Rundumschlag

19. Oktober 2012 15:52; Akt: 19.10.2012 16:15 Print

Grübel gegen europäische Bankenaufsicht

Nach zähem Ringen haben sich die EU-Spitzenpolitiker in der Nacht auf Freitag auf eine gemeinsame Bankenaufsicht geeinigt. Kein gutes Haar an dieser Behörde lässt Ex-UBS-Boss Oswald Grübel.

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Mehr Regulierung führe zu weniger Wachstum, sagt Ex-UBS-Chef Oswald Grübel. (Bild: Keystone)

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Da wurde Oswald Grübel wieder einmal deutsch und deutlich. Im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin «Capital» holt der eigentlich pensionierte Top-Banker zum grossen Rundumschlag aus. So wettert er gegen die Schweizer Abgeltungssteuer, gegen mehr Regulierung und erteilt der europäischen Bankenaufsicht eine klare Absage.

Grübels Kritik kommt just im Moment des Durchbruchs für eine europäische Bankenaufsicht. In der Nacht auf Freitag hatten sich die EU-Spitzenpolitiker in Brüssel grundsätzlich darauf verständigt, dass diese 2013 ihre Arbeit aufnehmen soll.

Auf die Frage, was er von einer derartigen Behörde halte, sagte Grübel: «Nichts. Solange wir keine unabhängigen Finanzmärkte und Volkswirtschaften haben, kann eine paneuropäische Aufsicht nicht funktionieren.» Den Einwand, dass eine solche Behörde es erleichtern könnte, taumelnde Institute zu retten, lässt der Ex-UBS-CEO nicht gelten: «In Europa hat man sich offenbar stillschweigend darauf geeinigt, dass alle Banken gerettet werden müssen. Als sei es ein gottgegebenes Gesetz.»

Wann ist eine Bank lebensfähig?

Blenden wir vier Jahre zurück. Im Herbst 2008 wurde die im Sog der Finanzkrise schlitternde UBS – damals noch ohne Oswald Grübel als Chef – durch den Bund und die Schweizerische Nationalbank vor dem Bankrott bewahrt. Schrottpapiere im Wert von Rund 40 Milliarden wanderten in einen Fonds der Nationalbank und der Bund beteiligte sich mit einer Pflichtwandelanleihe von sechs Milliarden Franken an der UBS.

Man müsse unterscheiden zwischen Banken, die noch lebensfähig sind und solchen, die am Ende sind, so der 68-jährige Banker. «Bei der UBS kann man sich streiten.» Hätte die UBS ein entscheidungsfähigeres Management gehabt, hätte sich die Bank wohl selbst retten können, so Grübel. Damit attackiert er die damalige Führungscrew um den Verwaltungsratspräsidenten Peter Kurer und den CEO Marcel Rohner. Nur wenn eine Banken-Pleite einem ganzen Land noch grösseren Schaden zufügen würde, sei sie rettenswürdig.

«Überwachung ist nicht effektiv»

Gegenüber mehr Regulierung zeigt sich Grübel skeptisch. Sie zu fordern, höre sich schon nach Problemlösung an. Mehr Regulierung führe aber zu weniger Wachstum, so der Banker, der bereits 1961 bei der Deutschen Bank ins Geschäft einstieg und eine Karriere als Händler machte. Für ihn ist klar: «Märkte funktionieren immer.»

Im Interview mit «Capital» stellt Grübel die bisherige Arbeit der Regulatoren in Frage: Sie hätten die Gefahren übersehen, die sich in den Banken aufbauten. Den Aufsehern wirft Grübel vor, zu viel auf die Details geachtet und dabei vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr gesehen zu haben. Sorgen macht sich Grübel zudem über den Beamtenstatus der Aufsichtsmitarbeiter – der mit tiefer Besoldung einhergehe: «Wer wirklich Ahnung hat, wird von den Banken abgeworben – die Branche wird darum nicht effektiv überwacht.»

Unklarheit über Start

Wie rasch die 200 bis 300 Personen starke EU-Bankenaufsicht in die Gänge kommt, ist trotz grundsätzlicher Übereinstimmung der Spitzenpolitiker ungewiss. Nach Ansicht von Angela Merkel – sie hat bisher stets vor «Schnellschüssen» in diesem Bereich gewarnt – wird die Aufsichtsbehörde ihre Aufgabe nicht wie ursprünglich geplant am 1. Januar 2013 aufnehmen können, sondern erst im Verlauf des Jahres.» Bis Ende dieses Jahres werde es darum gehen, dass die Finanzminister den rechtlichen Rahmen der neuen Behörde schaffen, so Merkel.

Frankreichs Präsident Hollande zeigte sich hingegen überzeugt, dass es im Januar der federführenden Europäischen Zentralbank gelingt, die Aufsicht innert weniger «Wochen bis Monate» auf die Beine zu stellen. Hintergrund von Hollandes Eile ist, dass die von einer europäischen Bankenaufsicht rund 300 kontrollierten Institute im Notfall den europäischen Rettungsschirm (ESM) direkt anzapfen könnten.

(sas)