Fluggesellschaft in der Krise

15. August 2017 13:17; Akt: 15.08.2017 18:01 Print

Air Berlin meldet Insolvenz an

Deutschlands zweitgrösste Fluggesellschaft ist pleite. Die Lufthansa und die Bundesregierung bieten jedoch ihre Hilfe an.

Die krisengeschüttelte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ist insolvent. (Video: Tamedia/AFP)
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Die zweitgrösste deutsche Fluggesellschaft stellte heute mitten in der deutschen Ferienzeit einen Insolvenzantrag, nachdem der Grossaktionär und Geldgeber Etihad Airways ihr den Geldhahn zugedreht hatte.

Der Flugbetrieb werde aber fortgeführt, teilte die krisengeschüttelte Fluggesellschaft mit. Alle gebuchten Tickets bleiben gültig. Die deutsche Regierung stellt für den Flugbetrieb einen Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro zur Verfügung. Nachdem Hauptaktionär Etihad erklärt habe, keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen, sei man «zu dem Ergebnis gekommen, dass für Air Berlin keine positive Prognose für ein Fortbestehen mehr besteht», schreibt Air Berlin.

Fluggesellschaft Airberlin insolvent - Bund gewährt Millionenkredit

Vor diesem Hintergrund stellte die Fluggesellschaft beim zuständigen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Bei dieser Variante des Insolvenzverfahrens führt das Management das Unternehmen weiter.

Seit Jahren Verluste eingeflogen

Air Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein. 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich danach.

Etihad könne kein weiteres Geld bereitstellen, erklärte die Airline aus Abu Dhabi am Dienstag. Diese Entwicklung sei äusserst enttäuschend für alle Beteiligten, vor allem da Etihad in den letzten sechs Jahren weitreichende finanzielle Unterstützung für Air Berlin während früherer Liquiditätskrisen und für deren Sanierungsbemühungen gewährt habe.

Erst im April habe Etihad weitere 250 Millionen Euro zugeschossen. Laut Etihad hat sich das Geschäft von Air Berlin jedoch in einer beispiellosen Geschwindigkeit verschlechtert. Als Minderheitsaktionär könne Etihad kein weiteres Geld zuschiessen und das eigene Risiko erhöhen. Die Fluggesellschaft war 2011 bei Air Berlin eingestiegen und hält knapp 30 Prozent an der Airline.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Air Berlin, die seit Bestehen der Airline eine hervorragende Arbeit geleistet hätten, sei die Nachricht ein Schock, teilte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit mit. Etihad lasse Air Berlin fallen wie eine heisse Kartoffel, obwohl neue Investoren Interesse signalisiert hätten.

Ziel des Insolvenzverfahrens ist es laut Air Berlin, «die bereits eingeleitete Restrukturierung fortzuführen». Unterstützung erhält die Fluggesellschaft dabei auch von der Lufthansa, die am Kauf von Teilen der Gruppe interessiert ist. Lufthansa beabsichtigt nach eigenen Angaben, die Verhandlungen zu einem schnellen und positiven Ergebnis zu führen.

Gebuchte Tickets weiterhin gültig

Air Berlin erklärte, dass die Verhandlungen mit Lufthansa und weiteren Partnern zum Erwerb von Betriebsteilen «weit fortgeschritten» seien und «erfolgsversprechend» verlaufen würden. «Diese Verhandlungen können zeitnah finalisiert werden», hiess es. Air Berlin betonte, dass seine Flugpläne weiter gültig blieben und alle Flüge stattfänden.

Gebuchte Tickets behalten demnach ihre Gültigkeit, alle Flüge seien weiterhin buchbar. «Wir arbeiten unermüdlich daran, in dieser Situation das Beste für das Unternehmen, für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter zu erreichen», teilte Unternehmenschef Thomas Winkelmann mit.

Lufthansa hat Interesse an Weiterbetrieb

Die Lufthansa hat auch ein Eigeninteresse am Weiterbetrieb der insolventen Fluggesellschaft. Schon jetzt sind mindestens 30 Mittelstreckenjets von Air Berlin samt Besatzung für den Lufthansa-Konzern im Einsatz.

Die gemieteten Maschinen fliegen für die Lufthansa-Billigmarke Eurowings und die österreichische Konzerntochter Austrian Airlines (AUA). Die Lufthansa will mit ihrer Unterstützung auch erreichen, dass der Betrieb dieser Flugzeuge reibungslos weitergeht.

