Näherinnen in Asien

02. August 2010 09:45; Akt: 02.08.2010 10:34 Print

Die wahren «Fashion Victims»Die wahren «Fashion Victims»

von Sandro Spaeth - T-Shirts für 9.90, Hosen für 19.90 Franken. Das geht nur, weil Näherinnen in Asien für Hungerlöhne arbeiten. Mit 10 Rappen Aufpreis pro Kleidungsstück wäre deren Situation eine bessere.

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(Bild: Keystone)

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Billig, schnell und fehlerlos, so arbeiten die meist weiblichen Näherinnen in Asien an unseren angesagten Outfits. Meist stammen die Stücke aus Ländern wie Indien oder China. Weil die Minimallöhne im chinesischen Industriezentrum Shenzhen beispielsweise aber auf umgerechnet 170 Franken pro Monat gestiegen sind, weichen die Produzenten immer öfter ins billigere Bangladesch aus. Dort liegen die Minimallöhne für Näherinnen gerade noch bei umgerechnet 25 Franken.

«Dieser Betrag reicht nicht einmal in Bangladesch zum Leben», erklärt Christa Luginbühl von der Clean Clothes Campaign (CCC), die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie einsetzt. Dabei würde es wenig brauchen, um diese Situation zu verbessern: «10 Rappen mehr Lohn pro T-Shirt entscheiden darüber, ob eine Näherin in Armut oder Würde leben kann», erklärt Luginbühl. Heute hat die CCC gemeinsam mit der Erklärung von Bern (EvB) unter www.10rappen.ch eine Aufklärungskampagne gestartet. Das Ziel: Die Schweizer Modefirmen sollen sich verpflichten, in allen Produktionsstätten existenzsichernde Löhne zu bezahlen.

Unterschied Existenz und Mindestlöhne

Die meisten Firmen berufen sich darauf, dass ihre Produzenten sowohl Mindestlöhne als auch ethische Standards einhalten und verweisen auf die Business Social Compliance Initiative (BSCI), der sie angehören. «Das Problem liegt aber im Unterschied zwischen Existenz- und Mindestlöhnen», erklärt Christa Luginbühl. So wollen sich laut EvB 99 Prozent aller Markenfirmen nicht zur Bezahlung eines Existenzlohns verpflichten lassen, darunter auch Schweizer Konzerne wie Charles Vögele, Coop, Migros oder TallyWeijl.

«Einige Firmen geben bei Kundenanfragen sogar an, mehr als die Mindestlöhne zu bezahlen – und beruhigen damit die Kundschaft», erklärt die Kampagnenleiterin. Dieses Mehr reicht aber nicht für ein Leben in Würde. Denn AsiaFloor Wage, ein Zusammenschluss von Gewerkschaften und NGOs, hat ausgerechnet, dass eine Näherin in Bangladesch zur Existenzsicherung 10754 Taka (rund 160 Franken) verdienen müsste.

80 Prozent mehr Lohn

Nach zuletzt massiven Protesten finden in Bangladesch nun endlich Lohnverhandlungen statt. Doch selbst eine Erhöhung des Mindestlohns um 80 Prozent auf umgerechnet 45 Franken pro Monat, wie sie die Regierung kürzlich in Aussicht gestellt hat, ist noch weit vom Existenzminimum entfernt. Selbst mit diesem Mindestlohn müssten die Betroffenen laut Berechnungen der CCC täglich 29 Stunden arbeiten, um über die Runden zu kommen.

Den Regierungen in Asien liegt nicht viel daran, die Mindestlöhne anzuheben, denn tiefe Entschädigungen für die Arbeiter sind ein Standortvorteil, um Arbeitgeber und Investoren anzulocken. Darum liegt die grösste Verantwortung bei den einkaufenden Firmen: «Sie müssen den Regierungen signalisieren, dass sie nicht einfach ins nächste Produktionsland umsiedeln, falls die Mindestlöhne angehoben werden», so Luginbühl.

Auch der Konsument ist gefordert. Aber ist denn sichergestellt, dass eine Näherin auch 10 Mal mehr verdient, wenn wir für ein T-Shirt das Zehnfache hinblättern? «Nein, diese Garantie gibt es nicht», sagt Luginbühl. Der überwiegende Teil des Mehrertrages geht gemäss Luginbühl in den meisten Fällen einfach in die gigantische Imagewerbung.

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  • DithPran am 15.08.2010 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Made in Cambodia

    In Kambodscha ist es ähnlich. Dort haben allerdings einige Heuschrecken ihre Fertigungsstätten (z. B. Russey Keo Dst.) während der Finanzkrise zugemacht und sind weitergezogen...immer den "besten" Grundbedingungen und den korruptesten Regierungen hinterdrein. Reallohn für eine Näherin im Jahre 2008: 25 USD im Monat

  • Heinrich Zimmermann am 14.08.2010 04:08 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsanwaelte gegen Naeherinnen

    Da ist echt "der liebe Gott" dahinter, dass ein Rechtsanwalt 300.-Fr. pro Stunde und eine Naeherin 45.-Fr. pro Monat.

  • pjotr am 08.08.2010 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Blauäugig

    Glaubt jemand wirklich ernsthaft, dass höhere Endverkaufspreise auch mehr Lohn für die Näherinnen bedeutet? Bei "Markenlabels" ist vor allem eines höher: Die Marge für den jeweiligen Konzern und die Ausgaben für Werbung. Oft werden auch "teure" Marken in denselben Fabriken wie Noname-Produkte gefertigt. Aber das will kein Markenjunkie wahrhaben dass seine Jeans nicht wirklich besser, sondern nur teurer war.

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