Germanwings-Katastrophe

25. März 2015 16:23; Akt: 25.03.2015 17:25 Print

Sparen Billigflieger bei der Sicherheit?

von Laura Frommberg - Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine keimen Zweifel an der Sicherheit von Billigfliegern auf. Doch die Low-Cost-Airlines sparen an anderen Orten.

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Am 24. März 2015 stürzte eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ab. 150 Personen kamen ums Leben. Der Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug absichtlich abstürzen lassen. Der Pilot hatten den Airbus 320 vor dem Crahs absichtlich beschleunigt. Der Flugdatenschreiber bestätigt: Der Co-Pilot der zerschellten Germanwings-Maschine hat das Flugzeug in den Minuten vor dem Absturz mehrfach beschleunigt. Die Suche nach dem zweiten Flugschreiber stand lange im Fokus der Rettungsarbeiten. Die zweite Blackbox sollte wichtige Erkenntnisse liefern. Trümmerfeld in den französischen Alpen. Die Bergungsarbeiten in dem unwegsamen Gelände gestalten sich schwierig. Die Suche nach den Opfern des Absturzes läuft auf Hochtouren. Das steile Gelände erschwert die Arbeit. Überall liegen Gegenstände der Opfer. Rettungskräfte bergen die Opfer des Flugzeugabsturzes in den französischen Alpen. Das Bergen der Germanwings-Opfer belastet die Rettungskräfte sehr. Die Arbeit ist physisch und psychisch schwierig. Daher werden nur erfahrene Leute eingesetzt. Trümmerteil mit der deutschen Flagge. Ein Helikopter überfliegt das Trümmerfeld. Angehörige der Opfer treffen am 26. März mit Bussen in der südfranzösischen Gemeinde Seyne-les-Alpes nahe des Absturzortes ein. Vor Ort fand eine erste Gedenkfeier und Kranzniederlegung statt. Die Rettungskräfte halten die Flaggen der Länder, aus denen die Opfer stammen. Ungefähr zeitgleich durchsuchten Ermittler am Donnerstag, 26. März, die Wohnung von Lubitz. Er soll in einer Wohnung in Düsseldorf gewohnt haben. «In unseren schlimmsten Albträumen hätten wir uns nicht vorstellen können, dass sich so eine Tragödie in unserem Konzern ereignen könnte», sagte Lufthansa-CEO Carsten Spohr an einer Pressekonferenz. Die französische Staatsanwaltschaft informierte über die Absturzursache: Ein Unfall wird ausgeschlossen. Der Co-Pilot war während des Sinkfluges bei Bewusstsein und antwortete bewusst nicht auf sämtliche Kontaktversuche. Die Trümmer des Airbus sind über vier Hektaren verteilt. Einige Schüler haben sich vor dem Joseph-König-Gymnasium im deutschen Haltern versammelt. Der Chef der französischen Luftfahrtbehörde, Rémi Jouty, sagte an einer Pressekonferenz, dass aus der gefundenen Blackbox brauchbare Audiodateien extrahiert werden konnten. Nun müssen sie noch analysiert werden. Die Bergungskräfte sind in dem unwegsamen Gelände am Absturzort des Germanwings-Fluges angekommen. Die Maschine ist in viele einzelne Teile zerborsten, was die Bergung erheblich erschwert. Die Wrackteile sind überall verstreut. Mehrere Helikopter machten sich am Mittwoch auf den Weg zur schwer zugänglichen Unglücksstelle. Im Alpenort Seyne sind Helfer und Journalisten vor Ort. Eine der beiden Blackboxes des abgestürztes A320. Der am Dienstag geborgene Stimmrekorder wurde nach Paris zur französischen Luftfahrtermittlungsbehörde BEA gebracht. Die Germanwings-Maschine ist