Lehrlingsproblem

07. August 2016 12:50; Akt: 07.08.2016 13:11 Print

Eltern wählen für Kinder Jobs mit Image-Faktor

Zahlreichen Branchen droht der Fachkräftemangel. Schuld daran sind auch die Eltern, die nur das Beste für ihre Kinder wollen.

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Zahlreiche Betriebe finden keine Lehrlinge – mehr als 7109 Lehrstellen waren letzte Woche noch unbesetzt, wie der «SonntagsBlick»in seiner aktuellen Ausgabe schreibt. Doch das bedeutet nicht, dass alle Jugendlichen einen Ausbildungsplatz finden. Bis zu 7000 junge Erwachsene stehen noch ohne Lehrstelle da. Experten bezeichnen die paradoxe Situation als «Passungsproblem» – zwischen Stift und Stelle passe es nicht, schreibt das Sonntagsmedium dazu.

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Verantwortlich für die Lehrlingsmisere sind demnach nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern auch deren Eltern, die nur das Beste für ihre Sprösslinge wollen. «Eltern haben einen bedeutenden Einfluss auf die Berufswahl», so Urs Casty, Gründer der Lehrstellen-Webseite yousty.ch, zur Zeitung. Gerade weil sich die Jugendlichen in einem «schwierigen» Alter befänden.

Mütter hätten diesbezüglich häufig den grösseren Einfluss auf die Kinder als Väter. «Die Jugendlichen sind in diesem Alter mit vielem beschäftigt, nur nicht mit der Berufswahl», stellt auch Nicole Huisman, Marketing-Verantwortliche beim Schweizerischen Carrosserieverband (VSCI) fest.

Eltern blenden handwerkliche Talente aus

Das grosse Problem: «Die Eltern halten zu lange an den Traumlehrstellen ihrer Kinder fest», so Casty. Statt bei besonders beliebten Lehrstellen Alternativen aufzuzeigen, würden Kinder in ihren Wunschvorstellungen bestärkt.

«Mütter blenden die realistischen Fähigkeiten und Interessen, aber auch die Schulmüdigkeit oder die handwerklichen Talente ihrer Kinder mehrheitlich aus», sagt auch Margrit Stamm, Professorin für Erziehungswissenschaft. Eltern würden sich auf höchstens vier Berufe konzentrieren – davon meist solche mit einem guten Image.

Berufsmessen richten sich an Eltern

Diese eingeschränkten Optionen würden dazu führen, dass es unter anderem in Handwerksberufen an Nachwuchs fehlt, sagt Huisman. «Es ist nach wie vor sehr schwierig, qualifizierte Jugendliche für unsere Lehrstellen zu finden», sagt sie zum «SonntagsBlick». Der VSCI hat reagiert: «An den Berufsmessen richten wir uns stark an die Eltern.»

Man wolle ihnen aufzeigen, dass es nicht beim Handwerk bleiben müsse. Die Jugendlichen könnten sich bis zum Meister weiterbilden, was mit einem Masterstudium vergleichbar sei. Und für Professorin Stamm ist klar: «Die Eltern sollten die Berufswahl der Kinder viel entspannter angehen.»

(pat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S.B. am 07.08.2016 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wertschätzung fehlt!

    Die Bezahlung zeigt ja klar den Wert einer Stelle an! Da nützt es nichts wenn man leidenschaftlich gärn gärtnert wenn man als ausgelernter Gärtner gerade mal 3500.- bekommt! Da gehe ich lieber studieren und kann mir dann ein Haus mit Garten leisten...

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  • MeU am 07.08.2016 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das gescheiteste

    ist halt das problem mit dem erfolgsdruck in unserer gesellschaft. kommt dazu, dass alle eltern meinen, ihr kind sei das gescheiteste und fähigste.

  • Sehnsucht 67 am 07.08.2016 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kompensieren

    Viele Eltern möchten ihr versagen mit der schulischen Leistung der Kinder kompensieren sollte der Titel des Artikels eher heißen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Let it be am 07.08.2016 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BMS

    Eine Berufslehre mit BMS absolvieren, dann stehen viele Möglichkeiten offen! Ein Studium kann im Anschluss in Angriff genommen werden. Praxisbezug wird auch von den Arbeitgebern sehr geschätzt. Es ist heute so Vieles möglich geworden. Dieser Weg stand früher gar nicht zur Verfügung.

  • Lämpel am 07.08.2016 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handwerker/innen sind sicher

    Das Risiko von Outsourcing ist bei handwerklichen Jobs viel geringer. Ein Arbeiter in China kann ein Haus in der Schweiz planen, aber er kann nicht das Fenster ersetzen. Insofern sind handwerkliche Jobs sicherer.

  • Mr. Spock am 07.08.2016 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tatsache ist

    das ein Handwerksberuf definitiv unterbewertet ist. Bezahlt endlich entsprechende Löhne dann erledigt sich das Problem von allein. Und nein, nicht jeder soll sich weiterbilden zum TS, Eidg.Dipl, Ingenieuer und dergleichen. Wir brauchen auch normale Handwerker die ihr Fach verstehen. Dies wird jedoch keiner ausüben wenn er als Alleinverdiener kaum eine Familie durchbringt.

    • Metallbauer am 09.08.2016 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mr. Spock

      "Bezahlt endlich entsprechende Löhne".... Wie kann/will ein AG diese bezahlen, wenn die Kunden nicht bereit sind für ein Produkt einen anständigen Preis zu bezahlen? Häufig wird ja der günstigste (billigste)Anbieter gewählt. Aber Geiz ist geil, bis es einen selber erwischt. Dann ist das Gejammer gross! Ich liebe meinen Beruf und die Freude, welche ich bei anderen Menschen mit meinen Produkten auslöse.

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  • Deeznuts am 07.08.2016 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    :/

    Meine Eltern haben mir meine Lehrstelle aufgezwungen mit der Begründung: "Muesch eifoch öppis ha" Fazit: Total unglücklich

  • Art am 07.08.2016 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Psychische Gesundheit

    Was bringt mir ein reiches aber unglückliches Kind? Wieso bringt man Kindern nicht bei, dass das Glücklichsein das Allerwichtigste ist?