Immobilienblase

11. April 2014 07:12; Akt: 11.04.2014 09:20 Print

Makler bleiben auf Luxuswohnungen sitzen

Für Liegenschaften in der Schweiz wird nicht mehr jeder Preis bezahlt. Das gilt insbesondere für Objekte im Luxusbereich. Die Suche nach Käufern dauert dort bedeutend länger.

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Blick in eine Eigentumswohnung im Mobimo-Tower in Zürich. Das Prestigeobjekt wurde vom Basler Star-Architekten Roger Diener gebaut und kostete 250 Millionen Franken. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Die Immobilienblase ist kein Phänomen, sie existiert. Die mehrjährige Hausse hat zum Teil zu Preisen geführt, die heute nicht mehr bezahlt werden. Und das nicht nur im Raum Zürich, sondern etwa auch in Genf oder Zug. Die Preiserhöhung im Segment für Luxusimmobilien stehe aber in keinem Verhältnis zur sonstigen Teuerung, sagt Claude Ginesta von Ginesta Immobilien: «Eigentümer haben oftmals zu hohe Verkaufserwartungen. Die Hausse der letzten Jahre hat eine Euphorie ausgelöst. Doch nicht alle Segmente haben gleichermassen davon profitiert.»

In den Gemeinden am Zürichsee beispielsweise, traditionell ein «Hot Spot», würden sich Immobilien nicht mehr so leicht verkaufen wie noch vor ein paar Jahren. Mittlerweile dauere es durchschnittlich 100 Tage, bis ein Objekt einen Käufer finde, so Claude Ginesta. Zum Vergleich: Noch im Vorjahr gingen die Liegenschaften schon nach 30 bis 50 Tagen weg.

Ab 6 Millionen wirds schwierig

Am schwierigsten zu verkaufen sind laut Ginesta die Eigentumswohnungen zwischen 2,5 und 3 Millionen Franken. Aber auch für Häuser zwischen 6 und 8 Millionen ist es schwer, einen neuen Besitzer zu finden. Besser sieht es für die ganz teuren Objekte aus. «Für Topvillen um 20 Millionen Franken an Hot Spots wie dem Engadin, am Genfer- und Zürichsee gibt es immer Kunden», so Claude Ginesta.

Im Immobilienjargon nennt sich diese entspanntere Marktentwicklung ein «Soft Landing» – eine sanfte Landung in der Wirklichkeit. Bei Eigentumswohnungen sind in rund 500 und bei den Einfamilienhäuser in knapp 400 Schweizer Gemeinden die Preise gesunken.

Der Immobilienmarkt ist deutlich weniger ausgetrocknet als auch schon. Per 1.3.2014 seien bereits 235 Wohnungen an der Zürcher Goldküste zum Verkauf bereitgestanden – 2011 waren es im Jahresdurchschnitt noch 146 Wohnungen. Was ist der Grund für die Angebotszunahme? «Ganz einfach», sagt Ginesta. «In den letzten Jahren wurde zu viel gebaut, zu gross und zu luxuriös.» Grundsätzlich ist ein Neubau besser zu verkaufen als ein Altbau.

Neue Amortisationspflicht

Die Debatte, ob es in der Schweiz eine gefährliche Immobilienblase gibt, ist seit dieser Woche wieder neu lanciert. In der Sonntagspresse wurde berichtet, dass der Bundesrat über schärfere Regeln bei der Hypothekenvergabe auf dem Verordnungsweg entscheiden soll. Laut Serge Gaillard, Chef der eidgenössischen Finanzverwaltung, stünden dabei Vorschriften über die Belehnung, Tragbarkeit und Amortisation im Vordergrund.

Besonders im Amortisationsbereich ortete die Finanzmarktaufsicht (Finma) schon in ihrem Jahresbericht Handlungsbedarf. «Eine konsequente Amortisation wäre wünschenswert», heisst es da. Durch die langsame Zurückzahlung der Kredite – aktuell muss ein Drittel der Hypothek nach 20 Jahren abbezahlt sein – würden zusätzliche Risiken aufgebaut.

Erhöhung des Hypothekarzinses

Eine andere Massnahme wäre jene, wonach Immobilienbesitzer jenen Zins bezahlen sollen, mit dem die Banken in ihren internen Sicherheitsmodellen rechnen. Dieser kalkulatorische Zins liegt bei rund 5 Prozent und ist damit doppelt so hoch wie der Hypothekarzins. Der Aufpreis zum Marktzins soll dann zur Rückzahlung der Hypothek verwendet werden.

