ICT-Branche

03. Juli 2012 14:07; Akt: 03.07.2012 15:20 Print

In der Schweiz fehlen tausende Informatiker

Ohne wirksame Gegenmassnahmen fehlen in der Schweiz bis 2020 rund 25'000 ICT-Fachkräfte. Jetzt soll die Branche vor allem auch für Frauen attraktiv gemacht werden.

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Frauen sollen vermehrt in die Programmier-Tasten greifen. (Bild: Keystone)

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In der Schweiz fehlt es an Fachkräften im Informatik- und Kommunikationsbereich (ICT). Der Berufsverband ICT-Berufsbildung Schweiz fordert deshalb gezielte Massnahmen, um das Interesse an Informatik bereits in der Volksschule zu wecken.

Ohne wirksame Gegenmassnahmen fehlten in der Schweiz bis 2020 rund 25 000 ICT-Fachkräfte, heisst es in einer am Dienstag vom Verband in Zürich vorgestellten Studie. Damit bestehe das Risiko, dass zunehmend ganze ICT-Dienstleistungszweige ans Ausland verloren gehen. Am grössten sei der Rekrutierungsbedarf im Bereich Software-Entwicklung.

Zürich ist das Silicon-Valley der Schweiz

Gemäss der Studie stieg die Zahl der Beschäftigten im ICT-Bereich in der Schweiz seit 2009 um 3,5 Prozent auf 177 000. Rund ein Drittel sind im Kanton Zürich tätig. Eine von 15 Personen oder 6,8 Prozent der Erwerbstätigen sind ICT-Beschäftigte. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 4 Prozent.

Der hohe Zürcher Anteil führt der Berufsverband ICT-Berufsbildung darauf zurück, dass rund ein Viertel aller Schweizer ICT-Firmen und mehrere global bedeutende ICT-Konzerne ihren Sitz im Kanton Zürich haben. Zudem hätten die Zürcher Bildungsstätten einen guten Leistungsausweis als Forschungsinstitute und ICT-Ausbildner.

Hohe Wertschöpfung

Mit 27,3 Milliarden Franken erziele die ICT-Wirtschaft in etwa die gleiche Wertschöpfung wie die Bauwirtschaft mit 28,3 Milliarden Franken, heisst es in der Studie. Die Wertschöpfung der chemischen Industrie (21,3 Mia.) und des Maschinenbaus (11,7 Mia.) sei deutlich tiefer.

Überdurchschnittlich hoch sei auch die Produktivität in der Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche. 4 Prozent der Erwerbstätigen erwirtschafteten einen Anteil von 5,2 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP).

Frauenquote erhöhen

Die Verfasser der Studie gehen davon aus, dass bis ins Jahr 2020 die Wirtschaft und öffentliche Verwaltung einen Rekrutierungsbedarf von 72 500 qualifizierten ICT-Fachkräften haben. Weil derzeit viel zu wenig junge Leute eine Informatik-Ausbildung absolvierten, könne der Bedarf heute und vor allem auch in Zukunft nicht gedeckt werden.

Eine Chance sei der tiefe Quote von 13 Prozent Frauen im Berufsfeld ICT, hält der Verband fest. Die Erhöhung des Frauenanteils auf 30 Prozent, wie es in andern Ländern üblich sei, könne den Mangel an Fachkräften mildern. Damit dies erreicht werden könne, müsse das «technokratische Image» der ICT aufgebrochen und die Informatik den jungen Frauen sympathisch und zugänglich gemacht werden.

Es müsse vermehrt sichtbar werden, dass die ICT-Branche gerade für Frauen ein attraktives Berufsumfeld darstelle. In zahlreichen ICT-Berufen seien kommunikative und kreative Fähigkeiten gefragt und die Berufe liessen sich gut mit Familienarbeit kombinieren. Das Interesse dafür müsse schon auf der Stufe Volksschule geweckt werden.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, müsse mittelfristig die Zahl der ICT-Ausbildungsplätze der beruflichen Grundausbildung von heute knapp 7000 auf 10 000 erhöht werden. Dies seien etwas mehr als 5 Lernende auf 100 ICT-Beschäftigte und entspreche etwa dem schweizerischen Mittel in den übrigen Berufen.

(sda)