beim Absturz in sehr kleine Teile zerbrochen. Die Toten sollen nicht mehr am Mittwoch geborgen werden, im Vordergrund steht die Suche nach der zweiten Blackbox, dem Flugdatenschreiber. «Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass dieser schnelle Höhenverlust des Flugzeugs für den Augenblick unerklärt bleibt», sagte Brice Robin, Staatsanwalt von Marseille. Am Joseph-König-Gymnasium in Haltern ist der Schock riesig. Zahlreiche Kerzen wurden vor der Schule niedergelegt. Ulrich Wessel, der Rektor des Gymnasiums, gab am Mittwoch eine Pressekonferenz: «Eine fröhliche Fahrt endete in einer Tragödie.» Ein Kondolenzbuch liegt im Berliner Dom aus. Die Fahnen sind bei Lufthansa und Germanwings auf Halbmast. Um 10.53 Uhr legten die Airlines eine Schweigeminute für die Opfer ein. Ein Bild der Absturzstelle zeigt die Trümmer des Airbus. Überall liegen Trümmerteile. Das Flugzeug ist im Gebirge zerschellt. «Entsetzliche Bilder in dieser Berglandschaft. Es bleibt nichts ausser Trümmern und Leichen», twittert Christophe Castaner, Abgeordneter der Region Alpes-de-Haute-Provence. Helikopter überfliegen die Unglücksstelle. Die Absturzstelle liegt an einer schwer zugänglichen Stelle im L'Estrop-Massiv. 144 Passagiere und sechs Crewmitglieder waren an Bord der abgestürzten Maschine der Germanwings. Es gibt keine Überlebenden. Die Maschine war in Barcelona gestartet und auf dem Weg nach Düsseldorf. Die Retter werden abgeseilt. Die Einsatzkräfte versammeln sich nahe der Absturzstelle in Seyne-les-Alpes. Insgesamt sind Hunderte Personen aufgeboten. Es handelt sich um Helikopter der französischen Luftwaffe und der Zivilschutzdienste. Auch Mitglieder der Gendarmerie sind vor Ort. Die Leichen der Opfer sollen vorläufig in einer Sporthalle in Seyne-les-Alpes aufbewahrt werden. Es könne einige Zeit dauern, bis die Rettungskräfte an der Unglücksstelle ankämen, heisst es in französischen Medien. Teenager versammeln sich vor dem Joseph-König-Gymnasium in Haltern am See, wo die Opfer zur Schule gingen. 16 Schüler und zwei Lehrer waren an Bord der Unglücksmaschine. Die Unglücksmaschine soll in kurzer Zeit sehr viel Höhe verloren haben, die Piloten hätten kein Notsignal abgegeben, melden französische Medien. Einsatzkräfte in der Nähe des Absturzortes. Die Absturzstelle befindet sich an einer schwer zugänglichen Stelle. Ein Leser hat das Unglücksflugzeug bei einem Anflug auf Zürich fotografiert. Der französische Präsident François Hollande begrüsst das spanische Königspaar. König Felipe und Königin Letizia befanden sich zum Absturzzeitpunk bereits in Frankreich auf einem Staatsbesuch. Spanier und Deutsche befanden sich an Bord des Flugzeugs. Eine Angehörige wartete in Düsseldorf auf die verunglückte Maschine aus Düsseldorf. Die Angehörigen werden von Flughafenmitarbeitern betreut. Ein Care-Team betreut die wartenden Angehörige am Flughafen Düsseldorf. Anzeigetafel am Flughafen Düsseldorf. «Unsere Gedanken sind jetzt bei allen Angehörigen und Freunden unserer Passagiere und Crew», sagt Carsten Spohr, CEO der Lufthansa. Bei der Unglücksmaschine handelt es sich um diesen Airbus A320 der Fluggesellschaft Germanwings - hier zu sehen bei einem Anflug auf Zürich, fotografiert von Leser Stefan Siegenthaler. Die Unglücksstelle liegt im Süden Frankreichs.

