Viel getrunken

16. November 2015 14:37; Akt: 16.11.2015 14:37 Print

Schweizer Bierbrauer setzen sich durch

Die Schweizer Bierbrauer haben vom Hitzesommer profitiert. Die Frankenstärke bereitet ihnen trotz gesteigertem Marktanteil aber Sorgen.

Bildstrecke im Grossformat »

Fehler gesehen?

Der Hitzesommer hat den Schweizer Bierbrauern keinen Rekordausschank beschert und dennoch sind sie mit dem Braujahr 2014/15 zufrieden. Vor europaweit sinkendem Bierkonsum ist der heimische Biermarkt um 0,1 Prozent gestiegen, die Brauer haben den Auslandbieren Marktanteile abgejagt.

Der Anteil des einheimischen Gerstensafts, der durch Schweizer Kehlen rann, stieg von 73,2 auf 74,4 Prozent. Auf der anderen Seite verringerten sich die Bierimporte um 4,4 Prozent, wie der Schweizer Brauerei-Verband am Montag mitteilte.

3,5 Millionen Hektoliter Bier

Insgesamt wurden in der Schweiz rund 3,5 Millionen Hektoliter Bier gebraut, was einer Steigerung von 1,8 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode entspricht. Aus dem Ausland eingeführt wurden 1,2 Millionen Hektoliter.

Dass die Bierbilanz trotz des Hitzesommers ausgeglichen ausfällt, erstaunt den Verband nicht. Wärme fördert zwar den Bierdurst. Gleichzeitig besagt eine alte Brauer-Regel nach Verbandsangaben, dass es nicht zu heiss sein darf. Ab Temperaturen über 28 Grad würden viele Biertrinkende erfahrungsgemäss den Durst mit Mineralwasser löschen.

Politik belastet die Brauer

Punkto Politik sahen die Bierbrauer bei der Swissness-Vorlage Morgenröte. Wie der Verband berichtet, stellte der Bundesrat in der Verordnung klar, dass Schweizer Wasser beim Bier wesensbestimmend ist und damit zu dessen Swissness zählt.

Fast Hopfen und Malz verloren ist für die Brauer aber bei den neuen Verordnungen im Lebensmittelrecht. Diese Anpassungen ans europäische Recht sind derzeit in der Vernehmlassung. Nach einer ersten Analyse drohten der Schweizer Lebensmittelbranche und damit den Brauern neues Ungemach, schreibt der Verband.

Warnhinweise müssten landesweit dreisprachig angebracht werden, die Herkunftsdeklaration werde stark verkompliziert und die Übergangsfristen seien unnötig kurz. Ziel müsse es doch sein, Handelshemmnisse ab- und nicht aufzubauen, monieren die Bierbrauer.

Auch die Revision des Alkoholgesetzes drohe nach siebenjähriger Diskussion zu scheitern. Hoffnung bestehe noch im Ständerat.

Sorgen wegen Frankenschock

Neben der Politik bereitet auch das wirtschaftliche Umfeld den Brauereien Kopfzerbrechen. Dieses habe sich erneut verschärft. Dabei spielt nicht nur der sinkende Bierdurst in Europa eine Rolle.

Der Frankenschock und der damit einhergehende Einkaufstourismus führen dazu, dass die Brauereien gleichzeitig hocheffizient und innovativ arbeiten müssen. Der Margendruck seitens des Detailhandels, der rückläufige Bierkonsum in Gaststätten und die ausbleibenden Touristen aus Europa seien weitere Herausforderungen.

574 aktive Braustätten

Dem Brauerei-Verband gehören 17 Brauereien an, die für 96 Prozent der Schweizer Bierproduktion stehen. Sie brauen rund 250 verschiedene Biere – mit steigender Tendenz.

Zurzeit sind bei der Eidgenössischen Zollverwaltung 574 aktive Braustätten registriert. 1985 waren es erst 35. Der grösste Teil der Kleinbrauereien wird nebenberuflich betrieben. Die 50 grössten Brauereien produzieren 99 Prozent des Schweizer Biers.

(dv/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick am 16.11.2015 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Frankenstärke

    Warum sollten die Schweizer Bierbrauer Angst haben? Sie stellen das Bier in der Schweiz her und verkaufen es auch hier. Profitieren sogar noch falls Sie Rohstoffe im Ausland zukaufen. Wovor fürchten Sie sich? Ich behaupte mal wer im Ausland Bier kauft der hat schon vorher kein Schweizer Bier gekauft. Wenn ich ein Corona will dann kaufe ich ein Corona, wenn ich ein Calanda will dann kaufe ich ein Calanda.

    einklappen einklappen
  • Nico Meier am 16.11.2015 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bier und Wein

    Bier ist in meinen Augen wie auch Wein ein Genussmitel bei dem in erster Linie der Geschmack zählt wer dabei nur auf den Preis achtet, der hat etwas nicht verstanden!

    einklappen einklappen
  • Rolf Stuck am 16.11.2015 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    noch Potential

    Die Schweiz ist keine Biertrinker-Nation. Das Potential ist noch riesig, nur fehlt es an qualitativ hochwertigen Bieren. Leider wird der Markt von den Grossbrauereien und einigen Modebier-Brauerereien mit schlechtem Bier dominiert. Man sollte sich ein Beispiel an den Deutschen, speziell den Franken und Bayern nehmen. Weniger und kleinere Brauereien, dafür mit hochwertigem Bier, sehr traditionell aus heimischen Zutaten und natürlich strengstens nach dem Reinheitsgebot hergestellt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Prost Nägeli am 17.11.2015 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Qualität sinkt bei den Industriebieren

    Die Industriebiere der CH-Brauereien, die von internationalen Konzernen aufgekauft wurden schmecken alle gleich. Also für mich ist Coop Prix Garantie 0.5 Liter 60 Rappen das Günstigste dieser Sorte und o.k.. Viel besseres Bier gibts von den vielen kleinen Brauereien. Aber um die zu kaufen, muss man fast einen Kleinkredit aufnehmen.

