Schwierige Rahmenbedingungen

08. Dezember 2014 14:18; Akt: 08.12.2014 15:46 Print

Swiss zieht sich Ende Mai 2015 aus Basel zurück

Die Swiss hat einen Termin für ihren angekündigten Rückzug aus Basel mitgeteilt. Von der Einstellung sind insgesamt 24 Stellen betroffen.

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Swiss Flugzeuge des Typs Avro RJ100 im Hangar in Basel. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

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Die Swiss räumt das Feld in Basel per Ende Mai 2015. Die Lufthansa-Tochter hat die Einstellung des Flugbetriebs in Basel bereits im Sommer angekündigt und nun einen Termin gesetzt. Ob die Konzernschwester Eurowings in Basel den Kampf gegen Platzhirsch Easyjet aufnimmt, ist aber noch unklar.

Der Entscheid erfolge unabhängig von einer allfälligen Eurowings-Basis in Basel, teilte die Swiss am Montag mit. Aufgrund des veränderten Marktumfelds und schwierigen politischen Rahmenbedingungen bestünden keine Perspektiven, damit eine Qualitätsfluglinie wie die Swiss in Basel profitabel wirtschaften könne, hiess es im Communiqué.

Swiss mit Marktanteil von 4 bis 5 Prozent

Basel habe sich zu einem Low Cost Carrier Markt entwickelt, also zu einem von Billigfluglinien dominierten Flughafen. Klarer Marktführer ist Easyjet mit einem Marktanteil von 54 Prozent im Jahr 2013. Die Swiss kam noch auf einen Marktanteil von 4 bis 5 Prozent. Schwarze Zahlen schrieb Swiss nach eigenen Angaben nie mit dem Flugbetrieb in Basel.

Verschärft worden sei die Situation durch die ungeklärte Rechtslage bezüglich französischer Besteuerung und durch die angekündigten zusätzlichen Gebühren für den sich auf französischem Grund befindlichen Euroairport Basel-Mülhausen, fügte die Fluggesellschaft hinzu.

24 Mitarbeiter betroffen

Von der Einstellung sind insgesamt 24 Stellen aus der Wartung der Flugzeuge und der Station betroffen. Diese Mitarbeiter können laut der Swiss weiterbeschäftigt werden. Die 20 Mitarbeitenden der Flugzeugwartung werden vermutlich in Zürich weiterbeschäftigt, wie es auf Anfrage hiess. Für die 4 Mitarbeiter der Station am Swiss-Standort Basel werde individuell eine Lösung gesucht.

Auf das Fliegende Personal habe der Rückzug keine Auswirkungen, da in Basel keine Crew stationiert sei und die beiden Flugzeuge nach Zürich überführt und dort für den Ausbau des Streckennetzes eingesetzt würden, schreibt die Swiss. Auch die rund 300 Mitarbeitenden am Firmensitz in Basel, der auf die frühere Crossair zurückgeht, sind laut der Mitteilung nicht betroffen.

Gewerkschaft kritisiert Entscheid

Die Gewerkschaft Swiss Transport Workers Union (SEV-GATA) kritisierte den Stilllegungsentscheid: Es sei moralisch und wirtschaftlich äusserst fragwürdig, Arbeitsstellen von Fachspezialisten in Basel aufzuheben und Fakten zu schaffen, bevor der Konzernentscheid zu Eurowings gefallen sei, liess sich SEV-GATA-Präsident Philipp Hadorn zitieren.

Die Fluggesellschaft habe in den vergangenen Jahren «ein äusserst ungeschicktes Händchen» mit der Strategie in Basel gezeigt. So sei die Auslagerung von über 300 Technikern an die neu gegründete Lufthansa-Technik-Tochter LTSW ab 2008 kläglich gescheitert. Die LTSW stellte die Aktivitäten in Basel 2013 ein. Insgesamt verloren mehrere hundert Mitarbeiter seit der Auslagerung ihre Stelle.

Interpellation zur Rolle der Swiss-Luftfahrtstiftung

Die Gewerkschaft warf zudem die Frage auf, welche Rolle die Swiss-Luftfahrtstiftung in den aktuellen Ereignissen gespielt hat. Die Stiftung war 2005 infolge der Übernahme der Schweizer Airline durch den deutschen Lufthansa-Konzern gegründet worden.

Ihr Zweck ist es, die Integration in den Konzern zu begleiten und sich in beratender Funktion für eine Berücksichtigung der Schweizer Interessen einzusetzen. Im kommenden Jahr wird sie nach den 10 vorgesehenen Jahren aufgelöst. Hadorn kündigte an, in seiner Funktion als Nationalrat mit einer Interpellation die Rolle und den Leistungsausweis der Swiss-Luftfahrtstiftung erfahren zu wollen.

Die Reaktion der Betroffenen auf den Schliessungsentscheid will SEV-GATA an einer Betriebsversammlung in der kommenden Woche einholen und über Widerstand und Forderungen diskutieren.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto V. am 08.12.2014 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Swiss hat schon recht

    Da ja alle nach dem Motto Geiz ist Geil fliegen versteh ich die Swiss absolut. Ich würde auch nach Zürich gehen.

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  • Roli Boli am 08.12.2014 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Aufgabe

    Dafür habt Ihr den FC Basel! Basel hat ja bald keinen Airport mehr, da Frankreich den Vertrag gekündigt hat. Nachverhandlungen sanden im nichts... weitere Firmen werden den Standort Basel Airport aufgeben und wechseln nach Zürich... es gehen so um die 1000 Arbeitsplätze verloren!

