Wegen Datendiebstahl

30. August 2012 13:00; Akt: 30.08.2012 13:39 Print

Bank Julius Bär kriecht zu Kreuze

Nach dem jüngsten Datenklau wendet sich die Privatbank an ihre deutschen Kunden und bettelt um Vertrauen. Julius Bär ist im Steuerstreit fein raus – ihren Kunden aber dürfte es an den Kragen gehen.

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Diesen Brief erhielten die Kunden von Julius Bär am 17. August.

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Die deutschen Kunden von Julius Bär haben derzeit wenig zu lachen. Sie müssen damit rechnen, dass die Steuerfahnder aufkreuzen, Büros und Villen durchsuchen und Dokumente beschlagnahmen. Die Bär-Kunden wurden von einem Bankmitarbeiter verraten. Er hatte Daten entwendet und an die berüchtigten Steuerfahnder von Nordrhein-Westfalen verkauft.

Die Bank hat den jüngsten Datenklau nach eigenen Angaben aufgrund von «verschärften Kontrollmechanismen und einer umfangreichen internen Untersuchung» festgestellt. Der mutmassliche Verdächtigte mit Arbeitsort Zürich sei entlassen und verhaftet worden.

Hoffen auf Vertrauen

Wie der Finanzblog «Inside Paradeplatz» – derzeit wegen Hackerangriffen zu Gast bei 20 Minuten Online – in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, hat sich die Bank in einem Brief an ihre deutsche Kunden gewandt. «Wir hoffen, dass wir trotz dieses bedauerlichen Vorfalls weiterhin Ihr Vertrauen geniessen dürfen», fleht Gian Rossi, Nordeuropa-Chef von Julius Bär. Die Bank wollte das Schreiben auf Anfrage von 20 Minuten nicht kommentieren.

Der Brief wurde vor rund zwei Wochen verschickt – erst neun Tage später machte die «SonntagsZeitung» am letzten Wochenende die Verhaftung und die Entlassung des Mitarbeiters publik. Nach Angaben der Bank handelt es sich beim Datendieb um einen Einzeltäter.

Bereits durch eigene Meldung bekannt?

«Wir bedauern diesen Vorfall ausserordentlich», schreibt die Bank in dem Brief weiter. «Umso wichtiger ist es uns, Sie deshalb zeitnah zu informieren.» Weiter schreibt Nordeuropa-Chef Rossi, dass die Bank davon ausgehe, dass die Kunden dem Steueramt bereits durch eigene Meldung bekannt seien. Ansonsten würde man bei Bedarf gerne Unterstützung anbieten. Etwas anders ausgedrückt heisst das: Die Banker von Julius Bär glauben, dass die Kunden mit dem Schwarzgeld-Versteckspiel längst aufgehört haben.

Im Kundenschreiben vermutet die Bank, dass die deutschen Steuerfahnder «umfassendes Datenmaterial besitzen würden». Konkret: Name, Wohnort, Depotnummer, Eröffnungsdatum und Wert. Dieses Datenmaterial sei «wenig brisant», zitiert «Inside Paradeplatz» eine anonyme Quelle. Laut dem Zürcher Banker gehe aus dem Brief hervor, dass keine Nummernkonti und komplexe Strukturen mit Verbindung in Finanzparadiese vom CD-Raub betroffen seien.

Die Bank ist fein raus

Der aktuelle Fall von Datenklau ist nicht der erste in der Geschichte von Julius Bär. Für internationales Aufsehen sorgte Rudolf Elmer, Ex-Geschäftsleiter der Bär-Filiale auf den Cayman Islands. Vor seiner Entlassung im Jahr 2002 gab er geheime Kundendaten an Steuerbehörden und die Enthüllungsplattform Wikileaks weiter.

Zudem erwarben die Behörden von Nordrhein-Westfahlen bereits im Herbst 2010 eine CD mit Steuersünderdaten der Bank Bär, worauf sich etliche Kunden selbst anzeigten. Im Zuge von umfangreichen Ermittlungen zahlte die Schweizer Privatbank im Frühjahr 2011 50 Millionen Euro und kaufte sich von den Problemen in Deutschland frei.

Die Ermittlungen gegen die Bank und ihre Mitarbeiter wurden eingestellt. Nicht vom Deal betroffen sind hingegen die Julius-Bär-Kunden. Sie müssen weiter warten und zittern, denn die umtriebigen Steuerfahnder könnten jeden Moment zuschlagen.

(sas)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus Witschi am 30.08.2012 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hausdurchsuchung nach Vorankündigug???

