Manufaktur statt Industrie

15. Februar 2017 20:47; Akt: 16.02.2017 11:51 Print

Kleinstbetriebe wollen Schoggi neu erfinden

von F. Lindegger - Nach Bier und Kaffee machen sich Manufakturen daran, den Schokoladenmarkt mit Spezialitäten umzukrempeln. Geht es nun den Grossen der Branche an den Kragen?

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Produkte in kleinen Betrieben herzustellen liegt im Trend: ob Bier vom lokalen Brauer oder der Spezialkaffee von der Kleinströsterei. Und nun schwappt der Trend zu Spezialitäten von kleinen Manufakturen auch auf die Schokolade über. Im Fokus stehen dabei sogenannte «Bean to Bar»-Produkte. Das bedeutet, dass die Hersteller direkt beim Kakaobauern vor Ort Bohnen kaufen und sie anschliessend selbst zur fertigen Tafel verarbeiten.

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Als einer der Ersten hierzulande produziert der Basler Fabian Rehmann solche Schokolade. Der ausgebildete Konditor-Confiseur hat sich vor vier Jahren zusammen mit einem Kollegen selbständig gemacht. «Schokolade hat noch viel mehr zu bieten als das, was heute in den Regalen der Grossverteiler steht», ist Rehmann überzeugt. Die Industrieprodukte seien zwar qualitativ sehr gut, aber geschmacklich «todlangweilig».

Kakao von einem Ort

«Der Geschmack der Schokoladen ist so geglättet, dass er allen gefällt», sagt Rehmann. Er könne sich dagegen erlauben, auch Produkte herzustellen, die nicht unbedingt jeder gern hat. «Wir arbeiten im Gegensatz zur Industrie nur mit kleinen Mengen an Kakaobohnen, die jeweils von einem einzigen Ort stammen.» Und es dürfe jeder Kakao seinen speziellen Charakter behalten. Die Rückmeldungen zu den acht verschiedenen Schokoladensorten, die sein Betrieb bisher herstellt, seien bisher «überwältigend» gewesen. «Viele sagten, sie wüssten gar nicht, dass Schokolade so schmecken kann», erzählt Rehmann.

Im Gegensatz zu den USA und anderen europäischen Ländern gibt es in der Schweiz bisher nur wenige Kleinstbetriebe, die Kakaobohnen selbst zu fertiger Schokolade verarbeiten. «Mir sind nur zwei weitere Manufakturen bekannt», so Rehmann. Zwei Betriebe stünden vermutlich kurz vor dem Markteintritt. Der 47-jährige Basler verkauft neben Schokolade auch Maschinen zu deren Herstellung und kennt die Entwicklungen in der Schweiz deshalb gut.

Schokolade ist schwierig zu verarbeiten

Er sieht mehrere Gründe, warum bisher nur wenig Bewegung in den hiesigen Schokoladenmarkt kam. Am mangelnden Interesse an der Herstellung von Schokolade liege es nicht. Doch sei Schokolade ein schwierig zu verarbeitender Rohstoff. «Quereinsteiger stossen schnell an ihre Grenzen, und das ist wohl auch der Grund, warum viele Projekte bald wieder begraben werden», sagt Rehmann.

Ein weiteres Hindernis sieht er in der schwierigen Distribution der Produkte. «Grossverteiler und Confiseure verkaufen ebenfalls eigene Schokolade. Für kleinere Anbieter ist es schwierig, dort ins Sortiment zu kommen.» Entsprechend gebe es nur wenig Bewegung in der Branche. «‹Bean to Bar›-Schokolade von kleinen Manufakturen wird ein Nischenmarkt bleiben», ist Rehmann deshalb überzeugt.

Konsumenten ändern Gewohnheit nur langsam

Dass die grossen Hersteller sich vorläufig nicht vor der Konkurrenz der kleinen Spezialitätenbetriebe zu fürchten haben, zeigen auch die Zahlen des Schweizer Biermarkts. Zwar gibt es inzwischen etwa 740 Brauereien – allein 2016 wurden über 120 neue gegründet –, doch rund 95 Prozent des Schweizer Biers wird weiterhin von 18 grossen Brauereien hergestellt, die dem Schweizer Brauereiverband angehören. Und trotz der stark gestiegenen Biervielfalt ändern sich die Trinkgewohnheiten der Konsumenten nur langsam: Lagerbier ist weiterhin für 80 Prozent des Bierabsatzes verantwortlich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pic am 15.02.2017 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Die Schokolade von Rehmann lädt zum Genießen ein. Sie ist einfach wunderbar! Ich finde es toll, dass sie in der Region hergestellt wird, und bezahle gerne dafür.

  • Mark Krad am 16.02.2017 02:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder der sich mit guten und

    neuen Produkten gegen den Einheitsbrei von Lindt, Frey & Co etwas unternimmt ist mir sympathisch.

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  • John am 16.02.2017 04:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Good idea

    Also wenn Sie noch jemanden suchen wir habe auf denn philippinen eine Kakao farm, würde gerne für solche Manufakturen liefern....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jessi am 18.02.2017 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    erfahrung

    Schönheit liegt im Auge des betrachters. Aber, seit ich den glorie Lipvoulimzer verwende und deswegen etwas vollere Lippen habe, komme ich viel besser bei den Männern an. Es ist einfach so das Vollere Lippen schöner sind.

  • carmen diaz am 16.02.2017 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    man kann erfinden was man will...

    ...wenn es nachher nicht bei den grossverteilern im regal steht, bekommts kaum einer mit. leider...

  • Daniel Setz am 16.02.2017 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Handarbeit par excellence

    Ich hab mit eigenen Händen beim Start-up von Rehmann geholfen. Dies ist Handarbeit vom Feinsten, nichts vorfabriziertes. Der Aufwand und die Liebe die in jeden Prozessschritt geht spricht für die hohe Qualität des Endproduktes.

  • beerculture am 16.02.2017 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo, ihr Mutigen da draussen...

    ...denn überall wo sich ein Markt über Jahre hinweg auf ein paar grosse Player konsolidiert, die sich am Ende gegenseitig auf den Füssen stehen und sich auf sich selbst resp. Kostenoptimierung konzentrieren, wird plötzlich wieder unheimlich viel Platz für Nischen-Player geschaffen, die durch innovative Produkte/Leistungen/Vermarktung sehr profitabel den Markt neu aufrollen. Bravo!

  • Bielerin am 16.02.2017 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Himmmmlisch

    So ein Lädeli gibt es in der Altstadt von Biel-Bienne auch, und die "Psezisteine" sind himmmmmmlisch, wie der Rest auch. :-) :-)

    • Nena Loupo am 16.02.2017 18:34 Report Diesen Beitrag melden

      schon probiert

      Ob die 5 Daumen runter von dieser Schokolade jemals gegessen haben, wage ich zu bezweifeln. Die wissen nicht einmal, wo sich Biel befindet :-)

    • Heinz Geissbühler am 19.02.2017 19:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Nena

      das braucht man auch nicht zu wissen. ausser Sozialausgaben nicht viel zu bieten

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