mit welchen Ideen kommen diese zurück?
Aus der Abteilung kommt zum Beispiel der Ansatz für das neue Mobilitätslabor in Sion. Hier entwickeln und testen wir mit Partnern aus Wirtschaft, Forschung und Politik intelligente und innovative Mobilitätslösungen für die Zukunft der Schweiz.

Wird die Post bald auch Drohnen zur Auslieferung nutzen?
Wir prüfen die landgebundene oder fliegende Drohnentechnik genau, sie ist in der Logistik naturgemäss interessant. Wir prüfen allfällige konkrete Anwendungsmöglichkeiten und die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen für ihren Einsatz.

Wo könnten die eingesetzt werden?
Sie könnten innerbetrieblich für die Überwachung unserer Sortierzentren nützlich sein oder auch für andere Einsatzgebiete. Diesbezügliche Entscheide gibt es zum heutigen Zeitpunkt aber nicht.

Entscheidend ist, ob es die Post schafft, die Pakete des Online-Handels an Kunden auszuliefern, die kaum zuhause sind.
Über 90 Prozent der Pakete kommen bei der ersten Auslieferung an. Das ist eine rekordverdächtige Erstzustellungsquote. Der in der Schweiz übliche Milchkasten als Ablagefach für Pakete ist da der Hauptgrund.

Kann ich mir ein Paket in Zukunft auch ins Fitnesscenter oder in die Beiz liefern lassen?
So weit sind wir noch nicht, wir werden den flexiblen Empfang von Paketen aber weiter vereinfachen. Der personalisierte und individuelle Paketempfang, beispielsweise indem ich als Kunde auch ein Zeitfenster für die Auslieferung festlegen kann, sind weitere Bestrebungen und Pilotprojekte. Das ist für die Logistik ein hochkomplexer Prozess, denn die Botentouren müssen dann noch genauer geplant werden.

Wo holen Sie Ihre Pakete ab?
Ich bin nicht zuhause, wenn mein Päckli kommt. Ich adressiere es an den Arbeitsort oder ich kann es – wann immer ich will – im Paketautomaten abholen.

Mit E-Post-Office bieten Sie an, sich Briefe auch per Mail zuschicken zu lassen. Sie müssen nicht nur das Briefgeheimnis, sondern auch das E-Mail-Geheimnis wahren.
Die sichere, verschlüsselte Übermittlung ist wählbar für den Kunden. Das ist dann wie ein eingeschriebener Brief. Totale Sicherheit kann aber niemand garantieren, man kann ja auch den herkömmlichen Brief abfangen und öffnen.

Wird es den Papierbrief in zehn Jahren noch geben?
Der Mensch funktioniert auch weiterhin physisch: Wir haben gerne etwas in der Hand. Das papierlose Büro gibt es noch nicht, obwohl es immer wieder propagiert wurde. Eine unabhängige Studie zeigt, dass Werbebriefe eine höhere Wirkung haben als E-Mails. Selbst Rechnungen oder wichtige Dokumente möchten die meisten Menschen lieber auf Papier statt digital. Aber es ist klar, der Wandel ist da – und wir verändern uns mit unseren Dienstleistungen entlang der neuen Kundengewohnheiten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • eine leidende am 27.02.2015 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Post

    das jüngere Schalterpersonal ist gut ausgebildet;ja,sicher! Aber was macht man mit dem älteren Personal das jeden Tag gewissenhaft die Pflicht erfüllt und seit Jahren nicht krank war? Ja,diese werden massiv unter Druck gesetzt damit sie sich möglichst frühpensionieren lassen! Wer bezahlt diese Ausfälle? Wohl nicht Frau Ruoff,oder? Aus einem Vorzeigearbeitgeber ist ein blutsaugender Betrieb geworden!

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  • Petra Halter am 27.02.2015 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Schwerfällig langsam ...

    Dass die Dame bei IBM war kommt vom Wissenstransfer bei der Post nicht an, vielleicht liegts an der Frau. Sie spricht immer von 500 Mio Umsatz beim Gemischtwarenladen Poststellen und Verkauf ... wirklich wichtig ist der Wert der Umsatzzahl nicht, wichtiger wäre wie das Kosten Einnahmeverhältnis ist ... das schweigt sich die Dame aus guten Gründen aus!

