Offenes E-Mail

10. Juni 2015 18:19; Akt: 10.06.2015 18:19 Print

Hotelplan-Chef attackiert Swiss-CEO Hohmeister

Zoff in der Reisebranche: Die Swiss will per 1. September eine Buchungsgebühr für Flugtickets einführen – zum grossen Ärger des Schweizer Reiseveranstalters.

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Kurt Eberhard ist sauer. Der Chef des Schweizer Reiseveranstalters Hotelplan ärgert sich über die Ankündigung des Lufthansa-Konzerns, ab 1. September eine neue Buchungsgebühr von 16 Franken einzuführen. Fällig wird diese zum Beispiel für Reisebüros, wenn diese bei der Airline ein Ticket reservieren. Auch die Lufthansa-Tochter Swiss ist von der Gebühr betroffen.

In einem von der Zeitschrift «Travel Inside» publizierten offenen E-Mail wendet sich Eberhard deshalb mit deutlichen Worten direkt an Swiss-Chef Harry Hohmeister. Er erklärt darin, dass sich die Reisebranche nach dem Grounding der Swissair stets solidarisch mit der neuen Swiss gezeigt habe. «Die Swiss ist heute ein solides Unternehmen und ich denke einen Teil dieses Erfolges darf man durchaus den vielen kleinen und grossen Reiseunternehmen der Schweiz zuschreiben», sagt Eberhard.

«Nicht mehr partnerschaftlich»

Um das neue Vorgehen der Swiss zu beschreiben, wählt der Hotelplan-Chef deutliche Worte: «Wir nehmen die Zusammenarbeit nicht mehr als partnerschaftlich war, sondern sie verkommt mehr und mehr zu einem Bittsteller- und Almosenverteiler-Verhältnis.» Die Reisebranche habe sich mittlerweile unerklärlicherweise damit abgefunden, für die Airlines immer mehr Aufgaben zu erledigen, ohne dafür ein Entgelt zu bekommen, das diesen Namen auch verdient, erklärt Eberhard weiter.

Ausserdem stört sich Hotelplan daran, dass die Swiss keine konkreten Bemühungen unternommen habe, die Reiseunternehmen in den Entscheidungsprozess bezüglich der neuen Gebühren einzubeziehen. Eberhard kritisiert: «Dieser Nichteinbezug ist für uns keine neue Erfahrung. Entweder werden wir gar nicht erst vorzeitig über wichtige Veränderungen informiert oder es wird uns für allfällig notwendige Anpassungen zu wenig Zeit eingeräumt.»

«Nur noch ein Störfaktor»

Eberhard erklärt schliesslich, er nehme an, dass die Swiss die Reisebüros und -veranstalter als Störfaktor in ihren Geschäftsprozessen betrachte, die es zu umgehen gelte. Das sei falsch. Stattdessen gebe es sinnvolle Strategien, wie man die gemeinsamen Kunden bedienen könnte.

Die Swiss lässt die Anschuldigungen von Eberhard auf Nachfrage von 20 Minuten nicht ohne Antwort stehen. «Bei dieser Thematik handelt es sich um einen grundsätzlichen Wandel in der kommerziellen Strategie, den Swiss in Zusammenarbeit mit der Lufthansa Gruppe einführen wird», erklärt Sprecherin Sonja Ptassek. Dabei sei die Swiss im Vertrieb immer darauf bedacht, Veränderungen zum Vorteil der Kunden vorzunehmen. Aus diesem Grund hätten auch die Ticketpreise im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent abgenommen.

«Keine Diskriminierung von Partnern»

Ptassek erklärt weiter: «Gleichzeitig sind die Distributionskosten im Vertrieb aber nicht zurückgegangen, sondern im Gegenteil weiter angestiegen. Bei der kürzlich angekündigten Einführung der Gebühr handelt es sich um eine verursachergerechte Verteilung der Kosten für die Nutzung der entsprechenden Systeme.» Es gehe dabei nicht um eine Diskriminierung von bestimmten Vertriebspartnern.

