Experten-Tipps

11. Dezember 2016 00:05; Akt: 12.12.2016 12:28 Print

So entfaltet Ihre Spende die maximale Wirkung

Fokussieren statt verzetteln, die Briefflut eindämmen und richtig kündigen: Experten erklären, wie Sie Ihre Spendengelder effizient einsetzen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Schweizer sind ein spendables Volk: Über 1,7 Milliarden Franken wurden letztes Jahr für gemeinnützige Zwecke aufgewendet. Auch dieses Jahr dürften die Hilfswerke in der Vorweihnachtszeit noch alle Hebel in Gang setzen, um ihr Spendenziel zu erreichen. Doch wie stellt man als Kleinspender sicher, dass das gesprochene Geld möglichst effizient eingesetzt wird? 20 Minuten hat Tipps von Experten gesammelt.

Umfrage
Spenden Sie?
52 %
8 %
16 %
23 %
1 %
Insgesamt 1252 Teilnehmer

Auf wenige Organisationen fokussieren

Martina Ziegerer, Geschäftsleiterin der Stiftung Zewo, rät davon ab, die Spende möglichst breit zu streuen und viele Hilfswerke zu berücksichtigen. «Auch wenn in der Vorweihnachtszeit viele Sammlungsaufrufe von Hilfswerken im Briefkasten sind, lohnt es sich, zu fokussieren.» Man sollte sich überlegen, welche Anliegen einem wirklich wichtig sind und dann eine seriöse Organisation auswählen, die sich dafür einsetzt. «Indem man den Spendenbetrag auf wenige sorgfältig ausgewählte Hilfswerke verteilt und diese längerfristig unterstützt, reduziert man den Werbeaufwand.»

Robert Purtschert, emeritierter Professor am Institut Verbandsmanagement an der Uni Freiburg, ergänzt: «Wer seine Spende laufend an eine andere Organisation gibt, setzt jedes Mal administrative Vorgänge mit Kostenfolgen in Gang.» Bei den Standaktionen in den Strassen beispielsweise fliesse die erste Spende direkt an die Fundraising-Agentur und nicht an das Hilfswerk. «Solche Engagements sollten mindestens fünf Jahre aufrechterhalten werden, damit deckt die erste Spende aufs Ganze gesehen 20 Prozent der Unkosten, was ein akzeptabler Wert ist.»

Statt sich rein auf die Administrations- und Werbekosten zu konzentrieren, empfiehlt Jonas Vollmer von der Stiftung für einen effektiven Altruismus auch die Effizienz der Projekte genau zu prüfen. «Eine Organisation mit tiefem Verwaltungsaufwand kann ihre Gelder genauso in unwirksame Projekte investieren.» Vollmer plädiert darum dafür, sein Geld dort einzusetzen, wo es die grösste Wirkung entfalten kann: «Mit einer Spende von hundert Franken kann in einem Entwicklungsland zehn- bis hundertmal mehr erreicht werden als hierzulande.»

Unnötige Werbeversände vermeiden

Viele Spenderinnen und Spender müssen laut Purtschert immer wieder angefragt, gebeten oder eben motiviert werden, weiter zu spenden. Wer also zwar einen fixen Betrag spenden will, von dieser Organisation aber keine weitere Information oder weitere Aufrufe wünscht, sollte dies dem Hilfswerk mitteilen, rät Martina Ziegerer.

Diese Strategie empfiehlt sich auch für Personen, die ihre Zahlungen eingestellt haben: Denn wer noch in den Adressdatenbanken gespeichert ist, bekommt möglicherweise weiterhin Spendenbriefe nach Hause geschickt. Robert Purtschert empfiehlt, in einem solchen Fall die Adresse löschen zu lassen.

Kleine, unbekannte Organisationen unterstützen oder lieber die Etablierten?

«Ein neues, noch nicht bekanntes Hilfswerk muss einiges investieren, um bekannt zu werden», erklärt Robert Purtschert, denn jeder «Markenaufbau» koste. Etablierte Hilfswerke hätten da einen Vertrauensbonus, was die Fundraisingkosten senke.