Ginesta ist sich in seinem am Donnerstag präsentierten Szenario sicher, dass die «schnellere Amortisationspflicht vom Gesetzgeber leider ernsthaft in Betracht gezogen wird». Wohnen würde damit künstlich verteuert zugunsten des Sparens – und das würde den Traum vom Eigenheim dann doch wieder in die Ferne rücken lassen. «Aus einem Soft Landing könnte dann ein dramatischer Marktabschwung werden», sagt Ginesta.

(cls)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Seebueb am 11.04.2014 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Grosse Schäden

    Ich bin am Zürichsee aufgewachsen. Was da an modernen und wirklich nur noch überteuerten Bauten hingestellt wird, ist eine Frechheit! Die Vermieter preisen den Bezug zu Dorf und See an, vermieten dann die Wohnungen an Leute die sich einen Dreck um die Gemeinte kümmern und nur ihre Ruhe haben wollen. Das schädigt Landschaft und Kultur im hohen Masse!

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  • Andreas Stucki am 11.04.2014 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum kein Hochhaus für Normalos

    Es ist pervers. In Zürich stehen die Menschen Schlange - man baut zwar fleissig, aber nur sehr viele Büros und Luxuxwohnungen. Kann mir jemand mit Kenntnis antworten, weshalb sich ein Hochhaus mit einfach eingerichteten Wohnungen auf 40 Stockwerken mit Wohnraum zwischen 2000-2500 Fr. nicht rechnen soll?

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  • Fritz am 11.04.2014 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Lemmingwirtschaft

    Vor einigen Jahren hiess es "Mit Luxuswohnungen kann man Geld drucken!" und schwups hat Hinz und Kunz sein Geld in entsprechende Immobilien investiert. Nun reiben sich dei Lemminge erstaunt die Augen während die Investmentberater grinsend nachechnen wieviel Geld sie an den Trotteln verdient haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Christian Huwiler am 12.04.2014 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentum nicht für alle

    Es ist so, wie es mein Vater schon vor 40 Jahren gesagt hat: wer spart, Eigentum kauft und abzahlt wird bestraft. Billige Zinsen sind so etwas, wie eine Falle. Und wann ändert endlich die CH das System zum Eigenheim geändert? Nie, denn die Reichen bestimmen das Wirtschaftssystem und wenn die Banken pleite gehen, zahlt erst noch das Volk!

  • Tim142 am 12.04.2014 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Banken sind schuld!

    Schafft endlich den Eigenmietwert und die Abzüge für Hypotheken ab und die ganze kranke Kreditblase wird sich von alleine verziehen. Bund und Nationalbank warnen und mahnen - Dabei haben sie den ganzen Schlamassel erst ermöglicht!

  • Mr. P. am 12.04.2014 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wohnraum schaffen

    ...das heisst es immer....Wohnraum schaffen....aber für wen? Die Superreichen, wenn möglich Doppelverdiener ohne Kids. Sie besetzen Wohnraum an bester Lage...Wohnraum schaffen...typisch...jetzt "schneit es den Besitzern aber gehörig auf den Seckel" Das mag ich denen gönnen, jenen, die einfach nur Profitgeil sind. Jetzt haben auch Normalos eine Chance, zu bezahlbaren Wohnungen zu kommen!

    • sumpfi am 12.04.2014 13:40 Report Diesen Beitrag melden

      Schuld

      sind nicht die Doppelverdiener ohne Kinder. Wenn jemand sein Geld lieber in eine Frau und 5 Kinder investiert, hat er zum leben eben entsprechend weniger. Und warum sollen sie die Wohnungen an bester Lage nicht bekommen? Eifersüchtig? Die Schuld sucht man am besten bei sich selber.

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  • R.Ockefeller am 12.04.2014 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    wo sind wir denn

    auf was für einem Planeten leben Leute die denken dass man für eine EW in der Schweiz 250 Millionen franken verlangen könnte ? nicht mal der Palast des sultans von brunei hat einen solchen wert. aber es ist wie überall - ein Gegenstand ist nur so viel wert wie ein anderer bereit ist, dafür zu bezahlen.

    • H Braun am 12.04.2014 09:12 Report Diesen Beitrag melden

      Gesamtkosten

      Das sind die Kosten für den Bau des ganzen Turms!

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  • Thomas am 12.04.2014 01:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jammer Jammer

    Habe fast Mitleid mit diesen Makler! Die kassieren ab und jammern, so arme!