Interview mit Post-Chefin

24. Juni 2017 09:24; Akt: 24.06.2017 09:33 Print

Frau Ruoff, macht Ihnen Ihr Job noch Spass?

von F. Lindegger, Bern - Die Post hat ihre Pläne für das Filialnetz bekanntgegeben: Bis zu 459 Post-Filialen droht das Aus. Im Interview mit 20 Minuten erklärt Postchefin Susanne Ruoff die Pläne.

Der Filialen-Abbau der Post sorgt für Kritik. 20 Minuten hat Susanne Ruoff gefragt: «Macht es überhaupt noch Spass, Post-Chefin zu sein?» (Video: F. Lindegger)
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Was im vergangenen Herbst angekündigt wurde, ist nun Tatsache: Die Post will künftig noch rund 800 bis 900 Filialen selbst betreiben. Über 450 Poststellen werden überprüft, wobei die meisten geschlossen werden dürften.

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Von den Plänen sind rund 1200 Angestellte betroffen. Die Mitarbeiter seien bereits aufgefordert worden, sich nach einer neuen Stelle innerhalb des Konzerns umzusehen, erklärt Postchefin Susanne Ruoff im Interview mit 20 Minuten: «Die Post ist ein grosses Unternehmen und es werden neue Arbeitsplätze in anderen Bereichen geschaffen.» Zudem würden viele Angestellte, die heute in den Postfilialen arbeiten, bald das Pensionsalter erreichen.

Wie weiter nach 2020?

Laut der Post ist der Fortbestand von mindestens 765 Poststellen bis Ende 2020 gesichert. Zum heutigen Zeitpunkt bestünden keine Pläne, wie es danach mit dem Poststellennetz weitergehe. Der technologische Wandel schreite schnell voran und niemand wisse, was in drei Jahren sein werde, so Ruoff.

Die Postchefin betonte im Rahmen der Medienkonferenz mehrmals, dass keine Poststelle ersatzlos gestrichen werde. Die allermeisten Dienstleistungen würden durch eine Kombination von Postagenturen, Hausservice, Geschäftsstellenschalter oder 24-Stunden-Automaten weiterhin angeboten.

«Bei den öffentlichen Diskussionsanlässen, die in den letzten Jahren durchgeführte wurden, zeigte sich, dass viele Leute das neue Angebot nicht kennen», so Ruoff. Es sei das Neue, Unbekannte, das bei der Bevölkerung für Ängste sorge. Die Post wolle nun vermehrt aufzeigen, wie die Leistungen der wegfallenden Filialen kompensiert würden.

Kritik von Gewerkschaften und Konsumentenschutz

Kritik an den Plänen der Post kommt etwa vonseiten der Gewerkschaften. Für Syndicom kommen Postagenturen nur dann in Fragen, wenn sie sämtliche Dienstleistungen anbieten und den Angestellten Löhne bezahlen, die dem Post-Gesamtarbeitsvertrag entsprechen. Alles andere sei Lohndumping.

Auch die Stiftung für Konsumentenschutz ist mit der Ankündigung der Post nicht zufrieden. Der Ersatz der Poststellen durch Postagenturen und Aufgabe- sowie Abholstellen sei klar als Abbau zu betrachten, teilt die Organisation mit. Besonders im Bereich des Zahlungsverkehrs und der Postfächer würden künftig deutlich weniger Leistungen erbracht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G.V. am 24.06.2017 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewinn, Gewinn, Gewinn...

    Genau das ist das Problem bei Teilprivatisierungen.

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  • Fritz Kunz am 24.06.2017 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wer sich zuerst bewegt hat verloren

    Bei den Gemeindeangestellten wäre auch noch ein riesen Sparpodenzial auszumachen!

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  • Vincent am 24.06.2017 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Digitalisierung

    Finde es echt schade wie der persönliche Kontakt von Mensch zu Mensch verloren geht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick Müller am 24.06.2017 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Frau Ruoff ist die falsche Person

    Wieso fragen die Frau Ruoff, ob es ihr noch Spass mache? Die sollten besser die wirklich Betroffenen fragen, nämlich die Mitarbeitenden...

  • Grüne Fee am 24.06.2017 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie clever

    Weil von Frauen die doppelte Leistung erwartet wird, halbiert sie die Anzahl der Poststellen.

  • R/Z am 24.06.2017 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild DHL D-Post?

    Tja hätte nicht die Mehrheit an der Urne die Initative für die Konsumenten und Kunden abgelehnt wäre das hetzt nicht so und der Gewinnmaximirung bei Service Public Betrirben würde einhalt geboten. Die Bundesfirmen sollten eigentlich vorbildlich und sozial geführt werden. Post und Swisscom zeigen vorbildlich wie man es nicht macht und nur Gewinn maximiert. Die liebe Postchefin nimmt sich hoffentlich nicht die furchtbaren Zustände der D-Post /DHL als Vorbild. Kein Sevice, Keine Zuständigkeit, keine eigenen Fillialen

  • Knutti am 24.06.2017 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Stelle frei?

    Posstellen schliessen könnte ich auch. Und das erst noch viel billiger ;-)

  • Cybot am 24.06.2017 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Postshops

    Immer noch besser, die Post in irgendwelche Shops zu integrieren, als irgendwelche Shops in die Post zu integrieren.