Derzeit verhandelt die Niki-Mutter Air Berlin mit der Lufthansa und weiteren Partnern darüber, dass diese Betriebsteile von Air Berlin übernehmen.

Hohe Hürden für Übernahme

Air-Berlin-Chef Winkelmann hatte die Führung der seit Jahren kriselnden Fluglinie erst im Februar übernommen. Er selbst kam von der Lufthansa, bei der er deren langjährige Billigmarke Germanwings aufgebaut und in die schwarzen Zahlen geführt hatte.

Als er als Nachfolger von Stefan Pichler bei Air Berlin antrat, wurde bereits spekuliert, dass er eine Übernahme von Air Berlin durch die Lufthansa vorbereiten solle.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte für eine Komplettübernahme der Rivalin allerdings immer wieder hohe Hürden genannt. Neben wettbewerbsrechtlichen Fragen nannte er dabei die hohen Betriebskosten der Berliner sowie den hohen Schuldenberg des Unternehmens.

(kaf/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robert Frabetti am 15.08.2017 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fliegen ist zu billig

    Fliegen ist einfach zu billig und deckt die Kosten oft nicht. Wer's nicht glaubt soll doch die gleiche Strecke per Bahn zurücklegen. Und ach ja, die Sicherheit ist ja immer gross geschrieben.

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  • M-L. Blöchlinger am 15.08.2017 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaft , Geiz, Geil

    Das ist das Resultat, wenn immer alles noch billigier werden muss. Die Geiz ist geil Mentalität muss enslich aufhören.!!!

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  • Lili Bee am 15.08.2017 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Crash, boom, bang

    Oje... wie die Araber dies abhandeln wollen... da sehe ich nicht viel Gutes für die Mitarbeiter.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lorry am 21.08.2017 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik als Auslöser!

    Nachdem Merkel die Kataries unterstützt hat Abu Dhabi entschieden, den Geldstrom zu unterbinden und Air Berlin in den Konkurs zu treiben.

  • Cello . am 16.08.2017 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konkurrenz belebt die Pleite.

    Das der Kunde, dass heisst wir an dieser Pleite schuld sein sollen, ist nur bedingt richtig. Der Preis bestimmt die Nachfrage, nur der Preis macht nicht der Kunde, sondern ist ein Werk der Konkurrenz. Wenn die Konkurrenz (Billig Airlines) sich etwas mehr abstimmen könnten, gäbe es keine oder weniger solche Probleme. Leider ist die Habgier der Airlines grösser. Es werden weitere folgen, sowie in der Privatindustrie auch, der Mensch kann nicht Umdenken!

  • Urs am 16.08.2017 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenn man

    daran denkt, wieviel Geld diese Airline täglich an Verlusten einfliegt, dann ist von diesen 150 Mio aber auch schon bald nichts mehr vorrätig

    • Morritz am 17.08.2017 10:06 Report Diesen Beitrag melden

      Die SBB schafft das in 10 Tagen!

      Die SBB schafft das in 10 Tagen!

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  • Greschi am 16.08.2017 05:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Easy

    Hoffentlich kommt jetzt bald Easyjet richtig nach Zürich, damit man nicht immer nach Basel muss...

    • m.h. am 16.08.2017 05:58 Report Diesen Beitrag melden

      Nur weiter so

      Damit noch mehr Airlines konkurs gehen? Sie sind sich bewusst warum die Easyjet so billig ist? Copiloten bezahlen Geld um Flugstunden zu sammeln damit sie irgend wann mal zu grossen Airlines können. Wollen sie auch bezahlen damit Sie arbeiten können? Kommt noch so wenn die Kunden ijres Arbeitgebers auch so denken

    • Matti am 16.08.2017 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Greschi

      Hoffentlich nicht. Ich hab easyjet als bisher schlechteste Airline vor 14 Tagen kennengelernt. Verspätungen, keine Informationen, miesgelauntes Personal, kaputte Sitze und schmutzigstes Flugzeug was ich je sah.

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  • Berliner am 15.08.2017 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für Spannung ist gesorgt

    Der Insolvenzverwalter ist rechtlich verpflichtet, die Konkursmasse (Flieger, Slots etc.) an den Meistbietenden zu veräussern. Da darf man gespannt sein, welche Airline die besten Karten hat und was die EU-Kartellbehörden dereinst zu sagen haben.

    • Sarawak am 15.08.2017 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Berliner

      Diese Flieger werden in Deutschland bleiben, dafür sorgt die LH.

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