Schweizer Arbeitsmarkt

15. Juni 2017 20:56; Akt: 16.06.2017 08:54 Print

Gibts bald nur noch Jobs für Studierte?

von Isabel Strassheim - Jobs für Personen mit mittlerem Bildungsniveau verschwinden zusehends. Zugleich nimmt die Zahl der Stellen für Hochqualifizierte zu.

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Die Schweiz wird zum Akademikerland: Die Zahl der Jobs für Hochqualifizierte hat deutlich zugenommen. Die Stellenangebote für mittlere Qualifikationen gingen dagegen in den Jahren 1995 bis 2005 klar zurück. Die Polarisierung ist in der Schweiz so deutlich wie in keinem anderen Industrieland der Welt, wie eine Studie der OECD zeigt.

Umfrage
Sollten mehr Leute in der Schweiz studieren?
66 %
10 %
24 %
Insgesamt 6548 Teilnehmer

Zu den Berufen mit mittlerem Bildungsniveau zählen Routinetätigkeiten etwa in der Industrieproduktion, aber auch in der Buchhaltung. Als hochqualifiziert gelten hingegen Leute mit Meisterprüfung, Fachhochschul- oder Universitätsabschluss.

Niedrige Maturitätsquote in der Schweiz

Der Maturitätsanteil in der Schweiz ist im internationalen Vergleich jedoch gering. Laut dem Bundesamt für Statistik BFS betrug die Quote der gymnasialen Maturität 2016 rund 20 Prozent, bei der Berufsmaturität lag sie bei 15 Prozent und bei der Fachmatur unter 5 Prozent. Die Prognose geht davon aus, dass der Anteil bis 2023 nur leicht steigt. Andere Staaten wie Deutschland haben aktuell einen Maturitätsanteil von fast 50 Prozent.

Für Wirtschaftsprofessor Josef Zweimüller von der Universität Zürich ist eine höhere Maturitätsquote nicht die einzige Möglichkeit, dem Trend zu anspruchsvolleren Berufen zu begegnen. «Die Durchlässigkeit des Bildungssystems ist dagegen sehr wichtig», sagt Zweimüller zu 20 Minuten. Auch nach einer Lehre müsse so der Zugang zu einer höheren Qualifikation möglich sein.

Berufslehre wird anspruchsvoller

Zugleich betont Zweimüller, dass sich die Inhalte der Berufslehre an die veränderten Gegebenheiten anpassen müssten. «Die Berufsausbildung muss das spezieller gewordene Know how vermitteln», sagt er. Das könne dann auch der Grundstein für eine spätere höhere Bildung sein und mache es nicht unbedingt nötig, dass mehr Schüler das Gymnasium besuchen.

Der Anteil der Jobs für Niedrigqualifizierte an der Gesamtbeschäftigung ist laut OECD zwischen 1995 und 2005 in der Schweiz gleichgeblieben. Bei den Hochqualifizierten nahm er um rund 16 Prozentpunkte zu und bei den mittleren Qualifizierten um rund 16 Prozentpunkte ab. Grund hierfür sind der OECD zufolge die neuen Technologien. Die Globalisierung hingegen stehe bei dem Strukturwandel nicht im Vordergrund.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • der praktiker am 15.06.2017 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Da habe ich keine Angst.

    Tja lauter abgehobene Theoretiker, die den ganzen Tag nur heisse Luft produzieren. Nein, keine Sorge... Leute, die wirklich arbeiten wird es weiterhin brauchen.

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  • Wolfgang am 15.06.2017 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    bitte kein Klassenkampf

    Und wieder wird mal der Klassenkampf beflügelt. Es braucht sie alle. Der Ingenieur entwickelt, der Mechaniker setzt es um und sagt im Idealfall dem Ingenieur, was man besser machen kann. Genauso der Architekt/ Maurer, Arzt /Krankenschwester etc. Ich bin selbst Ingenieur und habe keine Hemmung, in der Fabrik nachzufragen, was die Mechaniker von meiner Idee halten. Man bekommt sogar die Rückmeldung, dass sich diese freuen, in dem Entscheidungsablauf teilnehmen zu dürfen. Aber ich gebe zu, bei mir in der Firma gibt es nicht viele meiner Art

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  • Schweizer am 15.06.2017 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    Studiert = Hochqualifiziert?

    Ich als Praktiker hatte schon mehrfach mit solchen Hochqualifizierten Personen zu tun. Diese haben meist keine Ahnung von der Praxis, verdienen aber mehr als ich und richten mehr Schaden an. Wenn wir alles so umgesetzt hätten wie es der Studierte Bauführer gewollt hätte. Hätte der Neubau nach 2 Jahren Totalsaniert werden müssen. Soviel zum Thema Hochqualifiziert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Igor am 16.06.2017 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Das Märchen vom Fachkräftemangel

    Und die ausländischen billig Löhner sind natürlich alle hochqualifizierte Fachkräfte;-)

  • Klärli Benz am 16.06.2017 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    auch ein Aspekt:

    Früher wusste man, dass man nach einem Studium gut verdient. Heute muss man studieren um mindestens durchschnittlich verdienen zu können. Das heisst, immer mehr Ausbildung für immer weniger sozialen Aufstieg.

  • Teemo am 16.06.2017 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    The good the bad and the ugly

    Viele Branchen wollen auch nur Presige und wollen Leute mit einer Batchelor für ein Backoffice einer Firma. Der Clue diese neuen "besseren"Mitarbeiter, erhalten jedoch den gleichen Lohn wie einer ohne Batchelor bei einer anderen Firma mit dem gleichen Stellenbeschrieb

  • nguyen am 16.06.2017 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    sie haben recht. ich arbeite seit 7 Jahren in Genf und erlebe im Finanzsektor die gleiche Erfahrungen mit den französischen Vorgesetzten.

  • Angestellter am 16.06.2017 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Entwicklung!

    Schuld sind daran ist unsere Wirtschafts- Elite und die Politiker, die unser ganzes Bildungssystem verwässert haben. Es wird nur noch schlimmer. Es gibt nur ein Ziel, höher, weiter, besser, schneller und günstiger.