Kassenbeiträge

19. April 2011 08:15; Akt: 19.04.2011 08:32 Print

Der unheimliche Preisrutsch bei den Brillen

von Elisabeth Rizzi - Seitdem die Krankenkassen nicht mehr zahlen, werden Brillen plötzlich billiger. Schweizer haben wohl während Jahren zu viel für ihre Sehhilfen bezahlt.

storybild

Der Wegfall der Krankenkassenbeiträge hat nicht nur bei Kinderbrillen Bewegung in den Markt gebracht. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ende 2010 kam es zu einem eigentlichen Run auf Brillen. Bei der CSS etwa nahmen die Leistungskosten für Brillen und Kontaktlinsen laut Sprecherin Sandra Winterberg im letzten Quartal 2010 um ein Viertel gegenüber dem Vorjahr zu. Der Grund: Bis zu diesem Jahr bezahlte die Grundversicherung Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren jährlich und Erwachsenen alle fünf Jahre bis 180 Franken an Brillenkosten. Seit 2011 werden keine Beiträge mehr an Brillen und Kontaktlinsen entrichtet. Damit und mit der Herabsetzung von Höchstbeiträgen in anderen Bereichen will der Bund 40 Millionen Franken bei den Gesundheitskosten sparen.

Doch wer letztes Jahr noch eine Brille kaufte, hat nicht wirklich ein Schnäppchen gemacht. Die Abschaffung der Krankenkassenbeiträge hat nämlich den Brillenmarkt in Bewegung gebracht. Bei Kinderbrillen sind die Preise so stark gepurzelt, dass die Eltern teilweise noch günstiger fahren als zu Zeiten, in denen die Krankenkassen sich an den Kosten beteiligten. So verkauft etwa der Optik-Discounter Fielmann heute Kinderbrillen zum Pauschalpreis von sage und schreibe 17.50 Franken. Zu Zeiten der Krankenkassenvergütung kostete eine Brille noch 47.50 Franken. Davon zahlte die Krankenkasse 28 Franken an die Gläser. Die Eltern blätterten für die Fassung noch 19.50 Franken hin. Heute kommen sie somit sogar 2 Franken günstiger weg. Laut Fielmann ist das keine Marketingaktion. Die Preise sollen dauerhaft so tief bleiben.

Deutlich unter 180 Franken

Fielmanns Vorpreschen ist kein Einzelfall. Die ganze Branche hat reagiert. Dominic Ramspeck, Sprecher des Optikverbandes, bestätigt: «Nicht nur die grossen Ketten, auch kleinere Geschäfte machen günstigere Angebote für Kinder; sei es mit Pauschalpreisen oder günstigeren Fassungen.» Diverse Angebote liegen dabei deutlich unter den ehemals vergüteten 180 Franken.

Auch bei den Brillen für Erwachsene hat sich etwas getan, obwohl hier die Grundversicherung nur alle fünf Jahre Beiträge leistete. So hat etwa die Kette McOptik für die Kunden der Helsana-Versicherung im Januar, Februar und März den Helsana-Versicherten 100 Fr. Extrarabatt für Gleitsichtbrillen und 80 Fr. für Einstärkenbrillen gewährt. Und ab 20. April bis Ende Jahr sollen Helsana-Neumitglieder 20 Prozent billiger zu einer Brille kommen.

Der Preisrutsch legt den Verdacht nahe, dass die Optiker in der Vergangenheit von den Krankenkassenbeiträgen profitiert und die Preise künstlich hochgehalten haben. Janine Jakob von der Stiftung für Konsumentenschutz meint denn auch: «Da war offenbar noch Spielraum vorhanden.»

Komplizierte Korrekturen bleiben teuer

Nichtsdestotrotz hält die Stiftung nichts vom neuen, freien Wettbewerb. Sie engagiert sich für die Wiedereinführung der Brillenvergütungen. «Das Problem ist, dass die Optiker mit den billigsten Angeboten werben. Bei komplizierten Korrekturen wie etwa starker Kurzsichtigkeit kosten die Brillengläser aber immer noch viel mehr. Hier wären Eltern weiter auf einen Krankenkassenbeitrag angewiesen», so Jakob.

Gemeinsam mit dem Augenärzteverband, dem Patientenschutz und anderen hat sie deshalb eine Petition für die Wiedereinführung der Brillenvergütungen für Kinder lanciert. Die Unterschriftensammlung läuft bis Ende April.