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Fehler gesehen?

Nach einem tragischen Unfall beginnen schnell Spekulationen darüber, wie dieser passieren konnte. Auch im Fall von Germanwings-Flug 4U9525 ist das der Fall. In den sozialen Medien diskutieren die User etwa, ob Billigflieger wie Germanwings, Easyjet oder Ryanair generell unsicherer sind als andere Fluggesellschaften.

Die Statistik widerspricht dieser These. Die Anzahl der Zwischenfälle unterscheidet sich nicht von der bei traditionellen Anbietern. Der Germanwings-Absturz vom Dienstag war der erste in der Geschichte der Lufthansa-Billigtochter. Weder Easyjet noch Ryanair hatten jemals Unfälle mit Todesopfern. Auch bei kleineren Anbietern wie der ungarischen Wizz oder Air Baltic sieht es so aus. «Sicherheit ist unsere oberste Priorität und wir halten uns an alle geltenden Standards», heisst es bei Easyjet. «Wir haben nie einen schlimmen Unfall erlebt», so eine Sprecherin zu 20 Minuten. «Unsere 29-jährige Sicherheits-Geschichte ist nichts, was man einfach leugnen kann», sagte denn auch Ryanair-Kommunikationschef Robin Kiely vor einiger Zeit zu ähnlichen Vorwürfen gegenüber dem Fachportal Aerotelegraph.

Wie sind die Tickets zu Dumping-Preisen denn möglich? Erklären lässt sich das am besten an der Radikal-Strategie von Ryanair. Zumindest einen Teil der Spartricks wenden alle Billiganbieter auch an.

Kaufen, wenn andere sparen
Billigflieger handeln antizyklisch. Übersetzt heisst das: Wenn andere sparen und ihre Flotten reduzieren, kaufen sie neue Flugzeuge. Denn die sind dann besonders billig. So hat etwa Ryanair nach dem 11. September 2001 einen Grosskauf getätigt. Eine US-Fluggesellschaft, die wegen der Anschläge finanzielle Probleme hatte, stornierte ihre Bestellung. Die Flieger gingen dann mit Rabatten an die irische Fluggesellschaft.

Auf eine einheitliche Flotte setzen
Billigflieger sparen, indem sie nur auf einen Flugzeugtypen setzen. Bei Ryanair ist das die Boeing 737, bei Easyjet der Airbus A320, bei Germanwings sind es ebenfalls Flieger der A320-Familie. So spart man Wartungs-, aber auch Personalkosten, weil alle Piloten auf denselben Typen geschult sind.

Weniger Personal einstellen
Ein Vergleich: Bei Ryanair kommt auf etwa 10‘000 Passagiere ein Angestellter, bei Premium-Airlines sind es zum Teil nur etwa 1000.

Personalkosten sparen
Oft erhalten Angestellte von Billigairlines keine Hotelübernachtungen am Zielort, sondern fliegen wieder an die Heimatbasis zurück. Ein Faktor, der in den vergangenen Jahren kritisiert wurde: Piloten werden von den Ultra-Low-Cost-Anbietern wie Ryanair nicht fest angestellt, sondern landen in sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Ob das eine Auswirkung auf die Sicherheit hat, ist ein ewiges Streitthema. Fakt ist aber: Wer in einem solchen Anstellungsverhältnis landet, arbeitet meist länger und für weniger Geld.

Langsamer fliegen
Es klingt absurd, ist aber wahr: Manche Billigairlines lassen ihre Piloten langsamer fliegen. Beispielsweise die österreichische Air-Berlin-Tochter Flyniki: Der Zeitverlust betrage bei einem Flug zwischen Wien und Frankfurt nur wenige Minuten. Dafür kann die Fluglinie aber Hunderte Liter Kerosin und Millionen Euro pro Jahr einsparen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Insider am 25.03.2015 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ex- Flugzeugmech.

    Ich habe in den Jahren 2003 bis 2007 bei der Swiss meine Lehre als Flugzeugmech absolviert. Wir Swissmechaniker waren in BSL ebenso für die damalige "Hello" sowie Easyjetflieger zuständig. Also die gleiche "Qualität" der Swisswartung fand auch für die Billigflieger statt. Obschon die Qualität bei der Swiss auch nicht die höchsten Standards hatte. Nach der Übergang der "Swiss Wartung" zur Lufthansa Technik Switzerland im 2008 habe ich die Firma verlassen, daher weiss ich nicht wie es heute aussieht. Daher nerve ich mich immer, wenn ich solche Kommentare lese. Die Wartungsstandards sind gut!