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  • Tom Grassu am 27.02.2015 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    Für was Drohnen?

    Management by Helicopter wird ja von der oberen Führung schon lange praktiziert. Und die Personalumfragen sind auch nur ein Witz. Die Fragen sind so gestellt, dass der AG gar nicht schlecht abschneiden kann und die schlechtesten 2% werden gar nicht berücksichtigt. Und ich weiss dass nicht nur PV enormen Druck hat, sondern auch PM, oder wieso können di4e keine 2 Sekunden mehr warten, wenn sie ein paket abgeben müssen? Da wird geklingelt und gleich danach der gelbe Zettel ausgefüllt. Immer mehr Töchter bei welchen die AN ausgenommen und -genützt werden. Unwürdig für einen Bundesbetrieb!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • JVM am 28.02.2015 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verteile Briefe!

    Eine Drohne hat gut 30min Energie, danach ist Schluss... Ganz zu schweigen von Reglementierungen und sonstige Hindernisse oder Gefahren. Anhand dieser Aussagen merkt man wie genial sie ist... Sollte lieber Briefe verteilen-entspricht eher den gegebenen Fähigkeiten. Oder alternativ einen Kiosk leiten, was der Ideologie entsprechen würde.

  • Petra am 27.02.2015 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausgebildete Verkäufer??

    Unsere Post wird demnächst geschlossen und als Pick-Post in den Volg verlagert. Ich find's gut. Und von den bisherigen Postschalter-Angestellten bei uns im Dorf hab ich noch nie etwas zu sehen oder hören bekommen, was auch nur auf eine einzige Minute Ausbildung hinweist. Dienstleistung nicht, und Verkauf schon gar nicht. Von denen würd ich mich nie gut beraten fühlen, nicht bei Handyabos und noch weniger bei Versicherungen etc. Bei so demotivierter Einstellung wird die niemand vermissen. Die Paket-Pöstler bei uns hingegen sind top. Es ginge also, und die haben auch keine einfachere Situation.

    • Peter am 27.02.2015 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ich kauf da eh nie was

      Bei uns dasselbe. Man muss sich durch den Ramsch-gefüllten Raum schlängeln, bis man am Schalter ist, dann völlig desinteressierte Gesichter, die mit Glück grad mal grüssen und einen auch nach 10 Jahren immer noch nicht kennen, obwohl man 1-2 x pro Woche was abholt und immer freundlich grüsst. Dafür fragen sie neuerdings, ob man noch was braucht, z.B. ein Handyabo, Abfallsäcke oder Gummibärli, die grad in Aktion seien... Ich kauf da nie was, was nicht Post-spezifisch ist, weil mich genau diese Ramschladen-Kultur nervt.

    • Peterli Pan am 27.02.2015 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Es geht ja auch nicht um die Kunden

      Und auch nicht um die Angestellten... Trotzdem bin ich einverstanden, dass man als Angestellte/r bezahlt wird für den Job, den man macht, und den Kunden zumindest grüssen könnte. Selbstmotivation ist Selbstverantwortung. Bei uns fragen sie seit einiger Zeit auch dauernd 'brauchen sie noch dies oder das', was ich aus Sicht Umsatzdruck verstehen kann, was ich aber total aufdringlich finde. Kürzlich sagte eine 'wollen sie nicht noch Bonbons? Die werden sonst alt.' Super Verkaufsargument! ;-)

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  • max62 am 27.02.2015 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn ich das lese

    weiss ich das es nicht besser wird, weder für die Kunden noch für Angestellten.

  • Pöstli am 27.02.2015 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Laden

    Topmanager sind auf der ganzen Welt gleich, ob mit Hosen oder Rock! Eine der Schweiz angepasste Führung der Post wäre effizienter und nicht immer das Ziel :Geld! dieser Gemischtwarenladen springt von stein zu Stein und jeder Boss hat ein anderes Ziel. Die Kunden sind Nebensache!

  • Phg am 27.02.2015 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkt nach

    Zum gähnen, nach einem Jahr in den USA gerade verhindert DENKT die Post nun über Drohnen nach