Neuer Sozialplan

13. April 2017 19:34; Akt: 13.04.2017 20:11 Print

Belair-Angestellte müssen auch krank zur Arbeit

Der angekündigte Sozialplan der Schweizer Fluggesellschaft Belair ist an scharfe Bedingungen geknüpft. Die Gewerkschaft sieht die Flugsicherheit in Gefahr.

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Gehört seit 2009 Airberlin: Ein Belair-Flugzeug am Flughafen Zürich. (Archiv) (Bild: Keystone/Franco Greco)

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Die 225 Belair-Angestellten müssen bis im Herbst auch krank zur Arbeit erscheinen, weil sie sonst möglicherweise kein Geld erhalten. So sieht es offenbar der Sozialplan vor.

Die Pilotengewerkschaft Aeropers bezeichnet die angeblichen Druckversuche durch das Management von Airberlin, dem angeschlagenen Mutterkonzern von Belair, als unverschämt. Zu den Vorwürfen wollte Airberlin nicht Stellung nehmen.

Massenkündigung statt Job-Garantie

Die Fluggesellschaft bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur sda lediglich, dass sie Anfang Woche dem Belair-Personal einen freiwilligen Sozialplan vorgestellt hat. Sie stehe mit den Mitarbeitenden und den Arbeitnehmervertretern in der Schweiz und in Deutschland in engem Austausch. Zu den Details des Sozialplanes wollte die Airline ebenfalls nichts sagen.

Airberlin hatte Anfang März angekündigt, dass sie den Flugbetrieb von Belair auf Ende Oktober einstellen und danach die Airline liquidieren wird. Anfang Woche wurde bekannt, dass es statt der Anstellungsgarantie bis Ende März 2018 nun zu einer Massenkündigung kommt.

Pilotengewerkschaft in Rage

Der Sozialplan soll die Anstellungsgarantie durch eine «Prämie» ersetzen, welche eine Einmalzahlung in Höhe von sechs Monatslöhnen vorsieht.

Wegen der geplanten Verknüpfung des Gesundheitszustandes der Mitarbeiter mit den auszuzahlenden Gehältern ist die Pilotengewerkschaft Aeropers in Rage. Wenn die Belegeschaft im Vergleich zu den jeweiligen Monaten im Jahr 2016 häufiger krank sei, gebe es keine Prämie durch die Belair und zwar für niemanden, heisst es in einer Mitteilung von Aeropers vom Donnerstag.

Flugsicherheit in Gefahr

«Die Mitarbeiter werden massiv gezwungen, auch krank arbeiten zu gehen», sagt Aeropers-Geschäftsführer Henning Hoffman. «Die Kollegen stehen unter einem enormen Druck, der eine klare Gefährdung der Flugsicherheit darstellt. Kein Mitarbeiter wolle die Schuld daran tragen, dass der freiwillige Sozialplan platzt, weil er eventuell krank war», sagt Hoffmann weiter.

Viele Mitarbeiter legten ihre Hoffnung in die sogenannte «Strohhalmlösung», die einen Verkauf des Unternehmens als letzte Rettung vorsieht. Erste Wahl für diese Anschlusslösung soll die österreichische Niki sein, die seit wenigen Wochen auch aus der Schweiz aktiv ist – eine Airline mit viel schlechteren Arbeitsbedingungen.

Fürsorgepflicht des Unternehmens

Wer einen solchen Arbeitsplatz ablehne, verliere seinen Anspruch auf die noch ausstehende Prämie. Auch dies sei eine mehr als unzulässige Verknüpfung durch das Management, moniert Aeropers weiter.

Der Arbeitgeber habe in einer solch schwierigen Situation eines Unternehmens eine gesteigerte Fürsorgepflicht dem Arbeitnehmer gegenüber. Dieser würde er mit solchen Methoden in keiner Form nachkommen.

Seit Jahren in Schwierigkeiten

Die Belair gehört seit 2009 vollständig zu der seit Jahren defizitären Airberlin. 2015 flog die deutsche Airline einen Rekordverlust ein. Schuld ist laut Experten eine verfehlte Expansions-Strategie. Ohne Finanzspritzen des grössten Aktionärs, der arabischen Etihad, wäre Airberlin vermutlich längst am Boden, sind sich Beobachter einig.

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Giräffli78 am 13.04.2017 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krank...

    Wieder müssen die Angestellten für schlechtere Arbeitsbedingungen den Kopf herhalten. Wo soll dass hinführen wenn sie krank arbeiten sollen?? Sowas ist einfach unverantwortlich...

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  • marko 32 am 13.04.2017 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krank zur Arbeit belair

    Das ist fahrlässig!!

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  • Vielflieger am 13.04.2017 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    Krisenbranche

    Klar doch! Macht die Flüge noch billiger und fast alle werden Konkurs gehen! Ich fliege oft und mich nervt diese "Geiz ist Geil" Mentalität nur noch! Auf Langstreckenflügen möchte ich einen Top - Service und gutes Essen haben! Es ist mir auch egal, wenn das Ticket 200 Franken mehr kostet! Dieser Billigmüll den man heute serviert bekommt spottet allen Beschreibungen. Aber es gibt ja bald keine Airlines mehr, die noch einen guten Service und gutes Essen zu fairen Preisen bieten! Nur noch billig und noch billiger.. Bald muss man die Butter für das lampige Frühstücksbrötchen noch mitbringen..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wikileaks Suisse am 15.04.2017 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    andere auch und noch schlimmer

    MIGROS Angestellte müssen das auch und bei 3mal krank in einem Jahr gibt's ein gespräch und wenn du nochmal krank wirst innerhalb der gesetzten Frist, gibt es eine Schriftliche Verwarnung. Das musste mal gesagt werden.

  • MaxS am 15.04.2017 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Auslagern

    Das Streckenangebot wird für uns Konsumenten kaum ändern. Es werden einfach CH Crews durch günstigere ersetzt als Beitrag zur Sanierung des Mutterhauses. Der CH Markt ist ja atraktiv. Belair gibt es ja schon lange nichr mehr. Dass nun das Ganze die Angestellten derart ausbaden müssen ist höchst verwerflich. Ausländisch kontrollierte Gesellschaften denken weniger an echte Lösungen in der Schweiz.

  • Penelope am 15.04.2017 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch

    das ist tragischerweise an vielen orten der fall!!! auch bei uns im gesundheitswesen!!!

  • Urs am 15.04.2017 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wieder einmal hat es faule "Köpfe" an der Spit

    Wie schon so oft verwechseln die "grossen" Köpfe an der Spitze, dass das wirkliche Leben mit einem Monopoli (Expansions-Strategie) Spiel. Die, welche das Desaster ausbügeln müssen, sind wieder einmal mehr die Mitarbeiter.

  • [HazE]Büsi am 15.04.2017 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hahaha denkt ihr echt nur bei Belair?!

    Geht mal in Coop schauen am Winter oder Herbst, sehr viele Verkäufer sieht man krank arbeiten.

    • Wülsi am 15.04.2017 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @[HazE]Büsi

      vorallem im neuen Coop Bäckerei- und Verteilzentrum Schaffisheim...

    • [HazE]Büsi am 15.04.2017 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wülsi

      Das weiss ich leider nicht, aber in jeder Coopfiliale in der ich bis jetzt war (Frick, Möhlin, Kaiseraugst, Basel, Laufenburg) sah man sehr viele krank arbeiten. Auch da wird anscheinend die Angst vor Kündigung benutzt um den Mitarbeiter arbeiten zu lassen. Verwarnungen wegen Kranktagen etc man hört leider sehr viel

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