Wichtiger als die Grösse der Organisation ist für Jonas Vollmer von den effektiven Altruisten die Frage nach der Finanzierungslücke: Grosse Organisationen verwenden eine private Kleinspende oft nicht für die angegebenen Projekte, weil diese ohnehin bereits finanziert sind.

«Entscheidend ist, sich intensiv mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis des unterstützten Projekts auseinanderzusetzen», sagt Vollmer. Dabei könnten wissenschaftliche Analysen zur Wirksamkeit der Hilfswerke helfen, wie sie etwa der Evaluator Givewell bietet.

(pam)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gloria derungs am 11.12.2016 00:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    helft den armen menschen in der schweiz

    man meint, man tut gutes, aber man hilft nicht notleidenden menschen, sondern man unterstützt aufgeblähte administrationen dieser sogenannten hilfswerke.

    einklappen einklappen
  • Klartext am 11.12.2016 00:38 Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Entweder man gibt das Geld direkt bzw. investiert es selber vor Ort oder man lässt es bleiben! Alles andere ist reine Geldverschwendung.

    einklappen einklappen
  • Nein Nie am 11.12.2016 00:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Um himmels willen

    Spenden? Etwa dem roten kreuz? Wo 95% in angeblichen verwaltungskosten versickern? Glückskette? Ich zahle steuern, da ist entwicklungshilfe drinnen. Auch spenden an hilary clinton

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ann am 12.12.2016 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    -----

    Wir haben leider schon sehr viel Armut in der Schweiz. Wir werden einer armen Eidgenossen- Familie auf Weihnachten eine Freude machen. Aber ohne Institutionen mit Zwischenverdienst. Zuerst sollten wir uns einfach um unsere Landsleute kümmern. Dann für andere.

  • m.h. am 12.12.2016 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Art

    Ganz einfach meine Spendengelder kommen nur an Leute die ich kenne. Das Gellabere dieser Studenten die als Nebenjob für was an der Strasse stehen und nicht mal selbst was davon halten ist mir egal. Bei viele grossen Organisationen verschwiedet das Feld in der Administration.

  • Marina am 12.12.2016 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz:Bald ein Land von Armen?

    Uns geht es nicht mehr gut in der Schweiz.Wir werden selber immer ärmer,mit dieser falschen Asylpolitik,und dieser Kriminalität.Spenden kann man vergessen.Das kann nur noch unsere Elite,die total Volksfremd geworden ist.

    • Schweizer am 12.12.2016 10:21 Report Diesen Beitrag melden

      Übertreiben nützt nichts.

      Uns geht es immer noch sehr gut. Klar müssen wir aufpassen, dass unser Wohlstand nicht bachab geht. Ja es gibt Menschen, die sich kaum mehr ernähren können. Die haben aber auch kein TV, kein Auto, kein Smartphone etc. Trotzdem geht es den meisten noch sehr, sehr gut. Lusxusgüter gehören nicht zu den "Armen".

    • Saratoga am 12.12.2016 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      Kollegen

      Bei uns im Kollegenkreis fragen wir auch nicht mehr: " wie lange noch bis zu Deiner Rente? " sondern: "wie lange noch bis zu Deiner Altersarmut?"

    einklappen einklappen
  • Franz Meier am 12.12.2016 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jede Rappe zellt

    Den groessten administrativen Aufwand hat sicher "jede Rappe zellt" Da wird mit einem Millionen Aufwand Reklame fuer etwas gemacht , dass andere Hilfswerke auch unterstützen. Trotzdem fallen viele Leute darauf rein!

    • Berner am 12.12.2016 10:23 Report Diesen Beitrag melden

      Einfache Rechnung

      SRF könnte doch anstelle dieses riesigen Anlasses JRZ das Geld direkt spenden. Wetten, da käme viel mehr zusammen?

    einklappen einklappen
  • Experte am 12.12.2016 04:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realistisch!

    Wer realistisch in der Welt steht weiss, dass es nur ums Geld verdienen geht. Das ist und bleibt eine Tatsache. So funktioniert das Weltsystem. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass diese Leute deren sogenannten Hilfswerke aus Nächstenliebe handeln. NEIN!!! Die wollen Geld verdienen!!! Möglichst viel! Das ist der Kernpunkt! Alles andere ist nur Beilage.