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  • Marco am 25.03.2015 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Malaysia usw.

    Als letztes Jahr noch andere Flugzeuge abstürzten war nie die Frage von Sicherheit. Jetzt, wenn mal ein Billigflieger einen Unfall hat, diskutieren alle darüber...

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  • Michel am 25.03.2015 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht möglich

    Die Sicherheitsvorschriften der Behörden sind für alle Airlines in Europa gleich, wenn sie nicht erfült werden dürfen die Flieger hier nicht verkehren. Insofern kann man bei der Sicherheit am Flugzeug überhaupt nicht sparen. Die Billigflieger schrauben jedoch massiv an den Löhnen und Arbeitsbedingungen der Besatzung was sich durchaus auf die Sicherheit der Airlines niederschlägt. Was nützt mir ein modernes super gewartetes Flugzeug wenn der Pilot dahinter müde und überlastet ist so dass er in einer Notsituation den Überblick nicht mehr hat? Diese Spirale des Geizes muss endlich aufhören.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ausfall am 26.03.2015 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Geld und Ruhezeit alleine garantieren

    noch lange kein glückliches Leben. Einfach nur tragisch, auf diese Art auf ein Problem aufmerksam zu machen, das in der Regel kaum oder gar nicht mit dem Ort des Geschehens zusammenhängt.

  • Tourist am 26.03.2015 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Kaum zu glauben...

    Zwei Tage vor diesem Absturz flog ich noch mit der Germanwings herum. Es ist ein echt komisches Gefühl und ich kann es noch immer nicht fassen.

  • Buttler am 26.03.2015 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    immer 2 Personen im Cockpit

    Vor einigen Wochen hat sich eine Cockpit-Türe verklemmt und der Pilot konnte nicht zurück. Dort ging alles gut. Könnte man nicht anordnen, dass ein anderes Crew-Mitglied ins Cockpit geht wenn einer der Piloten seinen Platz verlässt? Für alle Fälle ... (oder wäre das zu teuer?)

    • Buttler am 26.03.2015 16:34 Report Diesen Beitrag melden

      Aviatik-Experte Olav Brunner

      ist auf meinen Beitrag eingegangen. Früher war auf Langstreckenflügen eine 3-er Besetzung üblich. Herzlichen Dank.

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  • Eine Nummer am 26.03.2015 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Trick: Passagier bei der ...

    Sicherheitskontrolle aufhalten. Flug verpasst. Wenig bis keine Hilfe von der Airline/Allianz in dieser Situation. Gegebenenfalls unvorhergesehene Übernachtung und Billig-Ticket muss neu gekauft werden. Auch so geht's. Mit viel Glück übernimmt vielleicht die Reiseversicherung die Kosten. Die Umtriebe und den Ärger trägt man auf jeden Fall selber.

    • Tyrannski am 26.03.2015 12:51 Report Diesen Beitrag melden

      Und was hat das mit der Sicherheit

      bei Billigairlines zu tun? Jeder weiss, dass man rechtzeitig zum Flughafen muss, da es ev. langwierige Sicherheitsprozduren gibt. Es ist nicht Sache der Airline, eine verspäteten Passagier zur Seite zu stehen. Oder bekommst Du auch eine Übernachtung und Betreuung geschenkt, wenn Du den Bus verpasst? Sie verkaufen Dir ein Ticket und wenn Du nicht kommst, fliegen Deine Koffer raus und weg sind sie.

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  • El barto am 26.03.2015 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist halt nicht Geil

    Die Geiz ist Geil Mentalität ist bereits überall angekommen. In denn 80er Jahren, wurde ja noch Qualität Produziert und auch bezahlt dafür. Seit der tollen Globalisierung gehts nur noch drum so billig wie möglich zu produzieren (am liebsten von Kindern), dann eine hoho Marge draufknallen und verkaufen. Willkommen in der neuen Welt wo man über Leichen geht wegem Geld. (reimt sich sogar).