(kwo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Flieger am 10.06.2015 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke

    Wenn die Tickets nichts mehr kosten, holen sie sich anderswo das Geld Ich habe gerade letzte Woche ein Ticket bei Swiss gekauft Die verlangen 20 Franken bei Bezahlung mit Kreditkarte, aber man muss ja mit KK bezahlen

  • Hans am 10.06.2015 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    @Sebastian

    Trotzdem ist fliegen heute billiger als noch vor 10 Jahren.Man kann halt für das billigste Angebot kein First Class Service erwarten das ist einfach realitätsfern.

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  • Marcel am 10.06.2015 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Cash-Cow

    Wer's noch nicht gemerkt hat: Die Swiss ist schon lange die Cash-Cow für die Lufthansa. Mit Schweizer Steuergeldern sanieren, und wenn die Firma wieder funktioniert für ein Trinkgeld an die Lufthansa verschleudern..... So geht billig!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sparfuchs am 11.06.2015 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Internet günstiger

    Ich denke nun hat es endlich jeder verstanden, dass es günstiger ist im Internet Flüge zu buchen. Die Airlines können Herrn Eberhard Danke sagen für die Gratiswerbung.

  • Karin am 11.06.2015 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Treppe statt Lift ?

    In sovielen öffentlich zugänglichen Gebäuden gibt es Lifte. zB Spital Bahnhof, Gemeindehaus, etc. Diese Lifte müssen periodisch gewartet werden damit sie sicher sind und das ist teuer. Aber alle diese Lifte sind gratis. Das kann doch so nicht weitergehen. Man muss dringend die Liftgebühr einführen. 2.-Fr. pro Stockwerk. Treppe benützen bleibt gratis. Wär interessant zu sehen ob es nach ein oaar Jahren die Krankenkassen entlastet ?

    • Manuelita am 11.06.2015 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Beindruckend echt

      Das war ja suuuuper intelligenter Vergleich Karin!Wartungskosten für Lifte werden vom Eigentümer oder Mieter ammortisiert.Also von wegen gratis?!?Willst du jetzt etwa gratis fliegen oder was????

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  • Rocky am 11.06.2015 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Erklärung

    Viele scheinen das Ganze falsch zu verstehen. Nicht die Endkunden müssen die CHF 16.00 bezahlen. Die Gebühr betrifft die Reisebüros, nicht die Endkunden. Das Reisebüro muss in Zukunft eine Gebühr bezahlen, um ein Ticket für seine Kunden buchen zu dürfen.

  • Reto am 11.06.2015 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mich wundert nichts mehr

    In der Servicewüste Schweiz wundert mich nichts mehr. Jeder macht die Hand auf wo es nur geht. Fliegt man mit Swiss gibt's eine Gebühr. Braucht man einen Elektriker werden für 12 Kilometer Anfahrtskosten von 80 Franken genommen und die Leute zahlen ohne sich zu wehren, weil sie es schon immer so gewohnt sind. Ich frag mich was dieser Herr von Hotelplan zu jammern hat. Wenn er mit Swiss nicht zufrieden ist, soll er doch mit einer anderen Airline verhandeln. Keiner muss mit dieser Airline zusammen arbeiten, wenn die Konditionen nicht stimmen.

  • Hansruedi Meiller am 11.06.2015 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocker-Mentalität

    Abzocke. Dies ist nur ein Beispiel. Neu ist auch die Gebühr von CHF 30.00 und aufwärts für die Sitz reservation in der Holzklasse bei Swiss. Ich habe jedenfalls meinen letzten Flug mit Swiss gebucht. Es gibt genügend Alternativen. Ich hoffe det Ladefaktor bei der Lufthansa-Tochter sinkt noch weiter!

    • Manuelita am 11.06.2015 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Missgunst

      Super Einstellung!Es ist toll wenn man die CH Wirtschaft so unterstütz wie sie.Andere Airlines haben das System der kostpflichtigen Reservationen schon lange,weitere werden nachziehen.Das ist der Markt.Aber sie können ja fliegen mit wem sie wollen und anderen trotzdem Erfolg wünschen.Es hängen tausende Arbeitsplätze an der Swiss!

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