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  • Hans A. Luft am 08.12.2014 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schade und unverständlich

    Wann immer ich mit Swiss zwischen Basel und Hamburg geflogen bin, waren die Flugzeuge gut ausgelastet. Ich denke, dass Swiss sich und ihrem Ruf keinen Gefallen tut, sich komplett von einem der drei grossen Schweizer Flughäfen zurückzuziehen. Ich habe den Service, die Freundlichkeit und Kompetenz des Personals immer zu schätzen gewusst. Anders als Easyjet, wo man kein Fluggast sondern ein "Beförderungsfall" ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike Meier am 08.12.2014 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Firmensitz auch nach Zürich

    Jetzt aber ganz schnell auch den Firmensitz von Basel nach Zürich verlegen. Darf doch einfach nicht sein, dass man am damaligen Fehlentscheid von Moritz Suter weiterhin festhält.

  • Hr Schmidt am 08.12.2014 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Airline Wille ist ihr Himmelreich

    Schon seltsam, dass die Crossair in Basel profitabel fliegen konnte und Swiss, wie auch damals Swissair immer behaupteten und behaubten, dass das nicht möglich sei. Wer nicht will, solls halt lassen.

    • Oskar Bider am 08.12.2014 21:13 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Wunder

      Tja, die Crossair hat ja auch 50% der Produktion ohne jegliches kommerzielles Risiko im Wet-Lease der Swissair verkaufen können. Ohne SR wäre Crossair schon in den frühen 90ern Bankrott gewesen.

    • Roberto am 08.12.2014 23:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Soso

      Sie vergessen, dass due Swissair die Crossair in Basel immer finaziell fetragen hat. 1oo Mio. waren da gelegentlich nötig, sonst wäre Moritz in den Konkurs geflogen. Tönt so anders, Herr Schmid

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  • Jetter am 08.12.2014 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    SWISS ist nicht selber schuld!

    Die Konkurrenz in der Luftfahrt ist riesig, wer da nicht profitabel fliegen kann, bleibt nicht lange bestehen - das ist klar. Der Ball liegt aber nicht nur bei der SWISS, sondern auch beim Bund oder z.B. beim Flughafen Zürich. Diese sollten doch die SWISS finanziell entlasten. Dadurch könnte die SWISS auch den EuroAirport weiter bedienen - schliesslich sollte es ja auch im Interesse der Airline liegen, möglichst ein differenziertes Angebot anbieten zu können... nicht das am Ende auch in Zürich nur noch Airlines wie Ethiad, Singapore Airlines existieren!

    • Gedi Nixan am 08.12.2014 23:44 Report Diesen Beitrag melden

      SWISS ist unfähig

      Die SWISS (warum eigentlich noch der Markenname?) will auch im Billigsegment aktiv werden, ist aber nicht in der Lage auch nur ansatzweise in BS gegen Easyjet zu konkurrieren. Und dann soll einer D-Gesellschaft auch noch der Hof mit Steuer- oder Gebührenvergünstigungen gemacht werden? - sie erlauben: das ist lächerlich! Ich fliege persönlich immer andere Airlines als SWISS, denn das Gehabe an Board und der Service sind schlicht Kreisklasse. Zum Glück gibt es Etihad, Singapore etc., Airlines denen nicht ein weltfremdes Ego im Wege steht, sondern Gesellschaften welche sich den Kunden anpassen.

    • müller tschoban am 09.12.2014 04:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Warum

      Warum soll der Schweizer Staat eine Fluggeselschaft utnerstützen die der Deutschen Lufthansa angehört und somit auch vom Deutschen Staat unterstütz werden soll? Bitte um ernsthafte Anworten

    • Luca C. am 09.12.2014 20:29 Report Diesen Beitrag melden

      ernsthafte Antwort an müller tschoban

      @ müller tschoban Seit 2005 ist oberstes Ziel der Schweizer Luftfahrt die Sicherstellung einer optimalen Anbindung an die wichtigen Zentren Europas und der Welt. Hier der Link dazu: Diese Aufgaben werden in der Schweiz zweifelsohne von SWISS ausgeführt. Obwohl die SWISS teil des Lufthansa-Konzerns ist, ist sie eine Schweizer Airline (HQ in Basel), die in der Schweiz ein guter Steuerzahler ist und auch über 80% der Mitarbeiter Schweizer sind.

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  • Singer Peter am 08.12.2014 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wartung nach Frankfurt!

    Es müsste für die Lufthansa / Swiss grundsätzlich nur ein Wartungszentrum geben und dieses muss in Frankfurt sein, da kann die Lufthansa Ihr Wartungszentrum optimal Kostendeckend ausnützen. Die Technische Wartung in Zürich sollte umgehend eingestellt werden! Das würde in Zürich grosse Einsparungen für die Swiss bringen, und auch würden so Flugbewegungen und viel Personal eingespart!

    • müller tschoban am 09.12.2014 04:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Geht nicht

      Die technische Wartung in Zürich kann nicht eingestellt werden. Seit eh und je macht die Swiss die Wartung der Avro selbst. Seit Frühjahr 2012 hat die Swiss die Line Maintenance in Zürich selbst übernommen von der SR Technics. Line Maintenance ist ein muss. Jede Nacht muss jedes Flugzeug mindestens mit einem Dailycheck von einem Mechaniker gecheckt werden sonst hebt es nicht ab am nächsten Tag.

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  • New SwissAir am 08.12.2014 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Neuer Suter gesucht!

    Ich glaube die Zeit ist reif, die Swiss der LH zu vermachen oder sie gleich zu grounden und Platz zu machen für eine neue, kleine aber feine Schweizer Airline. Wir haben so viele Multimillionäre und -milliardäre - hat da keiner Ambitionen?!