    • Kevin am 17.11.2015 14:51 Report Diesen Beitrag melden

      ekelhafte plörre

      willst du sagen, dass Prix-garantie-Bier geniessbar ist? das ist die hinterletzte plörre. bei diesem Gesöff geht es nur darum mit möglichst wenig Geld, möglichst grosse mengen zu kaufen. gut ist alles andere. wer billig einen rausch will, soll es kaufen, aber zum geniessen ist es nicht. in meinen augen ist dieses Bier für alkoholiker mit wenig Geld gemacht.

    • Prost Nägeli am 17.11.2015 20:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Kevin

      Habe gehört, dass das Prix Garantie von Eichhof und/oder Calanda ist. Ich habe mit Freunden einen Blindtest gemacht und alle fanden das Bier gut. Die trinken sonst vorwiegend Feldschlösschen etc.. Wenn die Büchse nicht 2 Franken oder mehr kostet, denkt der Schweizer wie Du es sei ungeniessbar. Prost, ich habe Freude, wenn der Rubel in der Schweiz rollt.

    einklappen einklappen
  • Conando am 17.11.2015 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Geschmackssache

    Mir gefallen die heimischen Industriebiere vom Massenmarkt nicht, sie sind mir einfach zu langweilig und schmecken alle fast genau gleich, sind eigentlich nur als Alki-Diesel zu gebrauchen. Viel interessanter und geschmacklich vielfältiger sind die Biere von regionalen Klein- und Mikrobrauereien, die lassen sich originellere Ideen einfallen und sind auch mal bereit ein Wagnis einzugehen.

  • Baslerbebbi am 17.11.2015 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Rugenbräu bei Interlaken

    Mir persönlich schmekt das Rugenbräu am Besten. Ich fahre von Basel alle 3 - 4 Wochen hin um eine Ladung zu kaufen.

  • Peter am 17.11.2015 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Bier

    Die besten Biere hatte ich im Tramdepot, Bern oder in der Rathausbrauerei Luzern.

  • aus dem Himmel am 17.11.2015 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Der Aloisius

    So liebe Grossbrauer. Jetzt muss ich es mal los werden. Was ihr betreibt ist Materialverschwendung. Man kann auf Hopfen und Malz und Wasser auch Bier brauen, nicht Industrieplöre. Was ihr unter dem Namen Bier auf den Markt bringt, mit dem wasch ich am Samstag mein Auto! Fad, langweilig, abgestanden, ideenlos. Wenn ich die Klein- und Microbrauereien anschaue, da bekomme ich edles Gebräu. Und ja, mir ist es egal dafür das Doppelte zu bezahlen. Also das mit dem Franken zieht nicht. Aber so lange ich besseres Bier im Ausland oder bei Kleinbrauerein bekomme, beziehe ich dort mein Manna.

    • alal am 17.11.2015 08:49 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist wie immer Geschmackssache...

      ...und darüber sich streiten ist etwas schwierig. Ich finde diese "Einheitsbrühe" gehört für mich zu meinem "täglich Brot", ich habe Feldschlösschen und Co. gerne, anscheinend bin ich nicht der Einzige oder wir haben wirklich viele geizige Menschen, welche auf Genuss verzichten. Versteh' mich nicht falsch, ich LIIIIEEBE es, z.Bsp. in Bern zum Barbiere zu gehen und neue Biere auszuprobieren und es gibt dort solche, die sind sowas von lecker, aber zwischendurch habe ich es auch gerne einfacher...wie beim Essen, Rindsfilet ist super, aber ein einfaches Stück Ruchbrot auch...

    • Frozen am 17.11.2015 10:51 Report Diesen Beitrag melden

      Wie kann man es gern haben?

      Die Brauart der "Einheitsbrühe" wie Feldschlösschen ist so, dass das Bier gar keinen geschmack entwickelt haben KANN. Was Sie schmecken, ist Alkohol und Wasser mit etwas Bitter. Und Alkohol schmeckt nicht gut. Was Sie als "Täglich Brot" mögen, ist nicht Feldschlösschen, sondern ein simples, blondes Lager. Ich kenne alleine in der Region Bern ein duzend Brauereien, die tatsächlich gute solche machen, keines kostet über 3 Franken. Die besonderen Biere aus den Bierbars sind durchaus etwas besonderes, und auch für mich nichts für das Trinken nebenbei, aber auch dann hat man Alternativen.

    • Cohiba am 17.11.2015 12:29 Report Diesen Beitrag melden

      sehe ich auch so

      das industrielle Massenbier ist für die breite Masse gedacht und diese stellt nur Ansprüche an Quantität und nicht an Qualität. Die Stadion- und Openairbesucher, wochenendliche Bahnhofgammler und auch die meisten Pubbesucher wollen sich in erster Linie betrinken, das Bier ist das billigste und bequemste Mittel um einen Rausch zu erreichen, der Genuss spielt dabei keine Rolle.

    einklappen einklappen