Beim Augenärzteverband sorgt man sich zudem noch über weitere Nebenwirkungen der gestrichenen Kassenbeiträge. Bislang mussten Eltern mit ihrem Kind beim Augenarzt vorstellig werden und dort ein Brillenrezept ausstellen lassen, um in den Genuss der Krankenkassenbeteiligung zu kommen. Nun können sie die Arztrechnung sparen und direkt beim Optiker eine Brille machen lassen. Der Verband befürchtet nun, dass einkommensschwächere Familien ihre Kinder nicht mehr zum Augenarzt bringen. «Das ist aber problematisch. Die Optiker machen nämlich keine medizinischen oder neurologischen Untersuchungen. So können oft die Ursachen für Schielen und andere Störungen unentdeckt bleiben mit entsprechenden Folgen», warnt Sprecher Christoph Egli.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ueli am 20.04.2011 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Florida = es geht auch billiger

    ich war in Florida, habe mir dort eine Varylux mit automatischem Sonnenschutz machen lassen (inkl. Arztuntersuch) und habe ganze 220$ bezahlt. Man sollte die Optiker hier einklagen, weil sie eine Notlage schamlos ausnützen!

    einklappen einklappen
  • Widmer René am 23.05.2011 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Subvention = Abzockerei

    Wir sollten endlich begreifen, dass jedes subventionierte Produkt mindestens um die Subventionsprämie zu teuer ist. Also wehren wir uns doch gegen sämtliche Subventionen! So einfach wärs...

  • Ruedi aus M. am 12.01.2015 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Unersättlich...

    Es ist doch einfach unglaublich, was für billige Plastikgläser, die von Maschinen geschliffen werden, verlangt wird. Im Vergleich zu einer Brille müsste doch ein Fernglas über 20000.- Franken kosten. Das hat bis zu 11 Linsen und 2 Prismen auf jeder Seite, eine etwas aufwändigere "Fassung" mit Knickbrücke und eine Dioptrieverstellung !

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruedi aus M. am 12.01.2015 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Unersättlich...

    Es ist doch einfach unglaublich, was für billige Plastikgläser, die von Maschinen geschliffen werden, verlangt wird. Im Vergleich zu einer Brille müsste doch ein Fernglas über 20000.- Franken kosten. Das hat bis zu 11 Linsen und 2 Prismen auf jeder Seite, eine etwas aufwändigere "Fassung" mit Knickbrücke und eine Dioptrieverstellung !

  • Widmer René am 23.05.2011 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Subvention = Abzockerei

    Wir sollten endlich begreifen, dass jedes subventionierte Produkt mindestens um die Subventionsprämie zu teuer ist. Also wehren wir uns doch gegen sämtliche Subventionen! So einfach wärs...

  • Tobi am 12.05.2011 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Löhne

    Ich verstehe die Hetzkampagne gegen die Optiker nicht. Wie jeder weis ist alles in der Schweiz im Vergleich zum Aussland teurer, dafür sind die Schweizer Löhne auch höher. Wer sich über die Preise beim Optiker aufregt sollte bei seinem eigenen Jop mal schauen was der Endverbraucher für die geleistete Arbeit Zahlt.

  • Andy am 24.04.2011 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    überrissene Kontaktlinsenpreise

    Das gleiche bei Kontaktlinsen. Ich bestelle schon lange via Internet in den USA. Meine Speziallinsen konsten in CH: ~Fr. 200 pro Packung. In den USA bekomme ich das genau gleiche Produkt für US$ 26! D.h. in der CH bezahlen ich zurzeit ~ Faktor 10 zuviel!

    • Ein Optiker am 24.04.2011 23:20 Report Diesen Beitrag melden

      Linsenpreise sind zu billig...

      ... kleiner Kommentar von einem Fachmann,..., Linsen werden in Europa nahezu zum Einkaufspreis abgegeben. Daher führen viele Optiker schon keine Linsen mehr, da der Aufwand nicht lohnt. Leider sehen Kunden wie Sie nicht die Arbeitsleistung der Anpassung und Nachbetreuung sowie Kosten der Gerätschaften . Denken Sie bitte daran, wenn Sie wieder zum hiesigen Optiker gehen, weil Sie Probleme mit den Linsen haben, dann aber wieder in die USA klicken zum Kauf.

    • Optiker am 12.05.2011 16:57 Report Diesen Beitrag melden

      Kontaktlinsen Preise

      DAnn kauf deine Lindsen doch da und die Kontolle macht dann die Stewardess beim heimflug oder der Pöstler beim ausliefern. SUPER!!!!!!!!!!!!!!

    einklappen einklappen
  • Ueli am 20.04.2011 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Florida = es geht auch billiger

    ich war in Florida, habe mir dort eine Varylux mit automatischem Sonnenschutz machen lassen (inkl. Arztuntersuch) und habe ganze 220$ bezahlt. Man sollte die Optiker hier einklagen, weil sie eine Notlage schamlos ausnützen!

    • Ein Optiker am 24.04.2011 23:25 Report Diesen Beitrag melden

      Geiz ist Geil

      Es gibt immer irgendwo auf der Welt einen Optiker, der noch billiger ist. Kleiner Tipp,..., Asien. Allerdings dann schade um die hiesigen Arbeitsplätze. In welcher Branche arbeiten Sie denn bitte? Für 220 Dollar bekommt man in der Schweiz nichteinmal Variluxgläser im Einkauf. Nicht immer alles auf die Optiker schieben.

    einklappen einklappen