    Warum sind Hausdurchsuchungen nötig? Reichen die Beweise auf der CD nicht aus? Die paar Briefe lassen sich ja vorher vernichten...

  • Tobias am 30.08.2012 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Brief-Massenversand verschickt

    und die Post hat sich die Adressen dieses Massenversand wohl gemerkt.

    • Supermario am 31.08.2012 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      Blöde Frage

      Und was soll sie damit anfangen??? Gibt glaub irgendwo auch noch ein Postgeheimnis, über welches wir dann auch wieder diskutieren müssen???

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  • Vreni F. am 30.08.2012 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Empörte Bürgerin!

    Skandalös, da entschuldigt man sich, dass der Betrug aufgeflogen ist, ich bin über solch Dreistigkeit schockiert. Das ist doch nur noch lächerlich! Wieso lassen wir das eigentlich zu, wie konnte das passieren? Diese Menschen müssen allesamt zur Rechenschaft gezogen werden!

    • R. Uhrsam am 31.08.2012 19:34 Report Diesen Beitrag melden

      Wer lesen kann ist klar im Vorteil..

      @Vreni F: Bitte richtig lesen: Im Brief steht doch... so lese ich es zumindest... das die Bank davon ausgeht dass die Daten der Wohnsitzsteuerbehörde bekannt sind, sprich das Vermögen korret angeben worden ist... Die Bank entschuldigt sich für den Datenklau...

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  • Peter M am 30.08.2012 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Client Data Confidentiality (CDC)

    Die Sorgfaltspflichten der Schweizer Banken in Sachen Bankgeheimnis ist durch eine Anonymisierung von Kundendaten (zur Datensicherheit) gewährleistet. Client Data Confidentiality - Aus echten Stammnummern mit direktem Link zu Namen und Kontodaten generiert das System einen künstlichen Schlüssel, der eindeutig auf den jeweiligen Kunden hinweist, ohne diesen zu nennen. Die wichtigen Kundendaten auf Schweizer Banken sind zum Schutz vor Missbrauch (intern) verschlüsselt und mehrfach gesichert. Drängen hier vielleicht erneut Akteure mit öffentlichen Aussagen zur Selbstanzeige?

    • Hans Rudi am 30.08.2012 15:34 Report Diesen Beitrag melden

      Und was soll uns das nun Sagen

      Was soll uns das nun sagen? Einer wo weiss wie man zu den Daten kommt kann problemlos solche sicherheitslücken übergehen. Aber warum macht ihr euch über sicherheitslücken verrückt. Wenn das Bankgeheimniss weg ist wirds keine spionage mehr geben. Bleibt das Bankgeheimniss, werden weiterhin Daten geklaut. Egal wie sicher das System ist. Und was soll ein Trittbrettfahrer davon haben solche Briefe zu veröffentlichen?

    • Markus am 30.08.2012 16:49 Report Diesen Beitrag melden

      @ Hans Rudi

      das soll uns sagen, dass nicht jeder x-beliebige Bankangestellte die Daten abrufen geschweige denn kopieren kann - bei uns hat kein PC ein CD-Laufwerk, USB-Anschlüsse sind gesperrt und können nur von der IT entsperrt werden. Somit schränkt das wohl den möglichen Täterkreis ziemlich ein. Meiner Logik zufolge haben eigentlich nur die IT-Mitarbeiter (natürlich nicht alle) Zugriff auf die Kundendaten UND die Möglichkeit die Daten zu exportieren. Klaro gibt es noch die Möglichkeit via E-Mail aber das hinterlässt zu viele Spuren. Von Sicherheitslücken hat Peter M nie gesprochen

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  • Steuerpflichtiger am 30.08.2012 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Steuerpflichtigen sind schuldig

    Die Steuerpflichtigen, welche Gelder verstecken oder Vermögen verschweigen sind die Schuldigen. Die Banken sind nicht die Schuldigen.

    • Robert Stadler am 30.08.2012 15:36 Report Diesen Beitrag melden

      Dass ich nicht früher darauf kam...

      Ach, so einfach ist das also! Na dann! Wenn mich nächstens mal ein Dieb bitten sollte, doch einen Teil seiner Einbruchsbeute für ein paar Jahre gegen Geld in meinem Keller zu verstecken, werde ich es also auch tun. Schweizer Kellergeheimnis gewissermassen.

    • Schmidti am 30.08.2012 16:30 Report Diesen Beitrag melden

      @ Robert

      @ Robert, Cool gesagt. Bekomme ich dann auch genug gewinn vom Räuber, das sollte man vorher klären. Aber du hast Recht, genauso ist es.

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